<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Sneak Peek: Zero Dark Thirty

| Comments

Inhalt

Zero Dark Thirty verarbeitet die 10 Jahre dauernde Jagd nach Osama bin Laden vom Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 bis hin zu seiner Tötung durch ein Navy S.E.A.L. Team 6 am 02. Mai 2011.

Kurzkritik

Im Jahr 2010 gewann das Irak-Kriegsdrama Tödliches Kommando – The Hurt Locker 6 Oscars und Kathryn Bigelow wurde als erste Frau in der Geschichte der Preisverleihung für die beste Regie ausgezeichnet. Der Nachfolger Zero Dark Thirty vereint Bigelow wieder mit dem ebenfalls Oscar-prämierten Drehbuchautor Mark Boal und gemeinsam haben sie erneut einen nahezu perfekten Film geschaffen.

Im Zentrum steht CIA-Beamtin Maya (Jessica Chastain), die zu Beginn des Filmes auch noch am Anfang ihrer Karriere steht, aber schon bald eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen bei der Suche nach Osama bin Laden wird und sich mit unglaublicher Hartnäckigkeit nicht nur gegen vermeintliche Terroristen sondern mitunter auch ihre eigenen Vorgesetzten kämpft um ihr Ziel zu erreichen. Eine starke Figur, einzig die Jagd nach Osama irgendwann zumindest teilweise zu ihrem persönlichen Rachefeldzug zu machen war vielleicht etwas unnötig.

Jessica Chastain spielt diese Frau, die ungefähr alles verkörpert, das Osama bin Laden hasste, mit Bravour und sollte den Oscar für ihre Leistung bereits so gut wie sicher haben. Dies hat sie durchaus auch Bigelows hervorragender Personenregie zu verdanken. Sieht man Zero Dark Thirty ist es absolut unverständlich, warum sie nicht erneut für den Regie-Oscar nominiert wurde. Obwohl man zwei Stunden lang in realistischer und sehr detailverliebter Darstellung die akribische CIA-Arbeit verfolgt, diese mühsame Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, wird der Film niemals langweilig oder gar langatmig und auch der Wechsel zum Finale, in dem kaum noch Worte sondern mehr Schüsse fallen, meistert Bigelow hervorragend und ohne Bruch. Gerade das Ende ist absolute Perfektion, auch in rein technischer Hinsicht.

Obgleich man als Zuschauer genau weiß, wie die Geschichte enden wird, vermag es Bigelow in dieser letzten halben Stunde, die nahezu in Echtzeit gedreht wurde, eine unheimliche Spannung zu erzeugen. Der größte Pluspunkt der amerikanischen Produktion ist, dass sie völlig frei von sonst gerne übertriebenem Patriotismus, Heroismus und Pathos ist. Der Jubel des Einsatzteams am Ende hält sich in Grenzen und auf Mayas Gesicht ist kein triumphaler Ausdruck zu sehen, sondern lediglich Erleichterung und Erschöpfung.

Der Film ist realistisch, aber niemals wertend, fast schon kühl stellt er schlicht eine dramatisierte Version der tatsächlichen Ereignisse dar. Dies wird vor allem in den Folterszenen deutlich, die zu Beginn des Filmes in keinster Weise beschönigt dargestellt werden. Der Skandal, den die Entscheidung so etwas zu zeigen, ausgelöst hat, ist kaum nachvollziehbar. “Erweiterte Vernehmungsmethoden” wurden schließlich nachweislich eingesetzt, also dürfen sie auch im Film vorkommen, abgesehen davon dass die gezeigten Szenen vermutlich deutlich harmloser sind als das was in der Realität geschah. Viel wichtiger ist jedoch, dass diese Methoden nie als gerechtfertigt oder gar nötig dargestellt werden (noch werden sie abgelehnt). Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass im Film nicht eine einzige wertvolle Information aufgrund von Folter gewonnen wurde. Letztlich überlassen es Bigelow und Boal dem Zuschauer, über das Geschehene zu urteilen. Das Publikum zu einer solchen Auseinandersetzung zu ermutigen ist besser als jede eigene Wertung oder Kritik die sie in den Film hätten einbauen können. Unabhängig von historischer oder politischer Korrektheit funktioniert Zero Dark Thirty aber auch hervorragend als reiner Unterhaltungsfilm und als ein herausragender Vertreter des Spionagethrillers.

Punkte: 9 von 10

Kinostart: 31.01.2013

(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

Comments