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Top 5 Filme - Juli 2013

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  1. What Maisie Knew (2012 – Scott McGehee, David Siegel) – Ein sechs-jähriges Mädchen steckt zwischen ihren geschiedenen Eltern, die sich um das Sorgerecht streiten und ihre Tochter dabei nur als “Wertgegenstand” sehen, mit dem sie den anderen aus der Reserve locken können. Dabei erfährt Maisie die notwendige Liebe von den jeweils neuen Partnern ihrer Eltern, die sich liebevoll um sie kümmern, während die Eltern keinen Kopf für sie haben.
    In einer herzzerbrechenden Performance bringt Onata Aprile die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation auf die Leinwand und auch die anderen vier (Julianne Moore, Steve Coogan, Alexander Skarsgård und Joanna Vanderham) müssen sich schauspielerisch nicht hinter der kleinen Maisie verstecken.
    Das Regiepaar Scott McGehee und David Siegel wechset mit sicherer Hand die warmen und fröhlichen Momente in Maisies Leben mit dem traurigsten und deprimierendsten ab, was man sich für ein Kind in dieser Situation nur vorstellen kann und bleibt in jeder Sekunde glaubwürdig.
    Ein ganz, ganz toller Film.

  2. De rouille et d’os (Der Geschmack von Rost und Knochen) (2012 – Jacques Audiard) – Eine junge Frau verliert bei einem Unfall ihre Beine und jegliche Freude am Leben, lernt einen alleinerziehenden Vater kennen, der ihr mit seinem Pragmatismus und der gegenseitigen Zuneigung Spaß am Leben und einen neuen Lebensinhalt gibt.
    Ich habe ein Melodrama á la Le scaphandre et le papillon erwartet, in der sich schwermütig mit einer furchtbaren Lebensgeschichte auseinander gesetzt wird. Zu meinem Überraschen stellte ich das genaue Gegenteil fest, denn unterschiedlicher könnten die Erzählweisen nicht sein. Rust and Bone lebt vom Pragmatismus der Freundschaft beider Protagonisten zueinander. Schaut sie elendig, in ihrem Rollstuhl sitzend, auf ihr geliebtes Meer, versucht er ihr nicht gut zuzureden, sondern wirft sie über ihre Schulter und trägt sie wortlos ins Meer, ohne dass sie sich wehren kann. Davon lebt deren Beziehung und der ganze Film, der leider am Ende doch noch in Melodram abrutscht (aber nur ganz kurz), aber dadurch nicht schlechter wird.

  3. Wag the Dog (1997 – Barry Levinson) – Die erste Hälfte des Filmes, über den Spin Doktor, der kurzerhand einen Krieg anzettelt, um einen Sex Skandal des US Präsidenten zu vertuschen, ist in meinen Augen absolut perfekt. Tolle Musik und Darsteller, tight geschrieben, urkomisch und das richtige Maß an Drama. Danach fällt er leider auseinander und wird ziemlich derivativ.

  4. Mud (2012 – Jeff Nichols) – Eine ganz tolle Coming of Age Geschichte um zwei Jungs und einen Flüchtling (Matthew McConaughey), dem sie dabei helfen, seine große Liebe zurück zu bekommen.
    Tolle Bilder, bessere Jungschauspieler, passende Lokalitäten und feine emotionale Momente.

  5. A Few Good Men (1992 – Rob Reiner) – Da ich gerade wieder viel Zeug von Aaron Sorkin schaue, musste sein Erstlingswerk mal wieder sein, in dem man auch schon viele seiner “Sorkinisms” findet. Ein Film, der zwar ganz schön cheesy, aber ungeheuer fesselnd ist.

Enttäuschungen

  • Only God Forgives (2013 – Nicolas Winding Refn) – Ein bildhübscher Film über Rache, der so sterbenslangweilig ist, wie schon lange nichts mehr. Klarer Fall von Style over Substance.

  • The Purge(2013 – James DeMonaco) – Es gibt da in der nahen Zukunft diesen einen Tag im Jahr, an dem alle freidrehen und morden dürfen, wie es ihnen passt. Das resultiert in einem Amerika, das kaum Arbeitslosigkeit und sonstige Kriminalität besitzt. An einem dieser Tage begleiten wir eine Familie, die sich in ihr Haus einsperrt und trotzdem Ziel einer wohlorganisierten Attacke wird.
    Ein einfallsloser Home-Invasion Film, in dem jeder Einzelne an jedem Entwicklungspunkt der Geschichte dumme Dinge tut, um sich weiter in die Misere zu reiten. Zudem wird der Film keine Sekunde lang der viel zu großen Prämisse gerecht, von der wir ausser ein paar Überwachungsbildern nichts sehen. Und der gesellschaftskritische Aspekt kommt dermaßen mit dem Vorschlaghammer daher, dass man weglaufen möchte. Ein Totalausfall.

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