<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Top 20 TV Shows - 2015

| Comments

Glücklicherweise hat dieses Serienjahr verdammt gut begonnen, denn was dieser Herbst zu bieten hatte, war offen gesagt ganz schön peinlich. Nichtsdestotrotz kamen 20 Serien in diesem Jahr zusammen, die ich wirklich gerne gesehen habe.
Sollte ich eine davon herauspicken müssen, die ich euch besonders ans Herz legen soll, so wäre dies das Kleinod Going Deep with David Rees, von dem wahrscheinlich die wenigsten gehört haben.

Stöbert, nehmt Anregungen mit und lasst eure Meinung da.

  1. Mad Men S07.2 – Die finalen sieben Episoden der letzten Serie des goldenen Fernsehzeitalters explorierten unbeschrittenes Territorium, brachten mich an emotionale Abgründe und ließen mich laut jubeln. Ein wahrlich würdevoller Abschluss einer großartigen Serie.

  2. Fargo S02 – Das Prequel zur in Staffel eins erzähten Geschichte löst sich nun inhaltlich vollständig von der filmischen Vorlage, behält jedoch einiges dessen Formalismus bei, was wesentlich zum hohen Unterhaltungswert beiträgt.
    In dieser Staffel befinden wir uns mitten in einem Bandenkrieg in den 70ern, treffen ein paar bekannte Gesichter wieder und lernen neue vorzügliche Bösewichter, verschrobene Nebentäter und unerwarterte Zuschauer kennen.
    Auch diese Staffel ist wieder blutig, komisch und spannend und etwas besser, als ihre erste Iteration.

  3. The Americans S03 – Staffel drei bietet uns gewohnte Großartigkeit, wie die spannenden Einsätz unserer Spione und vielschichtigen Familiendynamik, schafft aber das, woran so viele andere scheitern — sie schöpfen ganz tolles Drama aus der Tochter des Spionenpaars. Ich bin sehr gespannt, wohin sich das noch entwickelt.

  4. Rectify S03 – Auch Rectify überrascht niemanden mehr mit seiner Großartigkeit. Wer diese glazial erzählte Meditation auf sozialer Reintegration nach der Freilassung eines nach vielen Jahren wegen Mordes unschuldig Eingesperrten mochte, bekommt hier gleichbleibend gute Unterhaltung feilgeboten.
  5. Togetherness S01 – Es gibt wenige Serien, die an jeder Stelle die richtige Entscheidung treffen, treffend beobachten, warmherzig, traurig und komisch sind, dabei eine Geschichte von Bedeutung erzählen und gut gespielt sind. Den Duplass Brüdern gelingt mit Togetherness genau das. Ein wundervolles Kleinod.
  6. Going Deep with David Rees S02 – Die lustigste Serie war für mich in diesem Jahr ohne Frage diese How to Show, die sich mit ganz alltäglichen Fragestellungen wie “How to Flip a Coin”, “How to take a Nap” oder “How to Make Toast” beschäftigt. Dazu bricht David Rees die Frage in all ihre Teilkomponenten runter, spricht dazu mit Experten und kann am Ende der 20 Minuten die eingangs gestellte Frage zufriedenstellend beantworten.
    Die Sendung funktioniert aber nur deshalb so gut, weil der Host so in der Thematik aufgeht und jeden einzelnen Schritt wirklich sehr aufregend findet. Zudem sind er und seine Gäste extrem charmant.
  7. Making a MurdererSerial machte ausladend erzählte Geschichten über Kriminalfälle salongfähig und so war es nur eine Frage der Zeit, bis solche Stoffe auch fürs Fernsehen ein grünes Licht bzw. exponierte Sendeplätze bekamen. Die nächsten beiden Plätze dieser Liste sind herausragende Beispiele dafür und wer mit solchen Geschichten etwas anfangen kann, sollte sich diese nicht entgehen lassen.
    Making a Murderer erzählt die Geschichte von dem aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Steven Avery, der 1985 für Vergewaltigung und schwere Körperverletzung zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde und nach 18 Jahren durch die fortgeschrittene DNA-Analysen entlastet werden konnte und freigesprochen wurde. Kurz nachdem Avery eine Zivilklage anstrengte wurde er wegen Mordes verhaftet und angeklagt. Making a Murderer legt diesen Fall auf hahnebüchene Weise offen, präsentiert auf wunderbare Weise die Fakten und führt uns so mit sicherer Hand durch Averys Leben.
  8. The Jinx – Das inhärente Thema von Making a Murderer ist poor people always loose wogegen hier eher gilt money always wins.
    The Jinx erzählt in etwas knackigeren sechs Episoden den Mord, den Robert Durst begangen haben soll, gewinnt diesen als Verbündeten des Filmemachers, der wiederum in der Lage ist Durst in die Ecke zu drängen.
    Sehr aufwühlend.
  9. The Great British Bake Off S06 – Jau. Eine Back-Sendung schafft es dieses Jahr in meine Top 10. Wir alle kennen die amerikanischen Kochwettbewerbssendungen wie Top Chef, Hell’s Kitchen oder MasterChef. Sie sind laut, aggressiv geschnitten, voller künstlichem Drama und zugestopft mit Product Placement. The Great British Bake Off kommt nicht aus Amerika und geht einen vollkommen anderen Weg. Mitten im Grünen steht ein großes Zelt, in dem liebevolle Hosts und Juroren den Hobby-Bäckern jede Woche drei Back-Aufgaben stellen und wir dürfen ihnen dabei über die Schulter schauen, wie sie wiegen, rühren, backen und dekorieren. Dabei plänkelt entspannte Musik im Hintergrund, die Kandidaten mögen und helfen sich gegenseitig, alle haben sichtlichen Spaß dabei und diese Freude transportiert sich wunderbar durch die Mattscheibe ins heimische Wohnzimmer. Es freut mich sehr, dass Charme und Leidenschaft in jeder Hinsicht besseres Fernsehen schafft als Drama und Action.
  10. Better Call Saul – Wer den verschrobenen Humor von Braking Bad mochte, bekommt mit Better Call Saul einen Spin-Off mit genau diesem Fokus, schaffte sich schnell sein eigenes Fleckchen in der Fernsehlandschaft und war weit besser, als man es erwarten konnte.
  11. The Chair – Ein Skript, zwei Regisseure, die noch nie einen Langfilm machten, kleines Budget und eine Reality TV Show, die beide Filmteams von der ersten bis zur letzten Sekunde begleitet. Wer sich auch nur im entferntesten für das Filmemachen interessiert, kommt an diesem herausragenden Format nicht vorbei. Die beiden Filme, die daraus jedoch entstanden sind, sind jedoch ganz große Scheiße.
  12. The Affair S02 – Ich mag The Affair. The Affair war letztes Jahr in meiner Top 5. The Affair wäre so viel besser, wenn der Plot nicht so unnötig verworren wäre und die Protagonisten nicht ständig die dämlichsten Entscheidungen träfen, um billiges Drame zu erzeugen. Wenn man diese Punkte ausblendet, ist The Affair nach wie vor ganz großes Kino, das all meine Knöpfe drückt, viel zu sagen hat und einfach brilliant besetzt ist.
  13. Show me a Hero – Wenn David Simon neuen Stoff ins Fernsehen bringt, stehe ich auf der Matte und auch Show me a Hero enttäuschte mich nicht. Die Miniserie nimmt sich der wahren Geschichte um einen Bezirk der Mittelschicht in Yonkers, New York an, in dem ein soziales Wohnungsbauprojekt geplant ist. Simon zeigt dies aus der Perspektive des kandidierenden Bürgermeisters (Oscar Isaac), Familien, die diese Wohnungen beziehen wollen und den Anwohnern des Bezirks. So schwierig es ist den politischen Prozess unterhaltsam einzufangen, so gelingt David Simon sicherlich die bestmögliche Version dieses Stoffes.
  14. You’re the Worst S02 – Was in Staffel eins als krude und saukomische Pärchenkomödie begann, entwickelte sich in dieser Staffel zu einer ehrlichen Studie über Depression in der Partnerschaft. Bravo!
  15. Louie S05 – Wie gewohnt darf sich Louis CK hier vollkommen austoben. Wie gewohnt ist das immer interessant, meist gut und manchmal aufregend.
  16. Bloodline – Ein Familiendrama als absoluter slow burn, der eine Weile braucht, um in Gang zu kommen, einen immer durch grandioses Schauspiel bei der Stange hält und ein tolles Ende bereit hält.
  17. Chef’s Table – Eine sechsteilige Dokumentation, die sich in jeder Folge einen herausragenden Koch und dessen Philosophie zum Thema nimmt. Atemberaubende Bilder, spannende Protagonisten und tolle Geschichten.
  18. Last Week Tonight with John Oliver – Wie gewohnt fasst John Oliver die Themen der Woche und eins was ihm am Herzen liegt nicht immer unoberflächlich aber stets unterhaltsam zusammen. Gerade wenn einem eines dieser Hauptthemen fremd ist, bietet Oliver einen pointierten Einstieg.
  19. The Good Wife S07 – Nach sehr schwacher vorheriger Staffel fing sich das einzige Court-Room-Drama, das man sehen kann, stellt Alicia neue Partner zur Seite und weiß wieder gewohnt gut zu unterhalten.
  20. Unreal – Eine fiktive Serie, die hinter den Kulissen eines Bachelor-Verschnitts spielt, stellt den Wahnsinn einer solchen Produktion über etwa die Hälfte ihrer Laufzeit ganz vorzüglich dar.

Comments