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Sneak Peek: Identity Thief (Voll Abgezockt)

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(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

Inhalt

Sandy Patterson (Jason Bateman) bekommt einen Anruf von einer Frau, die vorgibt für einen Identitätsschutzservice zu arbeiten. Bereitwillig gibt er seine persönlichen Daten durch, nichtsahnend, dass gerade genau das passiert, was er eigentlich vermeiden wollte: seine Identität wird gestohlen, denn die Person am anderen Ende ist die notorische Identitätsdiebin Diana (Melissa McCarthy). Während sie sich in Florida daran macht, Sandy’s Kreditkarten zum Limit zu treiben, bekommt dieser zuhause dank ihrer Aktivitäten mächtig Probleme, sowohl mit seinem Boss als auch mit dem Gesetz. Sandy beschließt kurzerhand nach Florida zu fahren um Diana einzufangen und nach Hause zu bringen, damit sie die Sache aufklärt und zumindest seinen Job rettet. Leichter gesagt als getan…

Identity Thief

Kurzkritik

Die Grundhandlung von Voll abgezockt ist ja schon reichlich dünn. Umso erstaunlicher ist es, dass der Film eine Laufzeit von satten 110 Minuten aufweist. Darin liegt eines der größten Probleme, sucht Drehbuchautor Craig Mazin doch laufend nach neuen Hindernissen um den Road Trip der beiden Hauptfiguren künstlich in die Länge zu ziehen. Teils sind diese Behinderungen auch richtig faul und fadenscheinig. Der Grund, warum die Polizei nicht helfen kann ist ebenso unglaubwürdig wie der, warum die beiden nicht einfach gemeinsam in ein Flugzeug steigen können. Man begründet dies mit dem Vorwand, dass sie ja schlecht zu zweit unter dem gleichen Namen einchecken können. Warum also nicht einfach eine der 1000 anderen Identitäten nutzen, die Diana geklaut hat? Das wäre ja zu einfach. Also lässt man sie eben mit dem Auto fahren, da kann man ihnen immerhin noch zwei Gangster auf den Hals jagen und weil das noch nicht genug ist, bringen wir auch noch einen Kopfgeldjäger ins Spiel. Mindestens eine dieser beiden Parteien hätte man ersatzlos streichen und den Film vielleicht so auf knackige 90 Minuten kürzen können. Das hätte wahrlich gereicht, schließlich präsentiert sich auch der Rest als weitgehend lahmes Roadmovie, in dem nur sehr wenige Witze zünden können (am besten ist wohl noch der gelungene Running Gag des Adamsapfel-Sucker-Punches von Diana).

Den beiden Hauptdarstellern kann man wenig vorwerfen, auch wenn sie in diesem lahmen Vehikel wahrlich verschwendet sind. Jason Bateman und Melissa McCarthy gehören zu Recht zu den großen Aufsteigern von Hollywoods Comedy-Szene und bemühen sich redlich, aus dem schwachen Material das bestmögliche herauszuholen. Immerhin hatte ihr komödiantisches Talent McCarthy eine Oscar-Nominierung für Bridesmaids (Brautalarm) eingebracht. Doch gerade sie hat es nicht leicht, ihre Figur, die zunächst ja der klare Gegenspieler ist, sympathisch werden zu lassen, bis hin dazu, im letzten Teil auch noch Mitleid erregen zu müssen. Denn Voll abgezockt hätte zunächst einmal seine eigenen Identitätsprobleme lösen sollen, bevor er sich denen der Protagonisten widmet.

Mischungen aus Komödie und Drama gibt es zuhauf, häufig funktioniert das auch gut, im vorliegenden Fall ist der Film erst Komödie, plötzlich Drama, das wirkt fast schon schizophren. Über 90 Minuten hinweg versucht er eine ganz normale, wenn auch sehr seichte Komödie voller Slapstick-Humor zu sein, bis er dann kurz vor Ende eine Kehrtwendung vollzieht und noch schnell als halbgares Drama die Identitätskrise von Diana nachschiebt. Nach dem ohnehin schon unnötig in die Länge gezogenen ersten Teil nimmt dies dem Film das letzte bisschen Luft und lässt den Zuschauer das Ende herbeisehnen. Genug Geld hat der Film in den USA längst eingespielt, sodass eine Fortsetzung bereits auf dem Weg ist. Bitte, bitte nicht!

Punkte: 4 von 10
Kinostart: 28.03.2013

Trailer

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