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Die Kommentarkultur Im Internet Ist Scheiße

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Ich muss mich scheinbar mal wieder etwas auskotzen. Alle reden sie vom Social Web. Jeder kann mit jedem, immer und überall in Kontakt treten und bleiben, wir verfolgen uns auf Twitter, Instagram, Foursquare, Facebook, MySpace und wie sie nicht alle heißen. Ich fühle mich meiner TL in Summe oft näher als meinen RL-Bekannten, weil ich die immer in meiner Hosentasche und ziemlich präzise meinen Interessen und Humor nach zusammengestellt habe.

Ich stelle mir nur immer wieder die Frage, über welchen Kanal ich selber auf andere reagiere, wenn es mehr als einen gibt und merke selber, dass ich aus verschiedenen Richtungen Feedback bekomme. 80-90% kommen wohl über Twitter, weil es sich wohl am einfachsten anfühlt und alle davon ausgehen, dass Kommentare dort am schnellsten gesehen werden, egal ob Instagram sein eigenes Kommentarsystem hat. Das ist okay, denn all das sind Ein-Gedanken-Posts, wo eine Reaktion selten über ein “Daumen hoch” oder “Daumen runter” hinaus geht.

Nimmt man einen Podcast als Beispiel her, ist Feedback in alle Himmelsrichtungen verstreut. Wird dieser live gebroadcastet, verschwinden erstmal 90% der Reaktionen im IRC, im Anschluss verteilen sie sich auf Twitter und Blogkommentare und wenn das Audiofile zu allem Überfluss auf Soundcloud gehostet wird, sammeln sie sich auch dort, weil man sie dort — was schön ist — mit Timecode absetzen kann.

Richtig problematisch wird es meiner Meinung nach bei Blogs. Es gibt kaum Seiten, wo Kommentare wirklich funktionieren. Ist die Seite zu klein gibt es fast keine Kommentare, weil sich der erste nicht traut oder einfach keiner was zu sagen hat, ist die Leserschaft zu groß, artet es schnell in den Kommentaren aus, muss moderiert werden, wird irgendwann zu Selbstproduktion mancher Kommentatoren oder zu einem Streit über die immergleichen Themen, bzw. ist so undurchschaubar, dass man sinnvolle Wortmeldungen gar nicht erst findet.
Bloggt man zu persönlich, wird man immer irgendwelche Schwachköpfe finden, die tonnenweise Salz in die selbstgeöffneten Wunden reiben, ist das Thema polarisierend, findet man selten einen differenzierten Diskurs im Kommentarbereich.

Ich merke das selber täglich. Entweder hat das Blog, in dem ich kommentieren möchte, seine Kommentare abgeschaltet, oder der Kommentarbereich ist so geistlos befüllt oder so sehr voller Streit, dass ich diesem keine Beachtung schenken möchte, oder es wurde noch gar nicht kommentiert, weil das Feedback bereits per Twitter abgesetzt wurde.

Genauso ist das auf meiner Seite. Wenn Rückmeldungen kommen, oder ein Artikel eine Diskussion anregt, findet das fast immer auf Twitter statt, was für den Kommentatoren verständlich ist, weil er so ein direktes Gespräch anstoßen kann.
Für mich ist das aber irgendwie doof, weil ich finde, dass diese Diskussionen fast immer den Artikel befruchten würden und einen Mehrwert für künftige Leser bereiten könnten, obwohl ich natürlich gerne bei Twitter über Filme und Serien diskutiere.

Dadurch, dass entweder das vorhandene Kommentarsystem vollkommen im Arsch ist, oder diese so verstreut herumliegen, größtenteils von anderen gar nicht gesehen werden können, kann leider kein richtiger Diskurs stattfinden, bei dem sich alle beteiligen können und sollte es per Zufall sogar mal zu einem Gespräch kommen, ist dieses nicht mit dem Ursprungsartikel verknüpft und ist so von späteren Lesern nicht auffindbar. Entsprechend ist der Incentive für den Kommentatoren nicht gegeben, wodurch auch bei langen Artikeln selten mehr Feedback als ein “word!” kommt.

Das ist einfach schade. Ich hätte gerne einen Service, das jegliche Form von Kommentar unter dem Artikel aggregiert. Das kann doch nicht so schwer sein. Baut offene APIs in eure Services, damit sie miteinander reden können, sich auf Permalinks beziehen usw.
Obwohl wir alle immer einfacher und dadurch immer mehr miteinander online kommunizieren, so findet diese Kommunikation in den Blogs leider kaum noch statt.

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