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Top 10 Filme - August 2013

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Diesen Monat ist aus der Top 5 eine Top 10 geworden, weil ich einfach zu viele gute Filme gesehen habe und zu allen ein paar Worte verlieren wollte.

  1. (500) Days of Summer (2009 – Marc Webb) – Ich und Coming-of-Age; Coming-of-Age und ich. Einer der wenigen Filme, die ich öfter mal sehe und dann auch noch gleichbleibend toll finde. (500) Days of Summer ist ein perfekter Film von vorn bis hinten. Musik nach meinem Geschmack, eine nicht zu abgedrehte Zooey Deschanel, ein wie immer den perfekten Ton treffenden Joseph Gordon-Levitt, knackiger Pace und die finale Bankszene bringt mich noch immer zum Heulen.
    Ich könnte den Film gleich schon wieder einlegen.

  2. The Ghost Writer (2010 – Roman Polanski) – Der Thriller um einen Ghost Writer (Ewan McGregor), der in eine politische Verschwörung gerät ist gar nicht mal so spannend, trotzdem faszinierend und vor allem sehr ruhig erzählt und mit sicherer Hand von Roman Polanski geführt. Sehr einnehmend und viel besser als sein Ruf.

  3. Les quatre cents coups (1959 – François Truffaut) – Ich und French New Wave ist ja eher hit and miss. Oft ist mir Kamera und kompletter Film zu emotional distanziert. Oft wird nur kühl beobachtet und so eine Mauer zwischen Zuschauer und emotionalem Kern aufgebaut. Ich mag das nicht. Ich lasse mich gerne (gut gemacht) manipulieren und möchte mit den Protagonisten mitfühlen, nicht nur den Beobachter spielen.
    Truffauts Erstlingswerk macht alles so, wie ich das gerne mag. Der Film ist stark autobiografisch und liegt Truffaut merklich am Herzen. Die Hauptfigur, ein Heranwachsender Junge driftet durch eine Reihe von Missverständnissen und schlechten Entscheidungen in ein Leben auf der Straße ab, das er sich durch Kleinkriminalität finanziert.
    Ein herzzerreißender Coming-of-Age Film, der sich meisterhaft zur finalen Einstellung aufbaut.

  4. Jagten (2012 – Thomas Vinterberg) – Horror, wie ich ihn mag. In einer Kleinstadt wird ein Kindergärtner von der Tochter seines besten Freundes zu Unrecht beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben und niemand glaubt ihm.
    Es entbrennt die titelgebende Jagd auf ihn und seine Familie, die sich bedächtig und logisch bis zu ihrem Ende ausspielt. Einer der effektivsten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe. Und Mads Mikkelsen geht sowieso immer.

  5. Hunger (2008 – Steve McQueen) – Steve McQueens Langfilmdebut bringt den großen Kampf der IRA-Häftlinge um die Anerkennung ihres politischen Status auf die kleine Bühne. Herrlich gefilmt findet McQueen Schönheit in mit Fäkalien beschmierten Wänden, schimmeligen Zellen und Bibel-rauchenden Gefangenen. Er trifft die perfekte Balance aus Aggression und Verzweiflung bei Häftlingen und Wärtern zu Beginn des Filmes und der brachialen Ruhe und Kälte im Finale, während wir Michael Fassbender bei seinem Hungerstreik und seinem damit verbundenen langsamen Freitod beobachten. Dabei bezieht er nie Stellung, sondern unterstreicht, dass beide Parteien nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln haben. Ein unvergesslich quälender Film.

  6. All The President’s Men (1976 – Alan J. Pakula) – Dustin Hoffman und Robert Redford mimen zwei Journalisten, die versuchen die Watergate-Affäre aufzudecken. Wenn man es man es mag — so wie ich — intelligenten Menschen bei der Arbeit zuzuschauen, wird man den Film — so wie ich — lieben. Ein ganz wundervoller Film.

  7. Adore (2013 – Anne Fontaine) – Robin Wright und Naomi Watts sind beste Freunde, haben je einen etwa 18-jährigen Sohn und leben an einem idyllischen australischen Strand. Beide verlieben sich in den Sohn der anderen und dieses Szenario wird einfach zum logischen Ende mit passenden Wendungen durchexerziert.
    Der Film gab mir alles, was ich von so einem Film erwartete. Wishfulfilment, Pragmatismus, Melodrama und hübsche Menschen. Schöner kleiner Film.

  8. Drinking Buddies (2013 – Joe Swanberg) – Süßer kleiner Film über zwei beste Freunde, von der eine Seite mehr will. Wenn man Filme wie Safety not Guaranteed mag wird einem dieser hier auch gefallen. Und Anna Kendrick macht jeden Film besser.

  9. Holy Rollers: The True Story of Card Counting Christians (2011 – Bryan Storkel) – Interessante kleine Doku über einer wohlorganisierte Gruppe Christen, die mit enormen finanziellen Backing professionell Black Jack zocken. Stellt spannende Fragen zu Moral und Vertrauen untereinander und der Vertretbarkeit ihrer “Berufung” gegenüber ihres Glaubens.

  10. Pain and Gain (2013 – Michael Bay) – Micheal Bays “Indie Film”. Alles was man an Bay scheiße findet ist und bleibt valide, aber er lässt hier die Action, die er einfach nicht kann, weg und wendet seinen infantilen visuellen Stil auf den dekonstruierten amerikanischen Traum an, stellt gestählte, mit Drogen vollgepumpte Körper dem faltigen Ed Harris gegenüber und es funktioniert tatsächlich.
    Sicherlich kein grandioser Film, jedoch ein unterhaltsamer, in dem Bays Stil tatsächlich mal was zum Film hinzu fügt.

Enttäuschungen

  • The Heat (2013 – Paul Feig) – Krude, dämlich, ununterhaltsam und humorfrei schlagen sich das ungleiche Buddy-Cop-Pärchen durch einen Drogenring. Man muss Melissa McCarthys Sinn für sehr körperlichen und ruppigen Humor schon sehr mögen, um diesem Film auch nur ein Minimum an Unterhaltung abzugewinnen.

  • We’re the Millers (2013 – Rawson Marshall Thurber) – High Concept Comedy über Drogenschmuggel, Alleinsein und Familie. Dieser Film ist mein persönlicher heißer Anwärter darauf, der schlechteste Film des Jahres zu werden. Die einzigen komischen 15 Sekunden finden nichtmal während des Filmes statt, sondern in den Outtakes. You know it when you see it. Mein Project X des Jahres. Ein Totalausfall.

  • Now You See Me (2013 – Louis Leterrier) – Ein Film über Magie, Illusion und Kriminalität beginnt ziemlich clever aber desintegriert schnell zu einem Transporter Film. Das enttäuschende ist, dass der Film einen anderen Film anpreist, als er eigentlich ist und somit Erwartungen nicht erfüllen kann.
    Um es mit Kermode zu sagen. “The Prestige for stupid people.”

  • Star Trek Into Darkness (2013 – J.J. Abrams) – Ich habe nichts mit dem Star Trek Universum zu tun und dachte immer, gerade jemanden wie mich will J.J. mit seinen Filmen abholen und adäquat unterhalten. Das schaffte er schon nicht mit seinem ersten und noch viel weniger mit dem aktuellen.
    Der Film ist voller Spektakel ohne Gewicht für Figuren oder Geschichte, Wendungen, die man aus kilometerweiter Entfernung sieht und langweiligen Klischees. Ist es so schwer in erster Linie eine gute Geschichte zu erzählen und das Spektakel drum herum zu bauen?

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