<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Scandal

| Comments

Als vor über zwei Jahren der Pilot lief, habe ich ja schon meinen Senf dazu abgegeben, aber wie wir alle wissen, ist es schwer eine Serie an seinem Piloten zu messen. Nachdem ich nun die letzte liegengebliebene Staffel nachgeholt habe, fühle ich mich in der Lage, eine recht umfassende Meinung dazu zum Besten zu geben.

Scandal

Plot

Olivia Pope ist die ehemalige PR-Beraterin des aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten und hat nun eine Firma für Krisenmanagement für die Reichen und Mächtigen im politischen Washington D.C.
An ihrer Seite sind je zwei Frauen und Männer, die sich selbst als gladiators in suits bezeichnen und bedingungslos den Anweisungen ihrer Chefin folgen und alles dafür tun, den aktuellen Auftrag zufriedenstellend zu erfüllen. Alles? Ja, alles. Sie lügen, betrügen, stehlen, täuschen, hacken, spionieren, foltern, morden und sind ab und an auch mal rechtschaffend.

Weite Teile der ersten Staffel bestehen aus der klassischen case of the week Formel, in der Pope und Konsorten diverse einflussreiche Menschen aus ihren Miseren rausboxen.
Mit der Zeit tritt Pope’s jüngere Vergangenheit als Mitglied der Präsidentschaftskampagne und den daraus resultierenden Beziehungen zu sehr einflussreichen Figuren und deren gemeinsame schmutzige Wäsche in den Vordergrund und wie sie diese versuchen zu vertuschen, während andere diese ausbuddeln wollen. Es geht um Wahlbetrug, Präsidentschaftsattentat, Affären im Weißen Haus, schlimmste Intrigen, Folter, Mord und Totschlag und geheime Regierungsorganisationen.

Hört sich verrückt an? Ist es auch.

Kritik

Ich will euch nichts vormachen. Scandal ist keine unfassbar gute Show, aber eine, die gehörigen Spaß macht, wenn man an schnell erzählten, übertriebenen und vollkommen wahnsinnigen Geschichten seinen Spaß hat. Showrunner Shonda Rhimes (Grey’s Anatomy) heizt durch Plot, wie nichts Gutes. Das behält die Serie trotz bescheuerten twists and turns frisch und unterhaltsam. Es hilft, wenn man dabei zusehen kann, wie sich das Präsidentschaftsehepaar hasst, sich gegenseitig für politische Macht ausnutzt oder die Frau aus Pope’s Team, mit der die Serie lange nichts anzufangen wusste, von Huck, dem Ex-Profikiller, zu einer Foltermaschine ausgebildet wird (ich übertreibe ein wenig).

Die Schauspielerei ist angemessen übertrieben, die Dialoge so konstruiert und stilisiert, dass die Schauspieler regelmäßig außer Puste geraten (was wir aus The Newsroom schon kennen) und das Schnittgimmick schnell anstrengend.

Mein größter Kritikpunkt ist die kaugummiartig in die Länge gezogene Affäre/Liebesbeziehung zwischen Olivia Pope und dem Präsidenten. Dass zwei Menschen ab und zu gemeinsam in der Besenkammer verschwinden ist schön und gut, aber diese herzerreißende Liebe wurde nie etabliert und so lässt das ständige hin und her vollkommen kalt.

Das macht aber alles nichts, denn man hat einen Heidenspaß bei all dem Wahnsinn, der einem um die Ohren fliegt. Scandal ist die Definition eines guilty pleasure (auch wenn ich diesen Begriff nicht mag). Man bekommt keine perfekt kontruierte Geschichte, keine vielschichtigen Figuren, dafür grandioses cliffangerreiches appointment TV par excellence.

★★★✩✩
▄▇

Comments