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The Corner

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Ich bin ja ein großer Fan von David Simon und seiner Art Geschichten zu erzählen. The Wire ist wohl auf Platz eins meiner liebsten Serien und alles andere aus seiner Feder, wie Treme oder Generation Kill würde ich auch sehr weiß oben einsortieren. Daher liegt es nahe The Wire’s geistigen Vater — The Corner — genauer zu betrachten.

1993 nahm sich David Simon eine Auszeit bei der Baltimore Sun und beobachtete zusammen mit dem früheren Detective der Mordkommission in Baltimore Ed Burns eine Straßenecke in Baltimore für insgesamt 3 Jahre.
1997 erschien dann diese Reportage als über 500 Seiten starkes Werk unter dem Namen The Corner: A Year in the Life of an Inner-City Neighborhood.

Dieses Buch adaptierte Simon zusammen mit Davis Mills im Jahre 2000 für den Sender HBO als sechsteilige Miniserie mit dem Namen The Corner.

Plot

The Corner erzählt die Geschichte einer in Armut lebenden Familie mitten in einem offenen Drogenmarkt, der den Tag und das Leben der Menschen an dieser Kreuzung vollkommen bestimmt. Sie sind entweder Dealer oder Junkies, Straßenkinder oder soziales Auffangbecken, Arbeitgeber oder Gelegenheitsarbeiter bzw. Kleinkriminelle, um sich das Geld für den täglichen Schuss zu verdienen.

Die Familie im Zentrum der Serie besteht aus dem geschiedenen Ehepaar Fran (Khandi Alexander – Treme) und Gary (T.K. Carter) und ihrem Sohn DeAndre (Sean Nelson). Das ehemals wohl situierte Ehepaar rutschte irgendwann in Drogenkonsum ab, verlor alles und trennte sich, um alleine auf die Beine zu kommen und dem Sohn ein halbwegs stabiles Umfeld zu bieten, aber die Verlockungen um schnelles Geld und Drogen sind groß.

Kritik

Wo The Wire viele parallele Storylines hatte — der Kampf der Polizei gegen die Drogen, politische Verstrickungen, Behandlung des Schulsystems, das Tagesgeschäft der Baltimore Sun, den Drogenhandel von der Straßenecke bis zur organisierten Kriminalität und das Leben der Junkies — so konzentriert sich The Corner auf den Drogenhandel auf der Straße und vielmehr, was das mit der Community und den Menschen dort anstellt.

Beeindruckend ist der tägliche Kampf der Junkies ein Paar Dollar für ihre tägliche Dosis zusammen zu kratzen. Ein paar versuchen es mit ehrlicher Arbeit, weitere mit kleinen Tricks, andere mit Diebstahl.
Während wir den Menschen an The Corner bei ihrem stetigen Verfall zuschauen, versuchen andere ihr Leben wieder auf die rechte Bahn zu lenken, um durch ihre Freunde und die gesamte Umgebung herzerreißend wieder in den Sumpf zurückgezogen zu werden.

Die sechs Episoden zeichnen ein klares Bild über die Hoffnungslosigkeit des Lebens in einem solchen Umfeld, wie wenig Chancen es auf Veränderung gibt, dass man viel Glück haben muss, um dort nicht zu Grunde zu gehen und wie sehr das Leben dort ein sich stetig wiederholender Kreislauf ist.

So gut, wie ich mich von dieser fantastisch erzählten Geschichte unterhalten fühlte, so deprimierend war diese. The Corner ist sicherlich roher, ungeschliffener und aufgrund des kleineren Themenspektrums (und kurzer Laufzeit) selbstverständlich nicht so reichhaltig wie The Wire, aber das kann man dieser Miniserie sicherlich nicht vorwerfen. Im Gegenteil. Wir sehen hier, wie David Simon seinen Stil und die Art Geschichten zu erzählen entwickelt, er gewisse Schauspieler lieben lernt und in seinen späteren Projekten einsetzen wird und wo genau ein großer Teil der Geschichte zu seinem Meisterwerk eigentlich herkommt.

Man darf nicht erwarten an die Hand genommen zu werden und es gibt auch kein tröstendes “alles wird gut”, aber für Fans seines Stils ist dieses Kleinod sicher unumgänglich und verdient unbedingt geschaut zu werden.

★★★★✩

Trailer

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