<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Zero Dark Thirty

| Comments

Wenn ich mir Kathryn Bigelows regietechnisches Schaffen so anschaue, merke ich zum einen, dass ich zu wenig von ihr kenne und zum anderen, dass mir das Bekannte unheimlich gut gefällt. Hier wird Nachholarbeit stattfinden müssen, vor allem was ihre Fernseharbeit betrifft. Homicide: Life on the Street steht neben Wild Palms eh auf meinem langfristigen Plan und so kann ich diesen beiden Serien eine weitere Vorfreude an die Seite stellen.

Bigelows jüngster Streich Zero Dark Thirty begleitet die CIA Agentin Maya (Jessica Chastain) bei ihrer acht Jahre langen Jagd nach Osama Bin Laden und fängt diese in unterschiedlichen Situationen, Schauplätzen und Frustrationslevels mit teils großen zeitlichen Sprüngen ein.

Maya wohnt Verhören bei und führt einige, wird Zeugin von Folterungen, betreibt analytische sowie Überwachungsarbeit, muss sich einige Male die Weiterführung ihrer Ermittlungen erstreiten und verbringt unzählige Tage damit zu warten.

Als wir die Protagonistin kennenlernen, hat sie zwar eine gewisse Reputation (wahrscheinlich wegen hervorragender Analystenarbeit), ist jedoch noch etwas grün hinter den Ohren, was uns bei der den Film eröffnenden Folterszene subtil mitgeteilt wird. Ihre Unsicherheit mit einer solchen Situation umzugehen schwindet über den Verlauf des Filmes mit ihrer Erfahrung und Verbissenheit, bis sie selbst zu diesem Mittel greift, um vielleicht doch eine Information aus einem Terroristen herauszufoltern.

Ich möchte hier gar nicht so sehr auf der Folterung von Gefangenen herumreiten, geht es darum doch nur zweitrangig. Es ist nur ein sehr guter Indikator für Mayas Entwicklung und das Maß an Verzweiflung dieser jahrelangen Arbeit und Aufopferung einen Abschluss und so einen Sinn zu geben.

Komischerweise wird Zero Dark Thirty vorgeworfen, Folter zu verherrlichen, wenn doch genau das Gegenteil der Fall ist. Klar bekommt sie am Ende eine Information — durch Folter — die zu Bin Ladens Fund führt, doch befand sich diese Information längst in den Datenbanken der CIA, wurde nur nicht beachtet. Weiterhin wird auch im Film offen die Frage gestellt, was Folter tatsächlich bringt, denn in einer solchen Situation erzählt der Gefangene im Zweifel nur das, was die andere Seite hören will oder gibt Fehlinformationen, nur damit es aufhört.
Es gibt eine einzige Situation, in der Folterung tatsächlich zu einer wichtigen Information führt, half aber nicht bei der Verhinderung diverser Anschläge und man muss sich die Frage stallen, ob der Zweck tatsächlich alle Mittel heiligt, oder uns zu den gleichen Monstern macht, die wir versuchen zu bekämpfen. All diese Fragen wirft der Film auf und muss sich daher in meinen Augen eine solche Anschuldigung gefallen lassen.

Zero Dark Thirty ist mit sicherer Hand an der Kamera, Schere und Feder inszeniert, nimmt uns auf eine packende Reise rund um den Globus und lässt uns intelligenten und sich aufopfernden Menschen bei der Arbeit zuschauen.
Wäre der Film nicht so spannend und gut erzählt, hätten mich sicherlich die eindimensionalen Figuren gestört. Man weiß nichts über auch nur einen der Charaktere, was über seinen aktuellen Job hinausgehen würde. Was motiviert Maya, wo kommt sie her, wie ist ihre Geschichte? All das sind Fragen, die ich mir immer wieder stellte und nie beantwortet bekam.
Relativ gut passend dazu ist das Gefühl, mit dem uns Kathryn Bigelow und Jessica Chastains leerer, erschöpfter Blick in die Credis entlassen.

And now what?!?

★★★★✩

Trailer

Comments