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The State of Podcasting

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Podcasts sind zu lang, zu häufig, zu schlecht produziert und voller toter Luft. Schlicht — es steckt oft zu wenig Arbeit drin.

Podcasts gehören zu meiner liebsten und — mindestens zeitlich — umfassendsten Quelle für Unterhaltung und Information.
Zu meiner Podcastdiät gehören welche von professionellen Fernseh- und Filmkritikern sowie jahrelangen Hobbyisten zu diesen Themen, diverse Storrytelling-Podcasts, Special-Interest-Podcsts zu Stiften und Papier, Fitness, Interviews, Cocktails und Bücher und genau einem Tech-Podcast.

Ich würde mir also einbilden einen recht guten Überblick über weite Teile der Podcastladschaft der letzten 10 Jahre zu haben.
Wir alle feiern die Losgelöstheit von zeitlichen Grenzen, Unwichtigkeit von Nischen und massenuntauglichen Formaten. Das meiste ist und bleibt gut verteidbar, aber gerade der Zeitaspekt nervt mich schon seit langem. Ich höre gerne Menschen 3h lang zu, wenn sie Ahnung haben, unterhaltsam sind und tatsächlich etwas zu sagen haben. Ich verstehe auch, dass vor allem die Nachbereitung mindestens die gleiche Länge des Aufgenommenen Materials hat, aber niemand will von Mikrofon-, Kopfhörer-, Mixer-, Skype- oder Internetproblemen hören.
Im gleichen Maß regt mich auf, wenn 10x pro Folge Dead Air entsteht, gefolgt von der Frage “Haben wir noch Themen?” oder “Bist du noch da?”.
Macht euch eine Themenliste, stoppt die Aufnahme, wenn ihr müde seid, kriegt euer Audiosetup vor der Aufnahme in den Griff. Show some fucking respect!

Wenn euer Intro 10 Minuten dauert, bis ihr das erste Mal etwas von Wert erzählt, 10-50% der Sendezeit quasi tote Luft ist, jede Woche die neue beste App unter der Sonne vorgestellt wird oder 10 verschiedene Leute in einer Panelshow 3h lang über einen Film oder ein sonstiges Thema sprechen, dessen Essenz in 10 Minuten gepasst hätte, dann ist das einfach ärgerlich.
Podcaster freuen sich darüber, nicht wie Radio sein zu müssen, dabei würde es ihnen gut zu Gesicht stehen, sich das eine oder andere vom Radio abzuschauen.

Podcasting steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Ihr seid schon lange nicht mehr das einzige Abo für eure Hörer. Besorgt euch passable Mikrofone, jagt das Audofile durch Auphonic. Ihr werdet in der Bahn gehört und wenn man euch nicht verstehen kann, werdet ihr nicht gehört.
Es ist auch schon lange nicht mehr witzig, wenn sich das Endprodukt anhört, als wäre es von Dilettanten gemacht.
Wenn ihr mal in einer Woche keine Themen habt, lasst sie einfach mal ausfallen und langweilt mich nicht mit ziellosem Geschwafel. Die Länge einer Folge oder die Anzahl derer ist kein verdammter Wettbewerb.

Es hat gute Gründe, dass Serial innerhalb von 3 Wochen der erfolgreichste Podcast aller Zeiten wurde. Serial war knackig zeitlich beschränkt, persönlich, clever und spannend.
Sicherlich lässt sich Serial nicht mit einem Tech-Podcast vergleichen, aber von der Konsumierbarkeit kann man sich einiges abschauen.

Also kauft euch ordentliches Equipment, drückt stopp, wenn ihr nichts mehr zu sagen habt, fügt Kapitelmarken ein (oder wenigstens Timecodes) damit man zu den Themen springen kann, die einen interessieren und schneidet alles raus, was nichts mit dem Podcast zu tun hat.

Die wenigsten befolgen dieses Minimum an Dienst am Hörer. Ich habe besseres zu tun, als mich die Hälfte der Zeit zu ärgern, nur um ein paar Nuggets Unterhaltung oder Infos zu bekommen. Ich kann selbst nicht alle Podcasts abbestellen, die mich ärgern, denn dann bliebe fast nicht von meinen 60 Abos übrig und das will ich nicht, aber wäre es nicht schön, wenn die Ärgernisse weniger würden?

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