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Top 10 TV Shows - 2014

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Dieses war ein sehr solides Serienjahr. Es gab zwar kaum etwas, was mich nach hinten überkippen ließ, aber eine Menge sehr, sehr gutes. Also nun, ohne viel Geschwafel vorne weg, meine persönlichen zehn besten Serien diesen Jahres.

  1. Fargo (S01) — Die zweite Serie in diesem Jahr mit großen Filmschauspielern, besonderer visueller Vision, einem sehr eigenen Erzählstil und einem Mord in seinem Zentrum, macht jeden einzelnen Aspekt spannender, interessanter, hübscher, verschobener und insgesamt besser als die Nummer 10 auf dieser Liste.
    Fargo war in der Lage, in jeder Minute zu fesseln, zu überraschen, auch wenn mich beizeiten der Stil etwas verwundert zurück ließ. Man muss der Serie zu Gute halten, dass sie diesen Stil in jedem Aspekt, jeder noch so kleinen Storyline, jedem Charakterzug seiner Protagonisten, bis ins letzte ausschöpfte.
    Nicht unerwähnt bleiben darf der hervorragende Cast mit dem bitterbösen Billy Bob Thornton, dem erfrischend anders aufspielenden Martin Freeman, dem tollen Oliver Platt und der ganz wunderbaren Offenbarung Allison Tolman.

  2. Orange is the new Black (S02) — In dieser zweiten Staffel um die in einem Frauengefängnis eingesperrten Piper wird der Fokus von der ursprünglichen Protagonistin weg auf ihre Mitinsassinen gerichtet und das funktioniert ganz fantastisch. In Staffel eins sahen wir bereits den bunten Strauß an Figuren aus multiplen Schichten, ethnischen Hintergründen, sexuellen Ausrichtungen, Ängsten, Gefühlen und Zuneigungen. Dort brannte ich bereits darauf diese Frauen näher kennenzulernen und dazu bekommen wir in der zweiten Staffel die Gelegenheit. Alle Figuren geben so viel her, es gibt so viel zu entdecken, so sehr emotional mitzufiebern.
    Es ist klar, dass Piper Chapman in Staffel eins die Figur ist, die uns in das Milieu einführt, uns an die Hand nimmt und mit uns durch Pforten des Gefängnisses schreitet, genau so eine gute Entscheidung war es, dass sie nun einen Schritt zurück tritt und so alle anderen die nötige Luft bekommen, um sich selbst in Szene zu setzen.
    Wer die erste Staffel mochte, dem wird auch diese gafallen. Don’t fear the reaper!

  3. Mad Men (S07.1) — Wenige Folgen gab es zu Beginn diesen Jahres, aber diese waren so unglaublich gut, hatten so tolle Momente, dass die erste Hälfte der letzten Staffel auch — so wie jedes Jahr — eine obere Platzierung in dieser Bestenliste verdient.
    Wir sehen, wie sich Don Draper in seine Agentur zurück kämpft, wie Peggy Olson ihre Emanzipation weitgehend abgeschlossen und ihre zentrale Rolle im Arbeitsgefüge behauptet hat, beide miteinander tanzen, Bert Cooper tanzt und singt und alle bei der Mondlandung mitfiebern.

  4. Rectify (S02) — In diesem Jahr hatte Ray McKinnon vier Stunden mehr Zeit alle Facetten von Spiritualität zu untersuchen und tut das meisterhaft mit tollen Bildern, Charakterstudien, Geschichten aus dem Leben und einer der drei besten TV Episoden des Jahres, in der Daniel Holden nach Atlanta fährt, Kunst bestaunt und die hinterbliebene Familie seines langjährigen Mithäftlings besucht.
    Rectify nimmt sich Zeit — viel Zeit — und diese sollte man der Serie auch geben. Sicherlich keine Serie für jeden und auch nichts für nebenbei, aber wer langsam erzählten Geschichten mit massivem emotionalen Einblick in seine Figuren etwas abgewinnen kann, sollte sich dieses Kleinod auf jeden Fall einmal genauer ansehen.

  5. The Affair (S01) — Die Macher von In Treatment bringen uns eine Geschichte, die sich mit den emotionalen Ursachen und Auswirkungen einer außerehelichen Beziehung zwischen dem New Yorker Autoren Noah Solloway (Dominic West) und der Kellnerin aus Long Island Alison Lockhart (Ruth Wilson) auseinander setzt.
    Noah ist glücklich verheiratet mit drei Kindern, hat in eine reiche Familie eingeheiratet und fängt gerade an seinen zweiten Roman zu schreiben. Sie machen über den Sommer Urlaub bei seinen Schwiegereltern in Montauk, einem kleinen Fischerort, wo er Alison kennenlernt. Sie ist ebenfalls verheiratet, jedoch sind sie und ihr Mann (Joshua Jackson) emotional sehr distanziert zueinander, seit sie ein Jahr zuvor ihren jungen Sohn verloren haben.
    Die Geschichte wird getrennt voneinander aus der Perspektive Noahs respektive Alisons erzählt und gibt so sehr genaue Einblicke in deren Leben, Gefühlszustand und vor allem deren unterschiedliche Wahrnehmung des anderen.
    The Affair ist kein unglaublich umwerfendes Fernsehen, in dem irgendwelche Grenzen gesprengt werden oder ein wahnsinnig spannender Plot erzählt wird. Für mich ist diese Serie so besonders, weil sie die jeweilige Gefühlswelt herrausragend portraitiert, alle Schauspieler zu jeder Zeit eine verdammt glaubwürdige und immer passende Performance abliefern und weil die beiden Hauptfiguren so eine wahnsinnig gute Chemie miteiniander haben.
    Zudem kann ich dieser Art Geschichte (und dabei vor allem den Beweggründen und emotionalen Aspekten) aus irgend einem Grund eine Menge abgewinnen.

  6. The Americans (S02) — Ich weiß schon gar nicht mehr genau was ich an dieser Staffel so besonders gut fand, aber die Erzählung von einem russischen Spionageehepaar, das mit zwei jugendlichen Kindern im Amerika der 80er Jahre lebt, ist immer spannend, abwechslungsreich, toll gespielt und beleuchtet underbar, wie diese beiden ‘’Kollegen’‘ mit der Verantwortung zu ihrem Heimatland, ihrem Beruf, ihren Gefühlen zueinander (und zu den Kindern) und den Dingen, die sie für ihr Land tun müssen, hadern.

  7. Masters of Sex (S02) — Diese zweite Staffel hatte so ihre Schwächen. Manche größeren Plotlines funktionierten für mich nicht so richtig und ich bin mir auch nicht so sicher, wie ich die Abweichungen von der wahren Geschichte um Virginia Johnson (Lizzy Caplan) und William Masters (Michael Sheen) so finde. Aber die Stärken überwiegen doch eindeutig. Zum einen gab es hier die zweite der besten drei Fernsehepisoden zu sehen, wir können zwei ganz hervorragenden Schauspielern bei ihrer Arbeit zuschauen und zum anderen schätze ich besonders, dass jede noch so kleine Figur ihren kleinen (meist sehr zufriedenstellenden) Arc bekommt. Niemand ist nur loses Beiwerk — jeder hat mindestens eine erzählenswerte Facette, die hier zum Vorschein kommt.

  8. Bobs Burgers (S04/05) — Keine andere Serie bringt mich so zuverlässig seit nunmehr fünf Jahren zum lachen. Ich weiß, dass Comedy sehr persönlich ist und sich kaum empfehlen lässt, aber ich möchte wirklich jedem and Herz legen mindestens einmal die erste Staffel zu schauen. Ich kenne niemanden, der der Serie nicht mindestens etwas abgewinnen kann, wenn er sich nicht Hals über Kopf in Bob und seine noch viel bessere Familie verliebt.

  9. You’re the Worst (S01) — Eine wirklich hübsche kleine Beziehungskomödie um die selbstzerstörerische PR-Frau Gretchen und den selbstverliebten Autoren Jimmy. Die Serie packt die romantische Komödie von der eher ruppigen Seite an, hat das Herz am rechten Fleck und brachte mich in diesem Jahr oft zum Lachen.

  10. True Detective (S01) — Auf dem Papier hat True Detective alles zu bieten, was man sich von einer guten Serie wünscht. Eine klare künstlerische Vision des Autoren und Showrunner Nic Pizzolatto, einen inspirierten und über die gesamte Staffel konstanten visuellen Stil des Regisseurs Cary Fukunaga und ein erprobtes Schauspielergespann bestehend aus Matthew McConaughey, Woody Harrelson und Michelle Monaghan.
    All diese Komponenten für sich funktionieren toll. Das Setting im düsteren Louisiana, die toll harmonierenden Protagonisten, die skurrilen Figuren, denen sie bei ihrer Ermittlungsarbeit über den Weg laufen, das exquisit geschriebene Drehbuch mit einem zunächst spannenden Mordfall und komplexen Charakteren und die tollen Bilder, die man sich genausogut einrahmen könnte.
    Im Zusammenspiel kommt True Detective dann aber sehr schwerfällig daher. McConaugheys ewigen introspektiven Monologe, der sich immer weiter verzweigende Plot, die immer düstere Stimmung und ein build up, dem das Finale nicht gerecht werden kann, lassen diese Serie an das Ende dieser Liste fallen.
    Es hilft ihr nicht, dass Fargo mit seinem ähnlichen Ansatz einen ungewöhnlich erzählten, abgeschlossenen Krimi zu serialisieren, in allen Punkten erfolgreicher ist. Gerade dieser direkte Vergleich schadet True Detective ungemein.
    Trotzdem ist und bleibt dieses Drama eine Empfehlung in diesem sehr starken Serienjahr.

Honorable Mentions

Keinen Platz auf obiger Liste fanden folgende Serien, die dennoch eine Empfehlung Wert sind.

  • Louie – War gut, ist gut, bleibt gut, nur in diesem Jahr etwas schwächer, wenn auch ambitionierter.
  • BoJack Horseman – Anthropomorphe Tiermenschen (und Menschen) führen ihr exzessives und kaputtes Leben in Hollywood und das ist wirklich alles sehr komisch.
    BoJack Horseman – hirnrekorder
  • Rick and Morty – In diesem vollkommen verrückten Cartoon dürfen sich Dan Harmon und Justin Roiland so richtig austoben. Wer den frühen Staffeln von Community hinterhertrauert, sollte sich das mal ansehen.
  • Anthony Bourdain: Parts Unknown – Auch in Staffel vier entführt uns Anthony Bourdain wieder in ferne Länder und Orte, die keine Touristenattraktionen sind, führt uns in die lokale Esskultur ein und hat dabei offensichtlich einen Haufen Spaß.
    Mein wöchentlicher, einstündiger Urlaub.

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