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Das Filmjahr 2013 - Mein Rückblick

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Das Jahr 2013 geht zu Ende und es ist an der Zeit zurück zu blicken.

Ich habe in diesem Jehr meinen Serienkonsum erheblich zurück gefahren, alles, was mich nervte bleiben lassen und mich nur auf die guten Sachen konzentriert. Dadurch hatte ich merklich mehr Zeit für Filme und konnte so etwa dreimal so viele Filme schauen, als im Vorjahr. Insgesamt waren es etwa 200 Filme, die ich erstmalig sah, davon 80 Neuerscheinungen aus diesem Jahr.

Ich begann das Jahr damit, einen Teil der noch ungesehenen Filmen der IMDB Top250 nachzuholen und kombinierte dieses Filmprojekt mit dem March Movie Madness, bei dem im März zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Film gesehen werden musste. Dabei habe ich einige tolle Klassiker gesehen und bin etwas tiefer in den Film Noir eingestiegen. Daneben habe ich begonnen, ein paar Franzosen aus den 60ern zu sehen und habe älteres sowie modernes Kino Asiens erkundet. Dazu habe ich selbstverständlich alles, was mir aus meinem Lieblingsgenre — Coming of Age — unter die Finger gekommen ist gesehen und versucht so viel es geht aus dem aktuellen Filmjahr zu schauen. Anbei findet ihr einige Empfehlungen aus den jeweiligen Bereichen, die mir in diesem Jahr vor die Augen gekommen sind.

Film Noir

Noir

Während Maltese Falcon, Double Indemnity, Anatomy of a Murder und Dial M for Murder für mich herrausragende Beispiele für einfache, Noir-typische, zur Perfektion durchexerzierte Geschichten sind, die durch tolles Schauspiel überzeugen, kommt in Chinatown ein komplexer und moderner Plot hinzu, der dieses eigentlich zeitlose Genre in die Moderne katapultiert.

Asien

Asien

Von den “alten” Japenern ist mir Ozu’s Tokyo Story von 1953 am meisten im Gedächtnis geblieben. Dieser war am hübschesten anzusehen und berührte mich tief.
Der traurigste Film des Jahres war zweifellos der Animationsfilm Grave of the Fireflies, der mich wirklich zutiefst erschütterte und noch einen Tag später, als ich einen Review dazu schrieb, wieder zum weinen brachte. Das ist mir vorher auch noch nie passiert.
Ein weiterer, wirklich guter Anime war Perfect Blue, ein Film über eine Popsängerin, die von einem Fan gestalkt wird.

Infernal Affairs, das Originalmaterial zum amerikanischen Remake The Departed übertrifft diesen um Längen und ganz besonders toll war das Hyperlink-Movie Fish Story, bei dem alle Geschichten durch einen alten Punk-Rock Song verbunden wurden.

Hotaru no haka (Grave of the Fireflies) – hirnrekorder

Frankreich

Frankreich

Mit den Franzosen hatte ich so meine Probleme. Das thematische Material hat mich immer interessiert bis begeistert, aber oft hat der Filmemacher eine emotionale Distanz zwischen Zuschauer und Protagonisten aufgebaut, indem die Kamera eine kühle und beobachtende Rolle einnahm. Das war immer mindestens interessant und vor allem mal etwas anderes, aber mir persönlich fehlte oft die Gefühlsebene in den Filmen. Beispiele hierfür wären Vivre sa vie: Film en douze tableaux, La règle du jeu und À bout de souffle, die alle irgendwie gut waren (und zurecht Klassiker sind), aber nicht so gut für mich funktionierten, wie Le samouraï, ein Film über einen Auftragskiller, für den auf einmal alles schief läuft und den herausragenden Les quatre cents coups, einem ganz herzzerreißenden Coming of Age Film, der einiges autobiografisches vom Regisseur Truffaut verarbeitet.

Coming of Age

Coming of Age

Kommen wir zu meinem persönlichen Lieblingsgenre. Ich wüsste nicht, wann mir diese Thematik je aus den Ohren hängen könnte, gibt es doch so viele Faccetten zu bearbeiten und Blickwinkel zu betrachten. Zudem war dies ein sehr starkes Jahr für Coming of Age Filme, in dem es viel zu entdecken gab.

Mit den jüngsten Vertretern fange ich auch an. The Perks of being a Wallflower war noch ein Überbleibsel von 2012 und der wohl beste Vertreter seiner Zunft, knapp gefolgt von den beiden sehr ähnlichen Abenteuer-Dramen Mud und The Kings of the Summer, dem unglaublich guten Film über einen Jock, der zum Ende seine High School Zeit merkt, dass sein Ablaufdatum fast erreicht ist — The Spectacular Now — und dem sehr unaufgeregten The Way Way Back.

Die nicht mehr ganz so aktuellen Endeckungen waren Fucking Åmål, der beste Coming of Age Film, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, Submarine und der oben angesprochene Les quatre cents coups.

Dokus

Dokumentation

Es gab auch ein paar außergewöhnliche Dokumentationen zu sehen. Allen voran muss natürlich der brutal wichtige The Act of Killing genannt werden. Auch in diesem Jahr erschien Stories we Tell, Sarah Polleys Auseinandersetzung damit, wie wir Geschichten erzählen, am Beispiel ihrer eigenen Familie.
Jiro Dreams of Sushi beleuchtet das lebenslange Streben nach Perfektion, The Queen of Versailles über die Freu eines Immobilienmagnaten, der im Zuge der Bankenkrise Pleite geht, Holy Rollers: The True Story of Card Counting Christians ist das, was der Titel sagt und auch, wenn ich Senna bereits vorher gesehen habe, möchte ich diese wirklich tolle Dokumentation über Ayrton Sennas Karriere hervorheben, die sogar mir als Formel 1 Muffel sehr gefallen hat.

Jiro Dreams of Sushi – hirnrekorder

Überraschungen

Surprises

Viele Filme schaue ich ohne große Erwartungen, oft nur, weil mich das Genre oder ein Teil des Themas interessiert, oder weil mir den jemand einmal empfohlen hat. Oft sind diese Filme gut, selten hauen sie mich vollkommen aus den Socken.

Compliance hat, so hahnebüchen die Prämisse auch ist, etwa so gut bei mir funktioniert, wie seinerzeit Funny Games, Perfect Blue schaute ich bloß, weil ein Podcast, den ich höre, ihn besprechen wollte. Das war das erste mal, dass ich den Titel überhaupt hörte. Upstream Color, nach Primer der zweite Film von Shane Carruth schaffte es sogar auf meine Top 10, so hübsch war dieser und so nachdenklich machte er mich. Das amerikanische Debüt von Chan-wook ParkStoker — war ein sonderbares, brutales und visuelles Meisterwerk, Michael Bay war tatsächlich in der Lage mit Pain & Gain einen Film zu schaffen, dem man folgen konnte und einen unterhielt und die beiden Hollywood-Flachnasen Ron Howard und Roland Emmerich schafften mit Rush respektive White House Down sehr unterhaltsame Hollywood Streifen mit bunten Fraben, Bumms und Spektakel. Der eine erzählte dabei sogar noch eine sehr unterhaltsame Geschichte, während der andere einfach nur batshit insane war.
Ain’t them Bodies Saints Überzeugte durch seine Stimmung und schöne Bilder und Thomas Vinterbergs Jagten zeigt auf unnachahmlich Weise den Horror, der sich entspinnt, wenn ein Kindergärtner zu Unrecht beschuldigt wird ein kleines Mädchen sexuell belästigt zu haben.

Top 10 des Jahres

Top10

  1. Miller’s Crossing – Die Coen Brothers mit ihrem besten und einem meiner Meinung nach vollkommen perfekten Film. Eine Fusion aus Gangsterdrama, Noir Thriller und Slapstick Comedy in Perfektion umgesetzt. Ein komplizierter Plot, der einige Deutungsebenen hat, fantastische Kulissen und tolle Schauspieler in allen Rollen.

  2. Grave of the Fireflies – Wie erwähnt, der traurigste Film, den ich dieses Jahr sah und dabei der in meinen Augen beste Animationsfilm überhaupt.

  3. Umberto D. – Einer der letzten Filme des italienischen Neorealismus ist die tragische Geschichte des Umberto Domenico Ferrari mit einem intimen Blick auf Altersarmut, Stolz und sozialer Isolation. Schonungslos und ohne Mitleid beobachten wir die Titelfigur, die nur ihren Hund als wirklichen Bezugspunkt hat.

  4. Jackie Brown – Der wohl beste Tarantino, weil er wohl am wenigsten Tarantino ist. Verlässti sich nicht auf seine stilisierten Dialoge, hat ausnahmsweise eine ordentliche Frauenrolle und ganz famos gute Musik.

  5. Fucking Åmål – Fucking Åmål ist ein herzzerreißendes Coming of Age Filmchen über junge Liebe, Verzweiflung, gesellschaftliche Akzeptanz und Peer Pressure.

  6. Dial M for Murder – Für solche Kammerspiele liebe ich den Film Noir. Der Trifecta von Regie, Skript und Schauspiel in kleinem, beschränkten Raum.
    Der perfekte Film über den perfekten Mord, der furchtbar schief läuft.

  7. Chinatown – Polanski strikt hier eine angenehm komplexe Detektivgeschichte um Jack Nicholson und Faye Dunaway, die clever erzählt und perfekt umgesetzt wurde.

    Besonders mochte ich die Art und Weise, wie hier langsam und mit sicherer Hand Spannung aufgebaut wurde, so wie es die klassischen Noirs tun. Nur dass hier der Plot nicht so geradlinig vorgeht. Zudem ist er wahnsinnig hübsch anzusehen und anzuhören. Ein toller Film.

  8. There Will be Blood – Was soll ich sagen. Eine Tour de Force. Ein Film der fast nur aus Setup besteht und sich am Ende mit finsterem Donnergrollen entlädt.

  9. Fruitvale Station – Die herzzerreißende Geschichte um den von Michael B. Jordan gespielten Oscar Grant III, den wir an seinem letzten Tag begleiten dürfen.

  10. Les quatre cents coups – Der bereits erwähnte, autobiografisch angehauchte Coming of Age Film, in dem ein Heranwachsender durch eine Kette Mißverständnisse in die Welt der Kleinkriminalität abrutscht.

Miller’s Crossing – hirnrekorder
Hotaru no haka (Grave of the Fireflies) – hirnrekorder
Fucking Åmål – hirnrekorder

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