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Django Unchained

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Nachdem Quentin Tarantino mit Inglourious Basterds einen fantastischen Western/Revengefilm drehte, in dem zum Teil 10-15 minütige, in Perfektion durchchoreografierte Dialoge den Platz von Actionszenen einnehmen, begibt er sich nun in vollkommen in die Welt des Spaghettiwesterns.

Plot

Es ist um 1860, als Dr. King Schultz (Christoph Waltz), seines Zeichens als Zahnarzt getarnter Kopfgeldjäger, den Sklaven Django (Jamie Foxx) befreit, um mit seiner Hilfe drei Brüder zu finden, auf denen ein hohes Kopfgeld ausgesetzt wurde. Da die beiden prima zusammenarbeiten und sich auch sonst gut leiden können, bestreiten sie viele Abenteuer gemeinsam, bis sie schließlich mit einem ausgeklügelten Plan versuchen Djangos Frau Broomhilda (Kerry Washington) aus den Fängen des skrupellosen Plantagenbesitzer Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) zu befreien.

Kritik

Wenn es eines gibt, was man Quentin Tarantino nicht vorwerfen kann, dann ist das ein fehlendes Wissen über das Genre, dass er mit jedem neuen Film attackiert. Django Unchained strotzt nur so von Zitaten, Anspielungen und Hommages an dieses — leider ein wenig in Vergessenheit geratene — Genre. Tarantino bedient viele klassische Westerntropes und stellt einige auf den Kopf und hält den Film so immer interessant und modern.

Wie immer beweist Tarantino eine sichere Hand in der Besetzung seiner Figuren und castet auch hier neben bekannten Gesichtern einige tolle Seriendarsteller und schon fast ausgemusterte Altstars, die man schon länger nicht mehr auf der Leinwand sah.
Etwas enttäuscht hat mich, dass Tarantinos Wunschbesetzung des Djangos (Will Smith) nicht den Arsch in der Hose hatte, einen Film zu machen, der ein gewisses Risiko für seine glattgebügelte Hollywoodkarriere dargestellt hätte. Er hätte in der Rolle sicherlich noch viel besser funktioniert.

Besonders positiv erwähnen möchte ich DiCaprio, der den charmanten, aber bitterbösen Plantagenbesitzer Candie mimt und seinen Haussklaven Stephen (Samuel L. Jackson), die beide sichtlichen Spaß an ihren Rollen und vor allem ihren Dialogzeilen zu haben scheinen.

Ziemlich langweilig fand ich Christoph Waltz’ Performance, der im Wesentlichen den Hans Landa mit einem guten Herzen spielt und leider auch so geschrieben wurde. Wortwahl, Intonation, sprachliche Besonderheiten und kulturelle Beflissenheit sind eine Blaupause seiner Figur aus Inglourious Basterds genau wie die Szene, in der er einen Sprachwechsel als Waffe benutzt wird (nur dass es hier im Gegensatz zu Basterds defensiv eingesetzt wird), womit die Probleme von Django Unchained beginnen.

Meiner Meinung nach liegt ein Vergleich zu Inglourious Basterds am nächsten, so ist dieser zunächst am frischesten in meinem Gedächtnis, ist aber vor allem eine Aneinanderreihung von langen, wenig zusammenhängenden Setpieces und fast so dialoglastig wie dieser. Hat man einen strukturell so ähnlichen Film als direkten Vergleich vorliegen und ist dieser zudem ein Meisterwerk, so fallen die Unzulänglichkeiten gleich doppelt so stark auf.

Fast jede Szene ist gefühlt drei Minuten zu lang und verliert so die nötige Spannung, ihren Fokus, den Punch. Ebenso sind die Dialoge nicht ausreichend durchgeplant und in Szene gesetzt, so dass jede Szene mehr vor sich hin plänkelt, als mich am Kinosessel festkrallen zu lassen.

Insgesamt schweift Tarantino viel zu sehr aus. Der Film ist 45-60 Minuten zu lang, die zweite Hälfte des dritten Akts hätte man einfach wegschneiden können (und müssen!). Die Freiheit, die er mittlerweile genießt tut seinen Filmen nicht gut. Er bräuchte ein Studio oder einen Produzenten, der ihm sagt “100 Minuten und keine Minute länger!”. Unter Restriktionen hat er immer besser gearbeitet. Dazu ist Tarantino zu sehr Spielkind, dass alle Referenzen und Genretropes, von denen er jahrelang träumte, in seinen Filmen untergebracht werden müssen.

Ich möchte jedoch nicht unter den Tisch fallen lassen, wie wahnwitzig witzig der Film ist. Gerade der Gastauftritt von Don Johnson, das Schauspiel Jacksons und die Ku Klux Klan Sequenz sind pures Comedygold.

Selbstverständlich ist Django Unchained ein sehr unterhaltsamer Film, der mindestens jedem Fan des Regisseurs einen Heidenspaß machen wird. Gemessen am direkten Vorgänger ist er nur lange nicht so gut.

★★★★✩

Trailer

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