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The King of Comedy

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Nach der schwarzen Narzisse beschloss ich Annikas Filmprojekt noch ein paar Male zu begleiten und habe mir 1-2 Handvoll Filme ausgesucht, die ich mitschauen und auf diesem Blog begleiten werde.

Vorher

Ich bin maximal unvorbereitet und weiß gerade mal, dass Martin Scorsese hinter und Robert De Niro vor der Kamera steht.

Mittendrin

Hmm. Unbequem. Ganz, ganz unbequem. Wo De Niros schauspielerische Leistung zu begeistern weiß, da ist seine Figur des verrückten Stalkers Rupert Pupkin sehr ungemütlich. Seine Realität und Phantasie verschwimmt das eine ums andere mal und es ist nicht immer klar, wo wir uns gerade befinden.
Mal sehen, ob der Plot immer weiter eskaliert, oder es irgendwann eine Lockerung des selben gibt.

Danach

Mit The King of Comedy geht Martin Scorsese sehr ungewohnte Wege. Er untersucht die Mischung einer histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitsstörung an der Figur des Comedian Rupert Pupkin (Robert De Niro), der unbedingt groß rauskommen will und seine Möglichkeit darin sieht, den berühmten Late-Night Talkshow Host Jerry Langford (Jerry Lewis) zu stalken und mit seiner Hilfe einem großen Publikum vorgestellt zu werden.

In einem “zufälligen” Moment “freundet” sich Pupkin mit Langford an, der daraufhin der Meinung ist, durch diese eine Begegnung in seiner Talkshow nationale Aufmerksamkeit zu bekommen. Pupkin spinnt sich ein immer wirreres Konstrukt in seinem Kopf zusammen, so dass er immer aufdringlicher und immer wahnhafter wird.

So gerne ich De Niro in all seinen großartigen Rollen mag, in The King of Comedy spielt er auf einem ganz anderen Level und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn woanders besser gesehen habe. Der Wahnsinn in seinen Augen, die Überzeugung zur Unterhaltungsgesellschaft zu gehören und ein enger persönlicher Freund Langhams zu sein, sowie sie Immunität gegen gut gemeinte Ratschläge und einfühlsamen Erklärungen, dass es in diesem Business so nicht läuft, ist einfach toll.

Der Plot hört sich ja ganz lustig und unterhaltsam an. Das ist der Film aber nicht. Scorsese konstruiert jede Szene ohne einen komödiantischen oder emotionalen Payoff. Der Klimax jeder Szene wird genauso weggelassen, wie die positive Resonanz auf jede Figur. Genauso wenig wie die Charaktere einen kathartischen Moment bekommen, so darf auch der Zuschauer seine Anspannung nie durch einen Lacher loswerden.

Diese immer schwerer werdende Anspannung macht den Film nicht zu einem unterhaltsamen, doch aber zu einem verdammt wirkungsvollen.
Er ist so besonders, weil alle anderen Filme von Scorsese so voller Leben und Emotionen strotzen, dieser hier aber eiskalt bis tot ist. Dieses unbequeme Gefühl, das schmerzhafte Schauerlebnis und die undefinierbaren, frustrierten Erinnerungen an The King of Comedy machen ihn zu etwas besonderen und zusammen mit den tollen Schauspielerleistungen zu einem überraschend guten Film.

★★★★✩

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