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BoJack Horseman

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Netflix hat ja einen ziemlich guten Trackrecord, was Eigenproduktionen betrifft. Ob nun verschrobenes Nischenfernsehen mit Lilyhammer, oft gewünschte Fortsetzungen mit Arrested Development, glattgebügelter Massenfraß mit House of Cards oder grandioses Drama um Gesichter, die sonst keinen Raum im Network TV bekommen mit Orange is the New Black. Es ist schlicht beeindruckend, was so ein Laden mittlerweile alles stemmen kann, von dem man dachte, das schaffen nur große Sender oder Studios.

Ein großer Vorteil, den Netflix gemeinsam mit HBO hat ist, dass nicht jede Sendung ein Hit sein muss. Sie können es sich leisten kleine Kritikerlieblinge zu zeigen, die zwar niemand schaut, aber gute Werbung für den Sender sind. Darüber hinaus haben sie die Freiheit auch mal ein Konzept auszuprobieren, weil deren Sendeplatz nicht durchoptimiert verplant werden muss. Von all diesen positiven Umständen profitiert die neue Serie von Netflix, die ich heute vorstellen will.

BoJack Horseman

Die titelgebende Figur, ein Pferd, lebt in einem Los Angeles, in dem anthropomorphe Tiermenschen und Menschen koexistieren. BoJack (Will Arnett) ist Schauspieler und hatte in den 90ern die größte amerikanische Sitcom Horsin’ Around. Nun, 20 Jahre später, ruht er sich auf seinen Tantiemen aus und versucht mit kleineren Projekten im Gespräch zu bleiben. Eines dieser Projekte ist seine Autobiografie, für die er sich die Ghostwriterin Diane (Alison Brie) hinzuholt, die ihn die meiste Zeit des Tages begleitet, um ihn kennenzulernen.
Weiter wichtige Figuren sind BoJacks mitbewohner Todd (Aaron Paul) und seine Agentin Princess Caroline (Amy Sedaris).

Im wesentlichen begleitet man BoJack bei seinen täglichen Eskapaden, hauptsächlich durch seine Selbstverliebtheit ausgelöst, die oft in Selbstzerstörung münden, wobei die Menschen (und Tiere) in seinem engen Kreis oftmals das Engelchen auf seiner Schulter mimen.
Im Laufe dieser ersten Staffel sehen wir wilde Parties, kotzende Pferde, Drogen, Sex, Romantik (unter anderm zwischen einer Katze und drei Kindern), Hollywoodkritik, Wortwitz, Bildwitz und manchmal auch das alles in einer einzigen Szene.

BoJack Horseman ist sicher nicht die cleverste Comedy, die das Fernsehen zu bieten hat, ist aber eine schöne Mischung aus gescheitertem und narzisstischen Schauspieler, der depressiv durchs leere Hollywood schreitet und leichtem Witz, der sich aus dem Zusammenleben von Mensch und Tier ableitet.
Sicherlich ist das alles relativ plump, aber ich mag das. Es ist herrlich politisch inkorrekt, mal clever, mal doof, entwickelt aber die wichtigen Figuren über die erste Staffel und hat vor allem immer das Herz am rechten Fleck.

Wenn man möchte, kann man etwas am verschenkten Potential der Sprecher oder des Setups herum mäkeln oder sich beschweren, dass Will Arnett mal wieder den selbstverliebten Egoisten spielt. Ich mag vor allem Arnetts Timing und die Witzdichte, die zudem alle sitzen. Oft finden Witze auf drei verschiedenen Ebenen statt, was eine hohe Aufmerksamkeit belohnt und für mich war das Setting um eine vermischte Menschen- und Tierwelt frisch genug, um daran eine Menge zu schätzen. Ich habe jedenfalls schon eine Weile nicht mehr so herzlich gelacht.

★★★✩✩

Trailer

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