<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

House of Cards - Season 2

| Comments

Zur ersten Staffel der Netflix Serie habe ich bereits ausführlich geschrieben und kann rückblickend sagen, dass sie sehr solide begann aber gerade zum Ende hin immer hahnbüchener wurde, was mich nicht besonders auf die folgenden 13 Episoden hoffen ließ.

House of Cards - Season 2

Nachdem Fank Underwood in Staffel 1 sein erstes Ziel erreicht hat, will er nun eine Stufe höher im Machtgefüge landen. Wie er das tut, ob er das schafft und wer sich ihm in den Weg stellt und dabei ggf. überrollt wird, ja das erzählt diese Staffel House of Cards.

Ich weiß gar nicht was man zur zweiten besonders sagen kann, außer dass sie eine herbe Enttäuschung ist. Es fängt damit an, dass sie denkt wahnsinnig ernst und wichtig sein zu müssen und der Meinung ist das ganze auch noch auf einem hohen Niveau zu tun. Dabei ist House of Cards ein oberflächliches “wer hat den längsten”-Spiel, ohne etablierte Risiken, keiner echten Fallhöhe, langweiligen Plottwists und vorenthalten von Informationen. Dabei bleibt House of Cards ein glattgeschliffener Crowdpleaser, der eigentlich immer den offensichtlichen und vor allem unaufregenden Weg geht.
Frank Underwood (Kevin Spacey) hat nun den Job von Bingo Bob und kann damit nicht zufrieden sein. Die 13 Episoden sind also die vorhersehbare Schlussfolgerung dessen und man wird auf dem Weg dorthin nicht einmal überrascht. Zwar an der Nase herumgeführt, aber das ist etwas vollkommen anderes. Hier wird nur mit billigen Tricks gespielt, die man schnell durchschaut und übrig bleibt gähnende Langeweile.

Diese wird dadurch unterstützt, dass die Autoren offensichtlich nicht den blassesten Schimmer hatten, wie sie die 13 Episoden voll bekommen sollen. Warum sonst gibt es in der Mitte der Staffel zwei Bottle-Episodes, die überhaupt nichts zur Geschichte geschweige den Figuren beitragen und derart das Tempo aus der Serie nehmen, womit wir zum größten Problem kommen.

Ultimativ ist keine der Figuren interessant. Sie haben zwar alle ihre Momente, aber diese sind kurz und rar gesäht. Wenn es tatsächlich mal für ein paar Sekunden um die Menschen geht, ist die Serie — wie auch schon in Staffel 1 — am besten (ich erinnere an Franks Treffen mit seinen ehemaligen Mitstudenten). Nur wird damit nichts angestellt denn es geht der Serie nicht um die Menschen, sondern um möglichst haarsträubenden Plot.

Das bisschen politische Inside Baseball könnte kaum weniger ausformuliert sein und ist zu 90% von The West Wing “entliehen”, die angedeutete Größe der politischen Bühne schaffen sie nicht auf die Mattscheibe zu transportieren, bei den Powerplayern, die Frank verdrängen möchte, fragt man sich, wie sie es bei ihrer Unfähigkeit überhaupt zu ihrer Position geschafft haben und sämtliche Nebenschauplätze sind entweder langweilige Lückenfüller, charakterlich unmotivierter Quatsch, schlecht ausformuliert oder alles zusammen.

Selbst Spaceys Underwood geht spätestens ab Episode drei auf die Nerven. Die Platitüden, die er gegen die vierte Wand wirft (die er ja so gerne bricht), seine geschwollenen Zitate und bescheuerten Binsenweisheiten haben ihre Novalität gänzlich verloren und sorgen dafür noch weniger für diesen Soziopaten übrig zu haben.

Claire Underwood (Robin Wright) bekommt in dieser Staffel noch weniger zu tun, obwohl sie meiner Meinung nach das meiste Potential hat, einen positiven Einfluss auf die Qualität der Serie auszuüben. Auch in dieser Staffel hat sie die stärksten Momente, steht aber leider viel zu lange auf dem Abstellgleis.

Hat man von all dem nicht genug, oder ist kurz davor wegzupennen, versucht uns House of Cards mit wilden, unpassenden und ausgefallenen Sexszenen zu schocken, damit wenigstens für ein paar Sekunden der Blutdruck des Zuschauers in die Höhe geht. Nein danke.

Es gibt tatsächlich keinen Grund diese Staffel anzuschauen. Die dargestellte journalistische Arbeit ist zum Lachen, die charakterlichen Motivationen zum Haare raufen, die dargestellten politischen Mechanismen oberflächlich und das “Drama” belanglos, da es für die Figuren keine echte Fallhöhe gibt.
Eins meiner größten Probleme ist tatsächlich Franks Motivation in der ganzen Geschichte. Er strebt ultimativ das höchste Amt des Landes an, aber es ist nicht klar warum. Denn er hat keinerlei Interesse an Politik. Die Gesetze und Reformen, die er in beiden Staffeln versucht durchzudrücken haben in keinem Moment etwas mit seiner politischen Überzeugung zu tun, sondern sind ausschließlich Trümpfe, die er gegen seine Kontrahenten ausspielt, egal welche politischen Kompromisse er dabei eingehen muss. Allein das Amt ist das Ziel. Aber was will er mit dem Amt, wenn er kein Interesse am politischen Prozess bzw. an der Verbesserung der Situation des Landes hat? Macht zum Selbstzweck ist einfach zu wenig. Er verhält sich wie ein kleines Kind, dem im Sandkasten sein Spielzeug weggenommen wurde und nun wild um sich schlägt.
Zudem ist die Staffel mindestens drei Folgen zu lang und so gerade beim Bingewatching sehr hinderlich.
Spaceys Schauspiel, das sicherlich ein guter Grund für die erste Staffel ist, ist derart abgenutzt und nervig, dass neben dem Anblick von Robin Wright und ihren winzigen Momenten nichts sehenswertes übrig bleibt.

Falls doch jemand unbedingt auch diese Staffel sehen möchte, so empfehle ich dringend sich damit Zeit zu lassen. Das Schauen am Stück legt die Probleme der Serie weit offen. Vielleicht übersieht man einen Teil der Probleme, wenn man sich Zeit lässt und vergisst die anderen. Ich bin jedenfalls froh diese Enttäuschung hinter mir zu haben und mich jetzt wieder Anderem und vor allem Besserem widmen zu können.

★★✩✩✩
▇▄

Links

House of Cards – hirnrekorder

The West Wing (Recap) – hirnrekorder

Comments