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Sneak Peek: Spring Breakers

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(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

Inhalt

Die vier Freundinnen Faith (Selena Gomez), Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benson) and Cotty (Rachel Korine) träumen davon, ihre Semesterferien in Florida zu verbringen, dort, wo die wildesten “Spring Break”-Partys stattfinden. Doch dazu fehlt ihnen das nötige Kleingeld. Kurzerhand überfallen sie problemlos ein Diner und machen sich auf, hoffentlich die Zeit ihres Lebens zu verbringen.

Spring Breakers

Kurzkritik

Nicht viele Menschen können von sich behaupten, bereits mit 24 Jahren Fanpost von Regielegende Werner Herzog bekommen zu haben. Harmony Korine kann sich mit dieser Ehre schmücken und der eigenwillige Arthouse-Regisseur gehört mit Sicherheit zu den interessantesten und kreativsten Filmemachern seiner Generation. Mit Spring Breakers wagt er vermeintlich den Schritt in den Mainstream, doch entpuppt sich sein Film als alles andere als ein einfach gestrickter Unterhaltungsfilm und ist sicherlich nicht gerade massentauglich.

Oberflächlich erzählt er die recht dünne Geschichte von vier Studentinnen, die einfach nur Party machen wollen, doch aus Spaß wird Todernst, als sie nach Konflikten mit dem Gesetz vom Gangster/Rapper namens Alien aufgegriffen werden und in der Mitte eines Gangkrieges landen.

Darunter bietet er aber deutlich mehr Substanz, als ein solcher Film vermuten ließe. Einerseits zeigt er sich mit Aspekten der Selbstfindung und des Erwachsenenwerdens der Mädchen als ein krass verpackter Coming-of-Age-Film. Andererseits übt Korine Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und dekonstruiert den amerikanischen Traum, enthüllt ihn als die schmutzige Lüge die er ist, denn um ihn zu erreichen, muss man ihn sich erst von jemand anderem wegnehmen. Auch ein überraschender, feministischer Unterton ist in dem augenscheinlich zunächst eher sexistisch wirkenden Werk zu finden (wobei er trotz all der leichtbekleideten und oberkörperfreien Menschen erstaunlich prüde unterhalb der Gürtellinie ist). Diese Punkte werden jedoch nur angerissen und dem Zuschauer nicht aufs Auge gedrückt.

Vieles passiert unterschwellig. So werden mehrfach Dialogzeilen oder ganze Dialoge wiederholt, aber unter andere Bilder gelegt, wodurch mitunter ein völlig neuer Kontext entsteht. Nackte Haut, wilde Partys, Drogen und Gewalt auf der einen Seite, Gesellschaftskritik auf der anderen Seite, das ist schon ein unerwarteter und krasser Kontrast. Doch dann auch nur einer von vielen Gegensätzen im Film, die bereits bei der Besetzung der vier Hauptfiguren mit den ehemals so braven Mädchen des Disney Channels und dem herrlich bizarr-genial gegen den Strich spielenden James Franco als Gangster/ Rapper losgehen und nicht zuletzt bei dem besten Einsatz eines Britney Spears Songs in der Filmgeschichte enden.

Erst durch diese Eigenwilligkeiten von Korines brillanter Inszenierung wird der Film richtig großartig. Er zeigt hier keine schmuddeligen, billigen Girls gone wild-Bilder, sondern suhlt sich in einer perfekt komponierten Ästhetik die in knalligen Neon-Farben getränkt ist. Bei diesem Bilderrausch kann und muss man von Filmkunst sprechen. Spring Breaksers ist ein sehr kreativer, innovativer, absolut ungewöhnlicher, unkonventioneller und vor allem ungezügelter Film, der demjenigen, der sich darauf einlassen kann, eine Menge zu bieten hat. Nicht umsonst lief er 2012 im Wettbewerb um den goldenen Löwen von Venedig.

(PS: Ganz anderes gilt für die deutsche Synchronisation, die einerseits so schlecht und aufgesetzt eingesprochen wurde, dass sie den ganzen Film ins Lächerliche zieht und andererseits geradezu stümperhaft übersetzt wurde. Wenn chicks – allgemein als ein Begriff für hübsche junge Frauen bekannt – doch tatsächlich mit kleine Hühnchen übersetzt wird, muss die Frage gestattet sein, welcher Praktikant hier eigentlich für die Übersetzung zuständig war.)

Punkte: 9 von 10
Kinostart: 21.03.2013

Trailer

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