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Killer Joe

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Matthew McConaughey ist nach The Lincoln Lawyer und Magic Mike mit Killer Joe wirklich eine der größten Überraschungen dieses Jahres. Hier darf McConaughey den dreckigen Cop Joe spielen, der sich mordend einen lukrativen Nebenverdienst erarbeitet.

Killer Joe

Einstieg in die Geschichte ist die zerrüttete White Trash Familie um Chris (Emile Hirsch), Dottie (Juno Temple), Ansel (Thomas Haden Church) und Sharla (Gina Gershon), die verschiedenste Geldprobleme haben und sich dazu entscheiden Ansels Ex-Frau umbringen zu lassen, um an die Lebensversicherung zu kommen. Was ähnlich verschroben wie A Simple Plan beginnt, wird schnell sehr brutal und moralisch unbequem.

Die beiden größten Anziehungspunkte von Killer Joe sind zum Einen die eiskalte Performance McConaugheys, der in saftigstem Südstaatenslang auf den Dialogen herumkaut und die minimalistische Inszenierung, die eher an ein Theaterstück erinnert, finden doch die beiden zentralen Szenen in einem kleinen Raum statt und werden fast ausschließlich von bedrückenden Dialogen dominiert. Einen Vergleich zu Inglorious Basterds hinkt zwar etwas, geht aber stimmungsmäßig in etwa die gleiche Richtung. Das Bisschen Action und Handlung außerhalb der Familiengeschichte ist in erster Linie dazu da, um uns plausibel von der ersten zur zweiten zentralen Szene zu bringen, in denen der Film zweifelsfrei punkten kann.

Wie in einem Film der Coen Brothers geht es bei Killer Joe weniger um den Ausgang des Plots als um dessen Progression und die komplizierten Figuren, die die Leinwand zum Leben erwecken. In dieser Hinsicht ist der Film in jedem Fall erfolgreich und schafft es, wenn schon keine Spannung, doch ein gewisses Gefühl im Zuschauer zu erzeugen, das von Belustigung irgendwann in pure Unbehagnis und Unwohlsein umschlägt.

Scheinbar muss sich der Film die Frage gefallen lassen, ob er Frauen verachtet und degradiert, da zugegebenermaßen mit ihnen nicht besonders zimperlich umgegangen wird. Ich bin jedoch der Meinung, dass Täter- und Opferrollen recht gleichmäßig verteilt sind und am Ende jede_r das bekommt, was er/sie — den in diesem Film aufgestellten Regeln nach — verdient.

Da mich Killer Joe nicht über seine ganze Laufzeit fesseln konnte, mich aber die angesprochenen Szenen fassungslos zurück ließen, muss eine unbedingte Empfehlung für Genrefans ausgesprochen werden.

★★★✩✩

Trailer

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