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Das Serienjahr 2013 - Ein Rückblick

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Caro und Andi von Newshows haben eine Blogparade zum Serienjahr 2013 ins Leben gerufen.
Wenn jemand Fragen zum Thema Serien stellt, lasse ich mich nicht bitten, denn dazu habe ich immer etwas zu sagen.

Few spoilers coming up, obviously.

Was war für dich die Serien-Überraschung des Jahres?

“Überraschung” ist schwierig zu definieren. Kann man von neuen Serien überrascht werden, von denen man vorher nichts hörte? In die Kategorie “beste neue Show” kommt sicherlich Orange is the New Black. Nachdem ich mit Weeds nichts anfangen konnte, hätte ich nicht gedacht, dass mich irgend etwas von Jenji Kohan begeistern könnte. OitnB ist komisch, dramatisch, fantastisch erzählt und locker das Beste, was Netflix bisher an eigenem Content herausgebracht hat.
Die Serie, die ich bereits abgeschrieben habe, aber in diesem Jahr einen gehörigen Sprung nach vorne machte ist Scandal. Eine Show voller Wahnsinn, Intriegen, Mord und Totschlag vor dem Setting des politischen Washingtons ist cliffhangerreiches Appointment TV par excellence.
Eine unbedingte Erwähnung verdienen in diesem Segment Masters of Sex, Enlightened und Rectify.

Welche alte Serie hat dich 2013 besonders überzeugt?

Hier kommt wohl die nächste Standardantwort. Breaking Bad feierte in diesem Jahr seine finale Staffel und legte damit (bis auf ein paar tonale Kleinigkeiten) eine absolute Punktlandung hin. Keine jüngere Serie arbeitete auf einem so konstant hohen Niveau und dieses steigerten sie noch in Staffel 5.2.
Ansonsten ist sicherlich The Good Wife zu nennen, die nach einer schwächeren 4. Staffel wieder fulminant aufspielt.

Welche neue oder alte Serie war für dich der Flop des Jahres?

Die neuen Serien habe ich wegen fehlendem Interesse weitestgehend ausgelassen. Das neue Comedyaufgebot wie The Michael J. Fox Show, The Crazy Ones, Brooklyn Nine Nine und Trophy Wife sind allesamt eine mittelschwere Katastrophe bis belanglos, aber von denen habe ich auch nichts erwartet.
Auch wenn ich so eine Serie auf meinem Programm nicht brauche, war ich wahrscheinlich am erstauntesten, dass Agents of S.H.I.E.L.D. so eine vollkommene Bruchlandung ist.

Worüber hat dein innerer Serienjunkie 2013 richtig laut gelacht?

Zweifelsohne als sich Jean Belcher als sein Vater Bob Belcher in S03E12 von Bob’s Burgers verkleidet. Die mit Abstand komischsten 20 Minuten Fernsehen in diesem Jahr.

Gene as Bob Belcher

Was hat dich besonders schockiert?

Das schwache Herbstprogramm. Wo sonst der Herbst mit seinen grandiosen Serien den Kalender dominierte, herrscht dieses Jahr mit ganz wenigen Ausnahmen gähnende Leere. In diesem Jahr konnten wir einen grandiosen Seriensommer mir vielen kleinen Serien genießen, aber was sich in der traditionell stärksten Zeit des Jahres abspielt, ist einfach nur peinlich.

…und was besonders überrascht?

Der Seriensommer mit seinen vielen kleinen Serien, wie Moone Boy, Rectify, Enlightened, Top of the Lake, The Fall, Orange is the new Black, The Americans und Orphan Black. Zudem die Qualität der Serien, die Netflix raushaut und eine Menge von den klassisch distributierten Serien übertrumpfte und ganz persönlich, wie viel Spaß ich daran hatte, ältere Serien erneut zu schauen. In diesem Jahr habe ich Rubicon, Luther, The West Wing und einen Teil von The Sopranos erneut geschaut und hatte fast ausnahmslos mehr Spaß mit ihnen, als beim ersten Mal.

Erstaunt war ich auch, wie leicht es mir fiel so eine immense Anzahl an Serien endlich mal bleiben zu lassen, weil sie sich nicht entwickelten oder mittlerweile einfach zu schlecht bzw. belanglos wurden. Es ist ganz gut sich ab und an einmal zu fragen, ob man eine Serie nur noch aus Gewohnheit schaut.

…und welche Storyline besonders bescheuert?

Das gute bescheuert: So ziemlich alles in Scandal.
Das schlechte bescheuert: So ziemlich alles in Dexter und Sons of Anarchy.

Welcher Darsteller und welche Darstellerin hat 2013 besonders gerockt?

No fucking contest. Tatiana Maslany in Orphan Black. Sie spielte ihre verschiedenen Versionen dermaßen nuanciert, dass man es kaum glauben konnte. Neben der besten Schauspielerleistung war es auch die auffälligste.

Wer hat 2013 vorherige Rollen vergessen gemacht hat?

American Pie’s Jason Biggs in Orange is the new Black legt sämtliche schauspielerische Altlasten ab und erfindet sich neu, auch wenn er wieder eine unsympatische Figur spielt, so war er schauspielerisch mit die größte Überrschung der Serie für mich.

Unwichtigster Charakter einer Serie?

Auch wenn ich mir damit Feinde mache, ich mochte Kalinda Sharma in The Good Wife noch nie und mag sie auch heute nicht. Für mich ist sie eine vollkommen flache und uninteressante Figur, desren badassery sich nur durch ihre schier endlose Lederjackensammlung manifestiert.

Bei welcher Serie sollte man unbedingt genauer auf den Soundtrack achten?

Mogwai in Les Revenants erschaffen fast im Alleingang die melancholische und düstere Stimmung in dieser sehr ungewöhnlichen Zombieserie.

Welche Serie hat die beste Kamera- und Szenenarbeit?

Hier sollte ich wohl den kleinen britischen Krimi Utopia nennen. Die Serie hat einen einzigartigen visuellen Stil, der mit seinen knalligen und überdrehten Farben etwas an Pushing Daisies erinnert, aber eben auch durch die außergewöhnliche Bildkomposition brilliert.

Gleichberechtigt müssen hier allerdings die Veteranen Mad Men und Breaking Bad stehen.

Welche Serie konntest du auch 2013 nicht absetzen, obwohl sich alle deiner Körperteile gegen sie wehren?

Nix. Ich habe alles geschmissen, was mich nervte und bin total stolz auf mich. Was mir die letzten Jahre überhaupt nicht gelang, klappte dieses Jahr problemlos.

Stell dir vor, du bist Showrunner einer aktuell laufenden Serie und bekommst die Order, die Serie in eine völlig andere Richtung weiterzuführen. Welche Serie passt du wie an?

Ich bin zwar der Meinung zu erkennen, wenn eine Serie in eine falsche Richtung läuft, maße mir aber nicht an, zu denken, ich wüsste es besser. Ziemlich sicher, würde ich ein Problem ausmerzen, aber dabei drei neue schaffen.
Grundsätzlich würde ich aber eine Serie wie Sons of Anarchy oder Dexter nehmen, die offensichtliche Katastrophenserien sind. Beide Serien haben einen sehr unterhaltsamen Kern, aber das gleiche Problem. Sie kehren zum Ende einer Staffel immer wieder zum Status Quo zurück und zerstören so jegliche dramatische Spannung.
Diese Mechanik würde ich grundsätzlich ausmerzen. Damit wird jede Serie besser (abgesehen von Sitcoms vielleicht).

Die Serie, die fälschlicherweise niemand sah

Moone Boy:
Eine ganz charmant kleine Serie, die in Irland spielt und auf Hulu ausgestrahlt wurde handelt von einem Schulkind, dass einen mittdreißigjährigen, fluchenden, imaginären Freund hat. Wirklich süß, fröhlich und berührend.

Rectify:
Ein Slow Burn, der fast alleine von seiner Stimmung lebt, hat einen 35 jährigen Mann in seinem Zentrum, der fäschlicherweise in der Todeszelle saß und nach 19 Jahren freigelassen wird und sich in der neuen Welt zurecht finden muss. Eine wirklich schöne kleine Serie, die ich mit den wundervollen Bottle-Episodes von Enlightened vergleichen würde. 6 feine Folgen für zwischendurch und es wird eine zweite Staffel geben.

Enlightened:
Eine der Topserien um eine verschrobene Geschäftsfrau, die etwas unbequem erzählt wird und nicht jedermanns Sache ist. Trotzdem die Serie, die sträflich übersehen wurde.

Was wünschst du dir vom Serienjahr 2014?

Ich will mal wieder eine ordentliche Science Fiction Serie. Und zwar eine, die wie ein modernes Drama erzählt wird und nicht yet anothe cop show with a twist.

Irgendwas vergessen?

Ja. Unscripted TV ist hier vollkommen unterrepräsentiert, bietet aber einige Highlights. Zu nennen sind die hervorragenden Koch-/Essenssendungen Anthony Bourdain: Parts Unknown und The Mind of a Chef mit David Chang sind das Beste, was Essensfernsehen zu bieten hat und auch dieses Jahr hatte ich viel Spaß an den Reality TV Formaten Big Brother US und Top Chef.

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