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Die Ersten Piloten Der Fall Season 2013

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Die Tage werden kürzer, das Thermometer fällt und die Jahreszeit des Draussenseins neigt sich dem Ende zu. Zeit es sich wieder auf dem Sofa gemütlich zu machen und in das pünktlich startende Fernsehprogramm zu tauchen.

Da dieser Herbst nach einhelliger Kritikermeinung mit überwiegend schwachen Piloten rumkommt, werde ich eine Menge gar nicht erst versuchen, sondern habe mir ein paar Serien herausgesucht, die sich entweder von der Prämisse oder vom Team, das vor bzw. hinter der Kamera steht, am vielversprechendsten anhörten.

Drama

Masters of Sex

Masters of Sex

Michael Sheen und Lizzy Caplan mimen die beiden Pioniere der Sexualforschung in den 60ern namens William Masters und Virginia Johnson.
Man sieht viel nackte Haut, eine interessante Thematik, zwei tolle Schauspieler, die tolle Chemie miteinander haben und ein Skript, das nicht die offensichtlichen Wege geht und so zu überraschen weiß. Die erste Folge ist fast ausschließlich Setup zur Geschichte und so noch nicht besonders aufregend, wobei die zweite Episode interessante Dynamiken aufmacht und in die richtige Richtung zu gehen scheint.

Showtime hat hier locker den besten Drama-Piloten an den Start gebracht, den ich gerne weiter verfolge und mir nach dem kurzen Einblick ziemlich sicher bin, eine mindestens solide Serie an der Hand zu haben.

The Blacklist

The Blacklist

Raymond “Red” Reddington (James Spader) ist steht ganz oben auf der Liste des FBI als er sich eines Tages freiwillig stellt und dem FBI dabei helfen will die gefährlichsten Kriminellen und Terroristen zur Strecke zu bringen. Seine einzige Forderung ist nur mit der jungen FBI-Profilerin Elizabeth Keen zu sprechen, die an eben jenem Tag ihren ersten Arbeitstag hat. (Ja, das hört sich alles verdächtig nach Das Schweigen der Lämmer an)
Gemeinsam bringen sie also die Bösen zur Strecke während Reds Agenda vollkommen unklar bleibt.

The Blacklist ist eine fürchterliche prozedurale Agenten-Actionserie, die aber überraschend viel Spaß macht. James Spader kaut genüsslich auf seinen Dialogen herum und hat eine ganz famose Präsenz auf der Mattscheibe.
Wenn einem so etwas gefällt, sollte man das mal antesten, ich gebe der Serie jedenfalls noch ein paar Episoden.

Agents of S.H.I.E.L.D.

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Das Joss Whedon/Marvel Vehikel ist ja der feuchte Traum aller Buffy/Avengers-Fans, die Whedon mal wieder in einem Serienkontext sehen wollen, aber versprecht euch nicht zu viel davon.

Agents of S.H.I.E.L.D. ist ein sehr bodenständiges Crime-Procedural á la Law & Order nur eben mit auf die eine oder andere Art übernatürlichen Bösewichten. Der Pilot lebt von seinem flotten Schnitt und den schlagfertigen Dialogen, die man von Joss Whedon kennt. Der Plot ist langweilig bis vollkommen nebensächlich und ich frage mich, was passiert, wenn Joss die zu erwartenden Schritte zurück geht und seinem Bruder das Ruder überlässt. Schließlich hat er noch ein paar Milliarden Dollar schwere Blockbuster auf dem Zettel.

So lange Joss am Ende nochmal über jedes Skript drüber schaut und die Dialoge aufpoliert, könnte das ganz unterhaltsam werden. Ich habe da aber keine besonders große Hoffnung dran.

Comedy

Wo man Drama noch recht eindeutig einordnen kann und Stärken und Schwächen ziemlich gut herausarbeiten kann, ist Comedy viel schwieriger, weil viel persönlicher und noch viel mehr Geschmacksache. Also lohnt es sich bei den Comedy-Piloten absolut auch selber reinzuschauen.

Trophy Wife

Trophy Wife

Bradley Whitford (The West Wing, The Good Guys) ist erfolgreicher Anwalt, der bereits 2 Ex-Frauen (Marcia Gay Harden aus Miller’s Crossing und The Newsroom, Michaela Watkins aus SNL) samt Kindern hat und an einem Abend in einer Karaoke-Bar die junge Partygängerin Kate trifft (Malin Åkerman aus Watchman, Childrens Hospital) und flott heiratet. Im Wesentlichen geht es in der Serie wohl um ihre Rolle in der Großfamilie und dem Chaos, das entsteht, wenn sie versucht sich einzubringen.

Die Prämisse hört sich vielleicht ein wenig bescheuert an, aber Trophy Wife hat den mit Abstand besten Cast und dieser Cast hat das mit Abstand beste komödiantische Timing miteinander, was mir erstmal am wichtigsten ist. Die Gags zünden, die Figuren sind schon nach 2 Minuten ausreichend interessant und die vielschichtige Familiengeschichte scheint durch den ganzen Piloten durch und wird sicher eine Menge komisches Material liefern können.

Für mich der einzige sehenswerte Comedy-Pilot.

The Michael J. Fox Show

Michael J Fox Show

Michael J. Fox spielt den Nachrichtensprecher Mike Henry, der mit Parkinson diagnostiziert wurde und sich aus seiner Karriere zurück zog. Fünf Jahre später hat er die Krankheit so weit im Griff, dass er erwägt wieder in seinen alten Beruf zurückzukehren, was seine Familie schwer begrüßt, weil er ihnen schon einige Zeit gewaltig auf die Nerven geht.

The Michael J. Fox Show ist die erste dauerhafte Serienrolle von Michael J. Fox, nachdem er bei Spin City krankheitsbedingt ausgestiegen ist und so ist dieses Projekt natürlich sehr zu begrüßen, gerade weil Fox so offen mit seiner Krankheit umgeht. Nur ist die Serie um ihn herum so flach und ideenleer, dass sie einfach keinen Spaß macht. Noch verlassen sich die Autoren einzig und alleine auf den körperlichen Aspekt der Krankheit, um Lacher zu generieren und das funktioniert für mich überhaupt nicht.
Viel besser und vor allem auch komischer kann man sich den Umgang mit seiner Krankheit und wie diese wirklich clever in Plot und Figur eingebaut wird in einer der zahlreichen Gastauftritte in The Good Wife sehen.

Einziger Lichtblick ist Betsy Brandt (Breaking Bad), die ebenbürtig an Fox’ Seite als seine Ehefrau aufspielt und Wendell Pierce (The Wire, Treme), der seinen “Bunk” auch in dieser Rolle zum funktionieren bringt.

Meins ist es nicht, hörte aber von anderen, dass sie die ganze Folge über ein breites Grinsen im Gesicht hatten, was schonmal kein schlechtes Zeichen ist. Die Serie hat jedenfalls noch viel zu tun, um daraus etwas wirklich komisches zu erzeugen.

The Crazy Ones

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Neben Michael J. Fox findet auch Robin Williams nach Ewigkeiten seinen Weg zurück ins Fernsehen. Williams leitet zusammen mit seiner Tochter (Sarah Michelle Gellar) eine Werbeagentur in Chicago, die gerade etwas in Schwierigkeiten sind, weil ihnen ihr größter Kunde kündigen will.

David E. Kelley (Chicago Hope, Ally McBeal, Boston Legal) hat die Hauptfigur mit Robin Williams im Kopf geschrieben und das merkt man. Williams darf/muss seine Stimmen und Rollen im Sekundentakt wechseln, so wie er das in den letzten 30 Jahren auch schon machte. Dabei nimmt er so viel Raum ein, dass niemand auch nur die Möglichkeit hat die eigene komödiantische Stärke auszuspielen. Wir wissen durch Buffy, dass Gellar mindestens das Talent hat komische Rollen zu spielen, aber bisher hat sich niemand die Zeit dafür genommen auch nur eine Zeile Dialog speziell für sie und ihr Talent aufzuschreiben. Alles fängt mit Robin Williams an und muss zwingend dort auch wieder aufhören, weil mit seiner Energie niemand auch nur im Ansatz mithalten kann. Der Showrunner müsste erkennen, dass der Serie damit überhaupt nicht geholfen ist und Williams von 11 auf Stufe 3-4 zurück drehen. Denn die leisen Momente kann er und so würden seine schauspielerischen Explosionen auch wirken. So ist jeder andere auf dem Set einfach nur laut, um irgendwie gegen ihn wirken zu können. Da The Crazy Ones aber nunmal seine Show ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass das je passieren wird. Sollte das aber nach 10 Folgen eintreten, sagt mir bitte Bescheid, denn ich denke, dass die Serie einen ganz knuffigen Kern hat, der funktionieren kann.

Im aktuellen Kontext schaue ich mir Robin Williams jedenfalls lieber bei Inside the Actors Studio an.

Brooklyn Nine-Nine

Brooklyn-Nine-Nine

Buddy-Cop-Action-Comedy um einen jungen und sehr erfolgreichen Detective, der sich nicht an die Regeln hält und von seinem neuen Captain (Andre Braugher aus Men of a Certain Age) angehalten wird doch endlich mal erwachsen zu werden und das Polizeiabzeichen zu respektieren.

Brooklyn Nine-Nine hat mich keine Sekunde lang interessiert, kein Witz zündete, der Konflikt ist blöd und konstruiert und auch die Nebenrollen geben nichts her. Einzig Braugher und sein deadpan Humor sind ein kleiner Lichtblick, der die Mundwinkel ein wenig nach oben zucken lässt.

The Rest

  • Hostages – Total bekloppte Prämisse, die mich nicht die Bohne interessiert und ich mir auch nicht vorstellen kann, wie diese auf die Länge einer Staffel gestreckt werden kann ohne massive Lückenfüller einzubauen.
  • Sleepy Hollow – Ich habe keine Ahnung, was alle mit ihren batshit insane Serien haben, aber ich habe es mit so einem Blödsinn wie American Horror Story und Hannibal probiert und keinerlei Unterhaltungswert daran gefunden. Ich will entweder eine gute Geschichte erzählt bekommen oder herzhaft lachen. So einen Quatsch brauche ich nicht.
  • Dads – Hört sich furchtbar an.
  • Mom – So sehr ich Allison Janney liebe, aber ich muss mir nicht noch eine Serie von Chuck Lorre ansehen. Wirklich nicht.

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