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Top 20 Movies - 2014

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Da es mir unheilmich schwer fiel, mich auf 10 Filme zu beschränken und ich so viel wirklich gutes nicht unerwähnt lassen wollte — und konnte — finden sich auf dieser Liste alle Filme, die mich so sehr bewegten, dass mich eine Nichterwähnung zu sehr geschmerzt hätte.
Des weiteren habe ich mich auch nicht religiös an deutsche Kinoerscheinungstermine — oder ob sie überhaupt einen deutschen Kinostart bekamen — gehalten. Und weil ich eh keine Top 10 mache und auf eine direkte Vergleichbarkeit nicht besonders viel Wert lege, geht es hier um meine ganz persönliche Liste.

Wenn ich auf das vergangene Filmjahr zurückblicke, war es für mich ein recht durchwachsendes. Der Sommer taugte mit seinen Blockbustern, wie immer eigentlich gar nichts, es gab eigentlich keinen zwingenden Film, der allen anderen davongelaufen wäre, dafür gab es ganz viele tolle, kleinere Filme, die in meinem 7-8/10 Punkte Raster gelandet sind. Es gibt also vieles zu entdecken, vieles unbekanntes, vieles, was an einem vorbei gegangen ist und auch ich habe noch etwa 25 Filme auf meiner Liste, die ich bis zum Schreiben dieser Liste gerne gesehen hätte. Aber was solls. Top 20 – 2014!

  1. Fruitvale Station (Ryan Coogler – 2013) — Ich habe noch nicht einmal mit meiner Liste angefangen und schon widerspreche ich meinem Eingangsstatement. Fruitvale Station war der erste Film, den ich 2014 gesehen habe und er ist der einzige, der allen anderen davon rennt, bei dem mir eigentlich klar war, dass den Rest des Jahres kein besserer Film mehr kommen wird.
    Fruitvale Station hat ein paar kleinere Probleme, die mich aber nicht weiter stören, vor allem nichts von dem Gesamteindruck wegnehmen (ein Fakt, der sich durch die ganze Liste ziehen wird), sondern ist ein Film, der mich dermaßen emotional aufgewühlt und mitgenommen hat, wie kein zweiter. Eine Eigenschaft, die ich einem Film am höchsten anrechne.
    Der Debutfilm Ryan Cooglers erzählt den letzten Tag im Leben des Oscar Grant, der am Sylvestermorgen von einem Polizisten quasi grundlos erschossen wurde. Oscar wird von Michael B. Jordan (The Wire, Friday Night Lights) gespielt und damit sind wir auch schon bei dem Grund, diesen Film zu schauen. Denn inhaltlich kann und will ich gar nicht viel sagen. Es ist die Stimmung, die einen so mitreißt, die Erwartung an das unausweichliche Ende (mit dem wir schon in den ersten Sekunden des Films konfrontiert werden) und vor allem Jordans Schauspiel.
    Fruitvale Station – hirnrekorder

  2. Short Term 12 (Destin Daniel Cretton – 2013) — So meisterhaft, wie wir zu Beginn des Filmes in das Sujet, seine Figuren und seinen Ort einigeführt werden, so meisterhaft werden die Beziehungen untereinander und emotionalen Hintergründe erkundet.
    Ein paar Mitzwanziger arbeiten in einer Einrichtung für heimatlose oder verhaltensauffällige Jugendliche, die sie mit viel Herz und Hingabe betreuen und dabei ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.
    Ein toll gespielter, ergreifender und nahezu perfekter Film.

  3. Under the Skin (Jonathan Glazer – 2013) — Was für mich im letzten Jahr Upstream Color war, ist in diesem Jahr der künstlerische Film Under the Skin. Scarlett Johansson mimt das fremde Wesen, das ihren Körper als Werkzeug benutzt, anderen damit zu dienen.
    Betörende Bilder gepaart mit einem verstörenden Soundtrack lieferten für mich eine beeindruckende Metapher auf Weiblichkeit im Allgemeinen und Prostitution im Speziellen.

  4. Starred Up (David Mackenzie – 2014) — Einer meiner liebsten Filmemacher knöpft sich das Gefängnisdrama vor, das nur so vor Wut, Gewalt und Verletzlichkeit strotzt.
    Jack O’Connell spielt den noch minderjährigen Straftäter, der wegen seiner extremen Gewaltbereitschaft frühzeitig in ein Gefängnis für Erwachsene transferiert wird und dort mit noch mehr Gewalt, seinen einflussreichen und nicht weniger aggressiven Vater und einen Sozialarbeiter, der sich seiner annimmt, konfrontiert wird.
    Starred Up gibt dem Zuschauer genausowenig Zeit zum Verschnaufen wie seinem Protagonisten, dessen erste Handlung am Ende einer fast 10 Minuten langen wortlosen Einführung ist, aus einer Rasierklinge und seiner Zahnbürste einen ortstypischen shiv zu basteln. Routiniert und allzeit bereit sich mit ultimativen Mitteln zur wehr zu setzen.
    In diesem Modus agiert sowohl Eric als auch Starred Up, was einen unglaublich spannenden, atemlosen aber auch ergreifenden Film erzeugt.
    Ein absolutes Brett!

  5. Her (Spike Jonze – 2013) — Neben einer meiner Meinung nach sehr treffenden Zukunftsvision schafft Her ein paar Stückchen Filmmagie zu leisten. In der Hauptsache konstruiert Spike Jonze hier eine recht konventionelle romantische Komödie, die trotz ihrer sehr ungleichen Paarung nie unglaubwürdig, sondern harmonisch und unaufgeregt funktioniert. Ein Beleg für das herrausragende world-building, das der Film leistet.
    Desweiteren glänzt Her mit Schauspiel, Ausstattung und einem ganz tollen Ende. Ein Film an dem es absolut nichts auszusetzen gibt.

  6. The One I Love (Charlie McDowell – 2014) — Eine wundervoll schräge Mischung aus Romanze, Science Fiction und Detektivgeschichte, in der das Ehepaar bestehend aus Mark Duplass und Elisabeth Moss von Ted Danson in ein abgelegenes Landhaus geschickt werden, um ihre Ehe wieder in den Griff zu bekommen, wo sie auf ein obskures Dilemma stoßen.
    Ein ganz herzerwärmender Film, in der seine Protagonisten genau die Fragen stellen, genau die Dinge tun, die ich in deren Situation auch tun würde. Ein Film über die Suche nach dem Funken Begeisterung, der die Liebe entfachte, der — wie das nun einmal so ist — mit der Zeit verloren geht.
    Die Richtung, die The One I Love in den letzten 15 Minuten einschlägt ist ein wenig schade, aber wie ich bereits erwähnte, schmälert das den Film nicht wirklich.

  7. Blue Ruin (Jeremy Saulnier – 2013) — Ein Rache-Film, der mit der seinem Genre inheränten Konventionen bricht, denn mit dem Racheakt beginnt der Film und exploriert, was die meisten anderen Filme dieser Geschmacksrichtung nicht zeigen — dass mit diesem Racheakt der ganze Schlamassel erst los geht.
    Ein verwahrloster Mann, der am Strand in seinem Auto lebt, liest in der Zeitung, dass der Mörder seiner Eltern aus dem Gefängnis entlassen wird und tut das, worauf er augenscheinlich die letzten Jahre gewartet hat. Er macht sich repräsentabel, macht seinen Wagen fahrtüchtig, besorgt sich eine Waffe und fährt zum Mörder seiner Eltern…
    Blue Ruin hat viel von den Coen Brothers, denn — das zeigt uns dieser Film — Mord ist nichts für Amateure und der wortkarge Mann ist vor allem eines — ein Amateur. Obwohl klar ist, dass Dwight auf diesen Moment gewartet und die ersten notwendigen Schritte gut geplant hat, so lässt sich ein solches Vorhaben eben nicht minutiös vorbereiten. An einem gewissen Punkt muss improvisiert werden, nur tritt dieser Punkt für unseren Helden viel zu früh ein.
    Diese Kombination birgt viel pechschwarzen Witz, eine sehr ökonomisch erzählte Geschichte und unerwartete Gewaltexplosionen. Saulnier macht es sich jedoch nicht einfach und erzählt die oft dagewesene Farce eines inkompetenten Kriminellen, der nichts auf die Reihe bekommt, nein, Dwight (Macon Blair) ist beizeiten einfalssreich, manchmal nicht, so zielstrebig, wie es nur geht, aber offensichtlich wächst ihm sein ganzes Vorhaben über den Kopf.

  8. Enemy (Denis Villeneuve – 2013) — Die zweitbeste Performance von Jake Gyllenhaal und die zweitbeste in Film gegossene Metapher in diesem Jahr finden sich in Enemy, einem Film über die zwei Leben, die Mann häufig führt (das konsequenzlose Jungesellenleben wird der verantwortungsvollen Vaterrolle gegenübergestellt) und dem inneren Kampf darum, für welches sich das Subjekt entscheiden wird.
    Diese Thematik wird in düstere und mystische Bilder und Töne verpackt und soweit verschlüsselt, dass es hier diverse Deutungsebenen geben wird und jeder etwas anderes aus diesem Film ziehen mag. (Ich habe mich jedenfalls für obige Deutung entschieden.)
    Enemy verlässt sich vielleicht etwas zu sehr auf visuelle Stimmung, Präzision und Symbolik, so dass seine Figuren leider etwas flach bleiben und die Spannung nicht ganz bis zum Ende aufrecht erhalten werden kann. Wäre da nicht die allerletzte Szene…

  9. Foxcatcher (Bennett Miller – 2014) — Die Brüder Mark und David Schultz (Channing Tatum und Mark Ruffalo) gewannen 1984 olympisches Gold im Ringen, jedoch spiegelt sich dieser Erfolg nicht in deren Leben wieder. Während David eine Familie hat, warmherzig und emotional gefestigt ist und als Trainer und Speaker gefragt ist, so ist Mark der Außenseiter, der stets im Schatten seines großen Bruders steht und sich nie eine eigene Identität schaffen konnte. Gerade Mark lebt in ärmlichen Verhältnissen und ist ganz darauf konzentriert bei den nächsten Olympischen Spielen in Seoul anzutreten, als John du Pont (Steve Carell) — Oberhaupt einer amerikanischen Familiendynastie mit viel altem Geld — in Marks leben tritt und ihm mit Worten wie “amerikanischer Held”, “Patriotismus” und “Wertschätzung” bedeutungsschwanger anbietet auf du Ponts Residenz das amerikanische Ringerteam anzuführen und zu trainieren.
    Mit sorgfältiger Langsamkeit, schweren Bildern, stimmungsvoller Musik und herausragenden Performances der drei Protagonisten, untersucht Miller Familiendynamiken wie Brüderlichkeit, Matriarchat und Eigenständigkeit, sowie Klasse, gesellschaftlicher Positionierung und nicht zuletzt den amerikanischen Traum.
    Einigen wird vielleicht bekannt sein, wie diese Geschichte endet, nur erkannte Miller, dass dies der uninteressanteste Teil dieses Beziehungsgeflechts ist und gibt diesem düsteren Schlusspunkt nicht mehr Raum, als er benötigt. Vielmehr steht die Dynamik und Motivation der Figuren im Vordergrund und das finde ich persönlich viel erzählenswerter.

  10. Calvary (John Michael McDonagh – 2014) — Calvary ist in seiner Thematik nicht sonderlich subtil, so steht alles, was man über diesen wissen muss bereits im Titel. Calvary oder Kalvarienberg ist die Hinrichtungsstätte Christi und die Hauptfigur ist der Priester James (Brendan Gleeson).
    Sollte ich ein Adjektiv für Calvary finden so ist dies ohne Frage “kraftvoll”. Die Eröffnungs- und Abschlussszene, die darstellerische Leistung Gleesons, der geografische Hintergrund, die Bildgewalt. Angereichert wird das ganze von außergewöhnlich guten Nebencharakteren, einer bizarren Varer-Tochter-Beziehung und den Fragen nach Moral, Ehre und Spiritualität.
    Ich mag es Menschen dabei zuzusehen, wie sie gewissenhaft und mit ganzem Herzen ihre Arbeit verrichten und hier habe ich die Gelegenheit dazu dies bei einem Priester zu tun, der die alleinige emotionale Stütze eines kleinen Örtchens an der Küste Irlands ist.

  11. Deux jours, une nuit (Two Days, One Night) (Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne – 2014) — Sandra (Marion Cotillard), eine junge belgische Mutter, wird entlassen, als ihren Kollegen die Wahl gestellt wird, einen Bonus zu bekommen oder Sandra ihren Job zu lassen. Als sie ihren Vorarbeiter konfrontiert, stimmt dieser einer zweiten — dieses Mal geheimen — Wahl zu und gibt ihr damit das verbleibende Wochendende Zeit, ihre Mitarbeiter davon zu überzeugen, zu ihren Gunsten abzustimmen.
    So beginnt eine zwei Tage (und eine Nacht) andauernde Odyssee durch alle Facetten menschlicher Natur, in der jeder einzelne ihrer 16 Kollegen vor das gleiche moralische Dilemma gestellt wird und Sandra mit so ziemlich jeder vorstellbaren Reaktion ihres Gegenüber zurecht kommen muss.
    Ein vor allem von Cotillard famos gespielter Film, der jede Nuance ihrer innreren Zerrüttung einfängt und dieser jede Graustufe zwischen Empathie und Egoismus gegenüberstellt.

  12. Nightcrawler (Dan Gilroy – 2014) — Lou Bloom (Jake Gyllenhaal), ein Mann der nach gesellschftlicher Verortung und Arbeit sucht, stolpert in die Welt der Nightcrawler, den Kameramenschen, die des Nachts auf der Suche nach Videomaterial für lokale TV-News Stationen sind und ist wegen dem Fehlen jeglicher Moral in der Lage schnell bessere und schockierende Bilder zu liefern, als seine Kontrahenten.
    In Nightcrawler können wir Jake Gyllenhall, der hier die beste Performance seiner Karriere hinlegt, dabei zusehen, wie ein Soziopath, der entweder gesellschaftliche Grenzen nicht anerkennt oder sich derer nicht bewusst ist, den amerikanischen Traum lebt. Ohne klassische Bildung, dafür diversen Selbsthilfebüchern, dem Internet und höchster Ambition, eignet sich Bloom genau die Fertigkeiten an, die er für sein Fortkommen braucht und hat damit brachialen Erfolg.
    Nightcrawler ist wahnsinnig packend, wegen seiner Immoralität ständig unkomfortabel und immer auf den Punkt. Die große Portion Medienkritik, die hier verpackt ist (und die so viele an diesem Film so abfeiern), ist für mich der schwächste und uninteressanteste Teil dieser Soziopathenstudie. Dafür ist die minutiöse Planung, das immer größere Ziel vor Blooms Augen (Oh Gott, diese fürchterlichen kalten und eingefallenen Augen) und seine Überlegenheit durch die fehlende Anerkennung aller Konventionen, der Kern dieses Films.

  13. Obvious Child (Gillian Robespierre – 2014) — Donna Stern (Jenny Slate) ist ein Comedian in ihren Zwanzigern, als sie nach einem One-Night-Stand mit Ryan (Paul Briganti), der eigentlich hervorragendes Datingmaterial wäre, schwanger wird und sich daraufhin erstmalig ernsthaft mit ihrer selbständigen Weiblichkeit auseinandersetzen muss.
    Romantische Komödien sind meist platt, glattgebügelt und erzählen die immergleiche Geschichte. Nicht so Obvious Child. Gillian Robespierre behandelt in ihrem Debüt genre-untypische Themen wie Abtreibung aus weiblicher Perspektive, hat dabei willkommene Ecken und Kanten und ist dabei erfrischend ehrlich, pragmatisch, hat das Herz am rechten Fleck und ist richtig witzig.
    Highlight des Filmes ist für mich, dass Donna nie in Frage stellt, dass die Abtreibung die für sie richtige Entscheidung ist, sogar Beistand aus ihrem weiblichen Umfeld bekommt, sie jedoch diese Situation dazu bringt ihre Lebensentscheidungen, die sie an diesen Punkt brachten — seien sie romantisch, finanziell oder professionell — in Frage zu stellen.
    Man kann ein recht konventionelles Genre doch noch interessant gestalten. Toll.

  14. Turist (Force Majeure) (Ruben Östlund – 2014) — Eine perfekte, vierköpfige Familie ist im Skiurlaub und wird von einer kontrolliert erzeugten Lawiene erfasst. Nachdem der Vater panisch die Beine in die Hand nahm, die Mutter jedoch ihre Kinder beschützte (und alle unversehrt überlebten), entbrennt eine eheliche Krise über Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Priorität und Heldentum. Ein toller Film, der mich sehr nachdenklich stimmte und für allerlei Diskussionen sorgte.

  15. Maps to the Stars (David Cronenberg – 2014) — Ich bin kein besonderer Cronenberg-Experte, aber sogar ich habe geschnallt, dass er mit seinen Filmen Untersucht, wie sich Menschen in verschiedenen Umständen und Umgebungen transformieren.
    In Maps to the Stars betrachtet Cronenberg die Alptraumfabrik Hollywood und bewegt sich irgendwo zwischen griechischer Tragödie und verschrobener Sitcom / pechschwarzer Komödie.
    Julianne Moore spielt eine herrlich hysterische alternde Schauspielerin, Mia Wasikowska dessen mysteriöse Assistentin, Robert Pattinson einen Limousinenfahrer, John Cusack den spirituellen Heiler Moores und irgendwie hängen sie alle in dieser herrlichen Satire — die weit mehr ist als nur das — zusammen.
    Mit chierurgischer Präzision seziert Cronenberg die Kloake Hollywoods in — wie Mark Kermode es beschreibt — seiner version von Sunset Blvd..

  16. Only Lovers Left Alive (Jim Jarmusch – 2013) — Wenn sich Jim Jarmusch eines Genres annimmt, dann tut er das meist auf sehr unkonvetionelle Art und Weise. Bei “dem Vampirfilm” interessieren ihn keine bedeutungsschwangeren Symbole, wie Kreuze, Weihwasser oder Knoblauch oder der Horror des Übernatürlichen, sondern was quasi-Unsterblichkeit mit Romantik anstellt und wie sich Generationenwechsel auf die sehr alten Vampire auswirken.
    Only Lovers Left Alive spielt mit dem Gegensatz zwischen der Weisheit, Gelassenheit und Perspektive bezüglich Geschichte und Kultur, die Tom Hiddlestons und Tilda Swintons Adam und Eve über Jahrhunderte sammelten und der schnellebigen Neuzeit sowie der jungen und wilden Vampirin Ava (vorzüglich verspielt böse gespielt von Mia Wasikowska).
    Der Film bleibt angenehm ruhig, relaxed und unaufgeregt, hat so einiges zu sagen und verbreitet mit seinem betörenden Soundtrack eine gar wundervolle Stimmung.

  17. Palo Alto (Gia Coppola – 2013) — Als ich schon dachte, dass 2014 keinen einzigen guten Coming of Age Film bereit hält, kommt mal eben Palo Alto vorbei.
    Das nächste Filmdebüts auf dieser Liste basiert auf einer Sammlung von Kurzgeschichten James Francos und zeigt eine Reihe von ziellosen, einsamen, freizügigen und rücksichtslosen Jugendlichen, so ähnlich wie das Kids vor einer ganzen Weile schon einmal tat. Nur fängt Francis Ford Coppolas Enkelin diesen Themenkomplex mit träumerischer, weiblicher Linse ein und konzentriert sich weniger auf den Ekel, der von Pubertierenden ausgehen kann, sondern sympathisiert immer mit ihnen.
    Der Pfeiler dieses schönen kleinen Filmes ist zweifelsohne die herzzerreißende Performance von Emma Roberts, der ein paar weitere tolle Figuren (und Schauspieler) zur Seite stehen.
    Nicht alle Versatzstücke funktionieren gleich gut, aber sie passen thematisch und in ihrer Stimmung toll zusammen.

  18. A Most Wanted Man (Anton Corbijn – 2014) — Wer Spionagethrillern, in denen man seinen Figuren bei ihrem Tagesgeschäft zusehen kann, Hamburg und Philip Seymour Hoffman etwas abgewinnen kann, der wird an A Most Wanted Man seine helle Freude haben.
    Corbijn, der bereits den bildhübschen (und stilistisch ähnlichen) The American fabrizierte, fängt auch hier ziel- und stilsicher einen mittelmäßig komplexen, aber immer spannenden Plot um einen illegal in Hamburg eingereisten muslimen Tschechen ein, der in den internationalen Kampf gegen den Terror verwickelt wird.
    Seymour Hoffman ist hier — in einem seiner letzten Projekte — eindeutig der Star, der sie alle an die Wand spielt, dessen Tod einen ernsten Schatten auf die ohnehin sehr ensthafte, isolierte und alkoholabhängige Rolle wirft. Ein Film mit mehr politischer Komplexität als Action, mehr moralischen Grauzonen als westlicher Heldenhaftigkeit, in dem sich Corbijn, der Musikvideoveteran ist (die ja normalerweise für ihre flashyness bekannt sind) angenehm zurück hält.

  19. Life Itself (Steve James – 2014) — Von den vielen Dokumentationen, die ich in diesem Jahr gesehen habe waren nur zwei aus 2014 und eine verdient es auf diese bescheidene Liste. Life Itself widmet sich dem Leben von Roger Ebert, seineszeichens einflussreichster Filmkritiker Amerikas, der mit seinen sehr persönlichen und pointiertien Kritiken nicht selten ähnlich starke Emotionen heraufbeschwor, wie die besprochenen Filme.
    Der Mann, der die Bühne genoss, sich ebensogerne inbrünstig stritt wie unterichtete, verlohr die Bühne und gesprochene Stimme an den Krebs, eroberte sie sich mit seinem Blog, den geschriebenen Wort und Präsenz in den sozialen Medien wieder zurück und schrieb bis zu seinem Tod 2013, als ob der Leibhaftige hinter ihm her gewesen wäre.
    Life Itself beschäftigt sich weniger mit Filmkritik als mit dem Leben und der späten Leidensphase Eberts, gewinnt tiefe Einblicke in dessen letzte Wochen und Monate und fasst die vielen Stationen seines Lebens gut zusammen.
    Die Krankenhausszenen machen aus Life Itself jedoch weit mehr als eine Andernanderreihung von Lebensstationen. Sie fangen Roger Eberts Lebenswillen, seinen positiven Umgang mit dem Tod und seinen Drang sich mitzuteilen emotional ein, so dass diese Bilder sowohl lebensbejahend als auch herzzerreißend auf den Zuschauer wirken.

  20. The Rover (David Michôd – 2014) — Setting dieses Crime Dramas ist das australische Outback “zehn Jahre nach dem Kollaps”. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, das Geld nichts mehr wert und alles ziemlich öde und trist. Aber das bietet nur die Tapete dieses dystopischen Rachethrillers, der einige Tropen aus dem Western entlehnt.
    Erics (Guy Pearce) Auto wird von drei Männern gestohlen, die auf der Flucht vor der Polizei sind und ihr kaputtes, aber fahrbares Auto zurücklassen und Eric nimmt die Verfolgung auf.
    Tolles düsteres World-Building, genauso gute zentrale schauspielerische Leistungen von Pearce und Robert Pattinson und toll inszenierte Szenen. Ein toller Film.

  21. Edge of Tomorrow (Doug Liman – 2014) — Normalerweise stecke ich meinen liebsten Blockbuster des Jahres auf Platz 10 meiner Bestenliste, um das alles etwas aufzulockern, auch wenn dieser meist nicht der zehntbeste Film war. Nicht so in diesem Jahr. Kein Platz und so. Aber erwähnen wollte ich den einzigen Blockbuster, mit dem ich wirklich Spaß hatte, schon.
    Die Tagline “Live – Die – Repeat” beschreibt diesen Film, der den “ich wiederhole den Tag, um ihn zu perfektionieren”-Trope in den Actionfilm hebt, wohl am treffendsten. Tom Cruise und Emily Blunt ziehen gegen eine Alieninvasion auf der Erde in den Krieg, sterben und wiederholen das Ganze.
    Prima inszeniert, saukomisch, feine Frauenrolle, schicke Aliens und eine Menge Spaß. Auch wenn das Ende nicht ganz landen kann, aber — wie gesagt — ziemlich wurscht.

Ihr merkt, kein Boyhood, kein Grand Budapest Hotel, kein Interstellar. Die habe ich beim Erstellen dieser Liste noch nicht gesehen und bin ganz froh, denn so bleibt Platz für die kleineren Filme. Boyhood konnte ich zwar mittlerweile nachholen, und wäre irgendwo um Platz 5 herum gelandet, aber der bleibt nun außen vor.

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