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Neues Leben Im Alten Mac

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Mein primärer Rechner ist ein 15” MacBook Pro von 2009 — das erste Unibody-Gerät, wenn man sich ein Bild machen möchte. Ich liebe diesen Computer über alles, auch wenn er merklich in die Jahre kommt. Ich habe seine Lebenszeit durch zwei neue Akkus, mehr RAM und eine SSD merklich verlängern können und Probleme, das etwas kaputt gegangen wäre, hatte ich bisher auch keine. Und das, obwohl ich ihn oft mitnehme. Ein echter Panzer. Nun ist dieser Rechner offiziell ein Legacy-Gerät, lässt sich das aktuellste Betriebssystem nun nicht mehr installieren. Das ist ja auch gar nicht schlimm, aber die Sorge, dass mein geliebtes Laptop auf einmal Schlapp macht, ist schon seit einer Weile da. Sorge deshalb, weil ich gerade nicht mal eben €2000,– für einen neuen auf den Tisch legen kann. Jetzt liegt hier in diesem Haushalt noch ein altes weißes Plastik-Makbook von 2007 unbenutzt in der Ecke und mir kam vor ein Paar Tagen die Idee, diesen für den Fall der Fälle fit zu machen, so dass ich wenigstens ein Arbeitsgerät hätte, sollte meiner mal nichtmehr tun. Also habe ich dort ein frisches System draufgebügelt und versucht, eine halbwegs passable Arbeitsumgebung einzurichten. Mein Gott, ist das schlimm…

Es geht damit los — und das ist eigentlich auch das größte Problem — dass nur Mac OS 10.7 (Lion) unterstützt wird. Ich dachte zu Beginn: Kein Problem, wie das OS aussieht ist mir egal, ich brauche keine fancy features, sondern im Wesentlichen meinen Editor, ein paar Compiler, kleinere Tools und einen Browser. Dafür sollte auch die schwachbrüstige CPU ausreichen. Ich verlasse mich auch fast ausschließlich auf Boardmittel plus Homebrew, habe da mein praktisches Brewfile und meine Dotfiles in der Dropbox zu liegen und könnte eigentlich schnell einen funktionalen Arbeitsplatz herrichten. Sollte man meinen.

Mit dem eingestellten Support für moderne Betriebssystemversionen fehlen tatsächlich an vielen Stellen die Voraussetzungen für die Tools, die ich täglich benutze. Es geht damit los, dass sich Homebrew nicht auf einem frischen Lion installieren lässt. Normalerweise wird alles, was dafür gebraucht wird, mitinstalliert. So zum Beispiel die Xcode Command Line Tools. Aber nicht bei einem so alten OS. Wahrscheinlich gibt es kein öffentlich ansprechbares Repository, aus dem das nachgeladen werden könnte. Nach langer Recherche kam ich dann auf die Idee, sowohl Xcode, als auch die Command Line Tools erstmal von Hand zu installieren. Man sollte aber nicht denken, dass der tolle App Store, einem sowas noch anbietet. Nein. Da gibt es selbstverständlich nur die aktuellste Version, für das neueste OS. Der App Store kann mir zwar sagen, auf welchem OS ich gerade bin und dass das aktuelle Xcode im Store nicht funktioniert — ich darf es nichtmal herunterladen — aber er ist nicht in der Lage, mir eine entsprechende Version anzubieten. Dazu muss man nämlich auf die Developer Seite von Apple gehen, sich einen Developer Account anlegen (den ich zum Glück noch hatte), und dann von Hand nach genau der Versionsnummer suchen, die auf meiner alten Kiste gerade noch funktioniert. Ok. Aber wenigstens gibt es das alles noch irgendwie zu bekommen. Damit bequemte sich dann auch endlich Homebrew auf meine Festplatte. Als nächstes habe ich dann Homebrew mein Brewfile zum Fraß vorgeworfen und ihn erstmal machen lassen. (Ein Brewfile ist übrigens nur eine Liste mit Programmen, die man gerne per Homebrew installiert hätte, damit man den ganzen Prozess automatisieren kann.) Nachdem die alte Krücke für ein paar Stunden vor sich hin röchelte traf mich dann der nächste Schlag. Etwa ein Viertel der Programme lässt sich nicht per Homebrew installieren. OS sei zu alt. Dabei handelt es sich verständlicherweise um neue Versionen von beispielsweise Chrome, Firefox, Atom oder anderen Apps, aber auch iterm2, Python3, node, npm und der Haskell Stack. Jetzt hat man sich so schön an clang gewöhnt und muss jetzt erstmal anfangen gcc auf seinem System zu bauen, in der Hoffnung, dass dann wenigstens ein Teil der Programmiersprachen zu installieren sind. Man muss sich das mal vorstellen; es ist nicht möglich einen alten Rechner als Entwicklungsmaschine zu benutzen, weil sich nichtmal die Programmiersprachen installieren lassen. Von irgendwelchen elaborierten IDEs rede ich ja gar nicht erst.

Nun denn. Mit Hängen und Würgen kriegt man das schon irgendwie hin, kann sich virtuelle Maschinen konfigurieren und darauf entwickeln, aber das erzeugt wieder zusätzlichen Overhead, den so ein altes Gerät nicht mit links verarbeitet. Also forschte ich, ob es nicht vielleicht möglich ist, doch ein halbwegs aktuelles OS auf das MacBook zu bekommen. Das einzige, was dem ja im Wege steht ist die alte 32bit Grafikkarte und meiner Ansicht nach ist Yosemite das schnellste OS seit Snow Leopard gewesen. Das sollte also von der grundsätzlichen Performance nicht problematischer sein als bspw. Lion.

Tatsächlich geht das sogar. Man muss dem Installer — in meinem Fall Yosemite — nur vorgaukeln, dass er das Macbook 4,1 unterstützt. Also ein paar plist-en editieren und einer Funktion, die die Modelle prüft ein TRUE anstatt einem FALSE zurückgeben lassen, wenn es über meine Modellnummer stolpert. Das war es schon. Wenn der Rechner noch älter sein sollte und das EFI nicht auf 64bit läuft, muss man noch den Bootloader patchen und fertig ist die Laube. Glücklicherweise gibt es ein paar Leute, die extra Grafikkarten- und Audiotreiber dafür geschrieben haben, damit das Bild nicht ständig flackert und die Tranzparenzen im UI nicht zu Grafikproblemen führen, denn das ist eigentlich das einzige Problem; eine Menge UI wird Hardwarebeschleunigt und dabei auf einen 64bit Chip gesetzt. Wenn man den nicht hat, gibt es Grafikfehler. Die angesprochenen Treiber tun aber Wunder und nun hat man tatsächlich ein funktionierendes und nicht unbedingt langsameres, modernes OS auf dem Oldtimer laufen. Ich bin noch nicht über etwas gestolpert, das sich nicht installieren lässt, aber für dieses Nischenproblem habe ich auch keine besonderen Ansprüche. Ich werde sicherheitshalber beide System auf dem Laptop lassen. Man weiß ja nie.

Wer also noch ein altes Gerät rumzustehen hat und etwas basteln möchte, kann darauf immerhin noch moderne Software laufen lassen. Man sollte sich natürlich bewusst sein, dass die Hardware unten drunter dadurch auch nicht moderner wird. Ich bin jedenfalls happy jetzt einen Ersatzrechner startklar zu haben, falls Old Faithful mal was zustoßen sollte.

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