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Black Narcissus

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Kurz vorweg: Annika hat ein Filmschauprojekt, in dem sie aus den letzten 100 Jahren je einen Film pro Jahr schaut und diese Filmreise auf ihrem Blog Die Filme, die ich rief | Annikas Filmachterbahnfahrten begleitet.
Nun fragte sie mich, ob ich nicht kurz in ihren Reisebus zusteigen möchte und einen der Filme in dem Format besprechen möchte, den sie benutzt. Annika unterteilt ihre Texte in ein “Vorher”, “Mittendrin” und “Danach”. Also Erwartungen und bisher bekanntes, dann Zitate, Bilder, Gefühle und zum Schluss den Gesamteindruck nach dem Film.

Da wir auf Twitter schon länger die Idee mit uns herumtragen, den gleichen Film zu besprechen und so die verschiedenen Stile und Meinungen beieinander zu haben und vergleichen zu können, war ich Feuer und Flamme auch mal ein etwas anderes Format aufgezwungen zu bekommen und bekam als Hausaufgabe Die schwarze Narzisse von 1947.

Vorher

Black Narcissus ist nach The Red Shoes mein zweiter Film des britischen Regie-/Autorenduos Michael Powell und Emeric Pressburger — auch gennant The Archers.
Es geht wohl um Nonnen. Viel mehr weiß ich nicht, bin aber etwas skeptisch, da die klassischen Nonnengeschichten in Hollywood ziemlich doof sind.
Ich erhoffe ein Farbspektakel wie in The Red Shoes und gehe sonst sehr unvoreingenommen in den Film. Es bleibt die Frage, ob ich Sister Act oder Gospelchöre bekomme, oder doch etwas ganz anderes.

Mittendrin

Es sind die Bilder, die mich fesseln. Die Geschichte leider keine Sekunde. Aber seht selbst.

Danach

Nun. Auf der positiven Seite stehen zwei Punkte. Zum einen gab es nicht die ausgelutschte Hollywoodgeschichte über Nonnen, die man sonst so kennt, sondern bekommt eine ziemlich außergewöhnliche aufgetischt, die in einem ungewohnten Kontext und dadurch mit ungewohnten Figuren spielt.
Eine Klosterschaft soll, geführt von einer sehr jungen Nonne, nach Indien in die Berge in einem alten Freudenhaus für medizinische und schulische Versorgung sorgen und haben dabei mit allerlei kulturellen und religiösen Differenzen zu kämpfen. Das ist zwar alles ganz nett und so, wusste mich aber nie wirklich zu fesseln. Dabei war die Geschichte und das Schauspiel der Beteiligten mindestens stimmig, wenn nicht sogar an Orten herausragend. Nur interessierte mich weder Entwicklung noch Ausgang der Erzählung geschweige denn die verlorene Liebe von Mutter Oberin, die sie zum Kloster brachte. Sehr schade.

Der zweite positive Punkt — und an dem fange ich nicht an herumzumäkeln — ist jeder visuelle Aspekt des Films. Wie erwähnt spielt die Schwarze Narzisse in den Himalajas. Gedreht wurde jedoch ausschließlich im Studio, was den ganzen Film vom technischen Aspekt ganz famos macht.

Andere Filmemacher fliegen an eine hübsche Location und nehmen ein paar establishing shots auf. Nicht so The Archers. Die lassen ganz tolle Bilder von Landschaften und sonstigen Örtlichkeiten malen und filmen diese ab, was so viel besser aussieht, als es sich anhört. Dazu kommen ähnlich tolle und knallige Farben wie es sie schon in The Red Shoes gegeben hat.

Es gibt da diese eine Kameraeinstellung bei Hitchcocks North by Northwest (1959) vom Dach des einen Hochhauses hinunter, in der der flüchtende Hauptdarsteller gefilmt wurde, die ja auch “nur” ein bemalter Canvas mit einem animierten Fleck ist (weil zu der Zeit keine Kamera so etwas aufnehmen konnte). Ich war bisher der Meinung, dass diese Einstellung bzw. Technik schon so eine unglaubliche Besonderheit war, aber dann stellen sich Powell und Pressburger 12 Jahre früher hin und machen das als kleine Fingerübung.

Also. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Black Narcissus — so wie The Red Shoes auch schon — ein visuelles Meisterwerk ist, bei dem mich die Geschichte ultimativ kalt lässt, auch wenn (aus heutigem Blickwinkel) die Nonnengeschichte noch immer unverbraucht ist. Filmgeschichtlich kommt man an The Archers kaum vorbei, auch wenn mich die erzählten Geschichten bisher sehr langweilten.

★★★✩✩

Links

Annikas Artikel zu dem Film findet ihr hier. Black Narcissus (England, 1947) Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger | Die Filme, die ich rief

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Matte Paintings des goldenen Kinozeitalters und den Künstlern dahinter. Ein Beispiel ist auch Black Narcissus. Matte Shot – a tribute to Golden Era special fx: The Painters’ Art – Mattes Up Close: part two

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