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Sneak Peek: Der Geschmack Von Rost Und Knochen (Rust and Bone)

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Inhalt

Aus Geldmangel zieht der Alleinerziehende Ali (Matthias Schoenaerts) wieder bei seiner Schwester ein. Er braucht dringend einen Job und schon bald bekommt er eine Anstellung als Türsteher eines Nachtclubs. Als er dort eines Abends eine Schlägerei auflöst lernt er die Wal-Dompteurin Stéphanie (Marion Cotillard) kennen, die wenig später bei einem Arbeitsunfall beide Beine verliert. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich hilfesuchend an Ali und die beiden formen eine ungewöhnliche Partnerschaft mit dem gemeinsamen Ziel, ihre Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken.

Kurzkritik

Zwei kaputte, vom Leben gestrafte Menschen, die sich gegenseitig wieder aufrichten und zu neuem Lebensmut verhelfen. Nicht gerade das neueste Szenario der Filmgeschichte, doch eines, das immer wieder punkten kann. So auch im Fall von Der Geschmack von Rost und Knochen.

Inhaltlich bestehen die besten Voraussetzungen für ein klischeebeladenes, melodramatisches Desaster, doch die Macher vermögen es, das genaue Gegenteil zu präsentieren. Einen ehrlichen, realistischen Film, der nichts beschönigt oder romantisiert. Zwar entwickeln sich in der ungewöhnlichen Beziehung von Stépahnie und Ari, diese beiden so gegensätzlichen Charaktere, die sich im wahren Leben sonst wohl nie treffen würden, aber von noch ungewöhnlicheren Umständen zusammen geworfen werden, im Lauf des Filmes natürlich Gefühle, doch diese Liebesgeschichte drängt sich glücklicherweise nie in den Vordergrund. Dass sich diese so gegensätzlichen Figuren wirklich finden sollten, erscheint zunächst sehr an den Haaren herbei gezogen, doch eigentlich ist es völlig logisch, dass Stéphanie sich zu jemandem wie Ari hingezogen fühlen würde. Er ist die Kämpfernatur, die sie jetzt braucht um auch den Kampf um ihr Leben zu meistern. Auch da er sie eben nicht wie alle anderen nur mitleidig ansieht, sondern der Situation ganz pragmatisch begegnet.

Regisseur Jacques Audiard, der für seinen letzten Film Ein Prophet einige Preise abräumen durfte und sogar eine Oscar-Nominierung bekam, inszeniert sein neues Werk mit großem Geschick, mit Hilfe von intimen Nahaufnahmen sehr einfühlsam und findet in all der inhaltlichen Hässlichkeit der Schicksale auch immer wieder atemberaubend schöne Bilder. Vor allem aber vermag er es, seine Schauspieler und deren Figuren hervorragend zu führen. Marion Cotillard ist die Seele des Filmes, die es vermag, dass der Zuschauer zwar mit ihr fühlt, ohne jedoch auf Mitleid zu schinden. Ihre gefühlsbetonte Darstellung der Stéphanie ist überzeugend, nuanciert und wirkt realistisch. Sie vermag es mit unglaublicher Leichtigkeit, wahrhaft mit einem Blick mehr zu sagen als 1000 Worte. Diese Leistung gehört zu den besten, die man in letzter Zeit im Kino sehen durfte und eine erneute Oscar-Nominierung sollte ihr eigentlich schon sicher sein.

Doch auch Matthias Schoenaerts als Ari steht ihr in nichts nach und liefert eine sehr überzeugende, wenn auch deutlich physischere Leistung ab. Obwohl seine Figur zunächst eher als Arschloch daher kommt, vermag er es im Lauf der Zeit die Sympathie der Zuschauer für sich zu gewinnen. Allerdings ist es die Geschichte Stéphanies, welche eigentlich die interessantere ist, doch Ari wird trotz des Versuchs, beide Schicksale gleichermaßen zu behandeln, in den Mittelpunkt gesetzt. Das ist vor allem am Ende ein wenig ärgerlich, da man bei dem sowieso etwas zu fröhlichen und erzwungen wirkenden Abschluss das Gefühl hat, es fehle etwas um Stéphanies Geschichte befriedigend zu beenden. Unterm Strich ist Der Geschmack von Rost und Knochen ein gutes Drama, an dem nur wenig auszusetzen ist und das vor allem von guter Regie und herausragenden Darstellern getragen wird. Unbedingt sehenswert.

Punkte: 8 von 10

Kinostart: 10.01.2013

Trailer

(Christoph ist Gastautor und schreibt hier Kritiken zu Filmen, die er in der Sneak Preview gesehen hat.)

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