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Sneak Peek: Hänsel & Gretel: Hexenjäger

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(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

Inhalt

Wer sich fragt, was aus Hänsel und Gretel wurde, nachdem sie als Kinder die Hexe in ihrem Knusperhäuschen verbrannt hatten, erhält in “Hänsel & Gretel: Hexenjäger” die Antwort: sie wurden Profis. Die beiden verschlägt es nach Augsburg, wo bereits mehrere Kinder von der Oberhexe Muriel (Famke Janssen) entführt wurden. Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) ziehen los um die Kinder zu retten und den Hexen die Hölle heiß zu machen.

Kurzkritik

Hänsel & Gretel: Hexenjäger reiht sich ein in den Hollywood aktuell beherrschenden Trend, alte Märchen auszugraben und gewaltig zu modernisieren. Im Kino waren eine moderne Adaption von Rotkäppchen (Red Riding Hood) und gleich zwei neue Versionen von Schneewittchen (Spieglein, Spieglein und Snow White and the Huntsman) zu sehen, während im TV Once Upon a Time und Grimm die Märchenwelt neu interpretieren.

Gerade die Kinoadaptionen funktionierten meist eher schlecht als recht, sodass die Frage gestattet sein muss, warum es jemand für eine gute Idee hielt, 50 Millionen Dollar in eine Splatter-Version von Hänsel & Gretel zu investieren. Die Antwort lautet wohl: Tommy Wirkola. Genre-Liebhabern ist der Regisseur und Drehbuchautor längst ein Begriff, seit er 2009 im großartigen Splatterfest Dead Snow Nazi-Zombies auf die Menschheit losließ. In seinem Hollywood-Debut geht es nun zwar ein wenig zahmer zu, aber dennoch macht seine Neuinterpretation des Grimm-Klassikers unerwartet viel Spaß. Dafür verantwortlich ist weniger eine beeindruckende neue Handlung. Die ist, abgesehen von der tollen Grundidee, nicht die allerkreativste, auch wenn sie gegen Ende eine ungewöhnliche und erfrischende Wendung nimmt. Wirkola versucht zwar, mit einigen Wendungen und Enthüllungen für Abwechslung zu sorgen, doch leider streut er die Brotkrumen, die darauf hinweisen, viel zu früh und offensichtlich, sodass man sie meist schon allzu bald kommen sieht. Aber letztlich braucht der Film doch sowieso nur einen Vorwand um kreativ Hexen zur Strecke zu bringen.

So gesehen ist die Handlung mehr als ausreichend. Außerdem spickt Wirkola sie mit jeder Menge toller kleiner und größerer Ideen, sei es nun das Handicap von Hänsel, das zwar eigentlich naheliegend aber trotzdem ungemein witzig ist, oder die vielen Variationen von Hexen, beispielsweise eine siamesische Hexe. Hier kann der Film mächtig Pluspunkte sammeln, auch der Sympathieträger Eduard, der recht spät zum Geschehen hinzustößt, sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, auch wenn er hier aus Spoiler-Gründen nicht näher beschrieben werden soll.

Auch das sehr gelungene Produktionsdesign und die schönen Kulissen der deutschen Wälder werten den Film merklich auf. Jeremy Renner als Hänsel und Gemma Arterton als Gretel machen ihre Sache gut und hauen die zweckmäßigen Dialoge und coolen Oneliner in genau dem richtigen Ton raus. Sie hatten sichtlich ihren Spaß und nehmen sich selbst nicht allzu ernst, wie offenbar alle Beteiligten, die genau wussten, auf was für einen abstrusen Spaß sie sich hier einließen. Famke Janssen als Oberhexe Muriel wirkt mächtig überzogen und comichaft, ebenso wie die anderen Hexen auch. Sie stellen eigentlich eher Karikaturen da, aber das muss wohl so sein und da sie böse sind dürfen sie auch nervig sein. Dann macht es umso mehr Spaß, wenn sie auf eine der vielen kreativen Weisen ihr blutiges Ende finden. Hänsel & Gretel: Hexenjäger ist strunzdoof und irrwitzig, sich dessen aber völlig bewusst. Ein trashiger Splatterspaß und Freunden des Genres uneingeschränkt zu empfehlen.

Punkte: 7 von 10
Kinostart: 28.02.2013

Trailer

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