<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Iron Man 3

| Comments

Fassen wir kurz das Marvel Filmuniversum um die Avengers zusammen. Die bisherigen sechs Filme waren sehr hit and miss. Iron Man, Thor und The Avengers waren prima und sehr unterhaltsam auf fast allen Leveln, The Incredible Hulk, Iron Man 2 und Captain America: The First Avenger irgendwo zwischen mittelschwerer Katastrophe und hirnloser, aber gut fotografierter Action.

Iron Man 3

Zuletzt sahen wir Tony Stark, wie er bei der Rettung New Yorks (in The Avengers) fast in einer anderen Dimension landete und ebenso knapp dem Tode entging. Dies macht Stark, der sich bisher zumindest in seiner Rüstung für unverwundbar hielt, schwer zu schaffen und so kämpft er im nun angelaufenen Iron Man 3 mit einer posttraumatische Belastungsstörung, was zunächst ein ganz interessanter Ausgangspunkt für einen Superheldenfilm sein könnte.

Leider bleiben seine Panikattacken und Schlafstörungen nicht viel mehr als eine Randnotiz aus der man viel mehr hätte machen können, als Stark in unwichtigen Situationen in Schnappatmung verfallen zu lassen. Der Film nimmt diesen Faden selbst überhaupt nicht ernst. Mal soll es ein wichtiger Charaktermoment sein, in der nächsten Situation ein Katalysator für einen Witz. Da sich Iron Man 3 selbst als Avengers-Sequel auffasst und diesen Konflikt als roten Faden für den Film benutzt, muss man ihn — zumindest von diesem Standpunkt aus — als gescheitert betrachten. Aber das ist ja nicht alles, was der Film zu bieten hat.

Zunächst haben wir zwei ganz vorzüglich gespielte Bösewichte, den Mandarin (Ben Kingsley) und Aldrich Killian (Guy Pearce), die irgendwie unter einer Decke stecken und mal gemeinsam, mal mit Eigeninteresse die Welt terrorisieren. Dies gipfelt, wie zu erwarten, in der einen oder anderen beeindruckenden Actionsequenz und vor allem — sehr erfrischend — auch mal ohne Starks Anzug.

Tony Stark ohne Anzug… My, oh my… Grundsätzlich mag ich es, wenn Superhelden ihre Superkraft oder ihren Gimmick verlieren, sie auf den Menschen reduziert werden und sich so mit ihrer Verletzlichkeit auseinander setzen müssen. Selten gelingt dies überzeugend und so ist es auch hier. Ständig reitet Stark darauf herum in erster Linie ein Mechaniker zu sein, der sich seine Tools auch zusammen improvisieren kann. So fühlt man sich an seine Gefangenschaft in Teil 1 erinnert, in der er sich aus Ersatzteilen einen Anzug baut. Hier macht er einen auf MacGyver und bastelt sich aus einem Wollhandschuh und einer Batterie einen Elektroschocker, den er genau einmal benutzen kann und setzt mit einem überpowerten Kartoffelgewehr ein paar Schergen außer Gefecht. Warum genau geht er nicht in den nächst besten Laden und besorgt sich einen richtigen Elektroschocker und ne Wumme? Das fühlt sich alles sehr herbei gezwungen an.

Auf die recht verworrene Geschichte möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da sie zum Einen unwichtig fürs Vergnügen und zum Anderen sind mir weite Teile einfach schleierhaft.

Trotzdem hat Shane Black hier ganze Arbeit geleistet. Seine Dialoge sind schnell, komisch und sehr passend für Iron Man und seine Widersacher und wie auch schon im ersten Teil und in The Avengers das beste am ganzen Film. Das immense Vertrauen, dass ihm nach nur einer Regiearbeit (Kiss Kiss Bang Bang) entgegen gebracht wurde, hat er in jedem Fall gut genutzt.

Wer Spaß daran findet solche Filme in allen Kleinigkeiten auseinander zu pflücken wird hier seine helle Freude haben. Lange daran aufhalten möchte ich mich nicht, aber ein paar Stichpunkte gebe ich schon.

  • warum genau kann Stark erst am Ende seine Anzüge herbei rufen, wenn er schon zu Beginn eine Nachricht auf seinem zentralen Server für Pepper Potts hinterlässt?
  • seit wann ist das wortlose Salutieren eine adäquate personelle Verifikation, wenn man die Air Force One betritt?
  • was genau ist Killians Plan/Motivation?
  • warum wird ein bereits bewährtes Mittel gegen die mit Extremis veränderten Bösewichte nicht bei allen anderen eingesetzt?
  • wie genau ist der kleine Junge dazu in der Lage bei der Reparatur des Anzugs zu helfen?
  • warum bringt Stark all die armen Kriegsveteranen um, wenn er doch Pepper im Handumdrehen heilen kann?
  • und warum zur Hölle wird Pepper Potts schon wieder so verschwendet?

Fazit

Iron Man 3 ist in jedem Fall wieder ein sehr unterhaltsamer Actionblockbuster mit einer gehörigen, aber passenden Portion Cheese, zwei grandiosen Bösewichten, spritzigen Dialogen und einer Story, die nicht weh tut. Zu tief sollte man aber auch hier nicht bohren, da man sonst mehr meckert, als freut und das muss bei einem solchen Film ja nicht sein.

Die 3D Variante sollte man sich hier jedoch auf jeden Fall sparen, denn die ist ganz fürchterlich. Fügt bis auf Dunkelheit nichts hinzu und hat mich persönlich sehr verärgert.

Ein sehr brauchbarer Film, um sich die Zeit zu vertreiben, aber nichts, was das Genre umkrempelt.

★★★✩✩

Die drei Teile im Vergleich:

▇▃▅

Trailer

Comments