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Sneak Peek: Renoir

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Inhalt

Im Jahr 1915 an der Côte dAzur, wo der Maler Pierre-Auguste Renoir seinen Lebensabend verbringt, taucht eines Tages die junge Schönheit Andrée Heuschling auf dem Anwesen auf. Sie will als Modell für Renoir arbeiten. Dieser wird von dem Tod seiner Frau und einem Rheuma-Leiden gequält und muss außerdem um seine Söhne Pierre und Jean bangen, die im Kriegsdienst stehen. Doch Andrée beflügelt ihn zu neuem kreativen Schaffen und als Jean verwundet aus dem Krieg heimkehrt verfällt auch der spätere Filmemacher dem Charme der letzten Muse seines Vaters…

Kurzkritik

Renoir hätte zweifelsfrei ein wirklich interessanter Film werden können. Schließlich hat man gleich mehrere Berühmtheiten, die man behandeln könnte. Der titelgebende Pierre-Auguste Renoir war einer der bedeutendsten Maler des Impressionismus, sein Sohn Jean Renoir wurde einer der berühmtesten französischen Regisseure seiner Zeit und sein Film “Die große Illusion” wird von Kritikern und Filmliebhabern zugleich häufig als einer der besten Filme überhaupt genannt. Und dann wäre da noch Andrée Heßling, die später unter dem Künsternamen Catherine Heßling eine bekannte Schauspielerin wurde und mit ihrem Mann Jean erfolgreich Filme drehte. Doch darüber erfährt man in Renoir gar nichts.

Eine wirkliche Handlung lässt der Film leider vermissen. Er portraitiert weder den Maler noch den Regisseur Renoir, am ehesten noch Andrée, die Muse des Malers und spätere Frau des Regisseurs. Den Maler Renoir zeigt der Film nur in seinen späten Jahren, als seine große Schaffensphase bereits vorüber war, warum er so bedeutend war oder wer der Mensch Renoir überhaupt war, darüber erfährt der Zuschauer reichlich wenig. Der Regisseur Jean Renoir wird auf der anderen Seite in seinen frühen Jahren gezeigt, lange bevor er an das Filmemachen dachte, dies wird lediglich angedeutet. Der Film versagt also auf ganzer Linie, einen interessanten Abschnitt im Leben eines Mitgliedes der Renoir-Familie zu beleuchten. Stattdessen verkommt er mit zunehmender Laufzeit zu einer lahmen Romanze, der jegliches echtes Drama vermissen lässt.

In dem Film, dem sonst jeglicher Fokus fehlt, steht letztlich Andrée im Mittelpunkt, doch wirkt ihre Figur im Lauf des Filmes zunehmend unsympathisch, egoistisch und kalt kalkulierend. Da kann sie sich noch so oft in ihrer ganzen Schönheit präsentieren. Es sind allenfalls die schönen Aufnahmen, in denen der Film belanglos dahinschwelgt sowie die recht anständigen Darstellerleistungen die man positiv hervorheben kann.

Wer war Renoir? Sei es nun der Maler Pierre-Auguste oder der Filmemacher Jean – wer vor dem Film nicht viel über die beiden wusste, ist hinterher leider auch kein Stück schlauer. Wie sagte der ältere Bruder Pierre kurz vor Ende des Filmes? “Das Filmgeschäft ist nichts für uns Franzosen.” Auch wenn dies sicher nicht allgemein gültig ist, auf die Macher dieses völlig belanglosen Portraits, wenn man es denn so nennen mag, ist die Aussage leider zutreffend.

Punkte: 3 von 10

Kinostart: 07.02.2013

Trailer

(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

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