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Marathon Man

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Ich hatte das Glück im Rahmen einer #twitterfilmclub Hausaufgabe einen Film meiner List of Shame sehen zu “müssen”. Über den Marathon Mann wusste ich neben dem Hauptdarsteller gar nichts. Weder groben Plot, noch Genre.

Marathon Man

Marathon Man (1976) ist ein problematischer Film. Der Plot um den im südamerikanischen Exil lebenden Nazi Kriegsverbrecher, der seinen im Krieg angehäuften Diamantschatz aus einem New Yorker Bankschließfach holen will ist derart verworren und kompliziert und hat so viele Parteien, deren Seite, auf der sie stehen unklar ist, dass es schwer fällt der Handlung zu folgen. Wichtige Drehungen und Wendungen bleiben teils unerklärlich und die Frage, was unsere Titelgebende Figur, Babe (Dustin Hoffman), überhaupt mit allem zu tun hat steht den ganzen Film über im Raum.

Auf der anderen Seite haben wir einen Film, der aus fantastischen Einzelsequenzen, tollen Figuren und passenden Locations besteht, die sich derart dicht aneinander reihen, dass man kaum dazu kommt sich während des Films diese Fragen zu stellen. Marathon Man weiß von der ersten bis zur letzen Minute zu packen und schafft das eigentlich nur durch seine Inszenierung.
Von der Eröffnungsszene, in der sich zwei alte Männer eine von Beleidigungen begleitete Autoverfolgungsjagd liefern, die in einem üblen Unfall endet, über eine furchtbare Folterungsszene, die das Bohren an gesunden Zähnen beinhaltet bis zum Finale, in dem der Kriegsverbrecher im Diamantendistrikt in New York unterwegs ist — das im Übrigen komplett in jüdischer Hand ist und er dort einigen seiner alten KZ-Opfer über den Weg läuft — , um eine Vorstellung des Wertes seines Reichtums zu bekommen, weiß John Schlesinger den Zuschauer über die volle Länge des Films am Kragen zu packen.

All diese Sequenzen und die unklare Liebesgeschichte zwischen Hoffman und der wunderschönen Marthe Keller funktionieren brillant für sich selbst, ergeben in Summe aber keinen konsistenten und überzeugenden Plot. Wer in der Lage ist, relativ früh für sich zu entscheiden, diesen nicht krampfhaft verstehen zu wollen, bekommt einen wirklich fiesen Thriller, der unheimlich viel Spaß macht.

★★★★✩

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