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Yeopgijeogin Geunyeo (My Sassy Girl)

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Mein nächster Ausflug ins asiatische Kino führte mich nach Südkorea ins Genre der dramatischen Romanze. Bekanntermaßen bin ich kein großer Fan des asiatischen Kitschs. Ab und an kann ich das aber ganz gut vertragen, weshalb ich trotz massiver Vorwarnung frohen Mutes in diesen Film ging.

Mysassy

Plot

Kyun-woo und Ji-hyun Jun sind mitte zwanzig und laufen sich eines Nachts in der U-Bahn über den Weg. Sie hat sich fast zur Bewusstlosigkeit betrunken, er nimmt sich ihrer an und bringt sie zum Ausnüchtern in ein Hotelzimmer. Nach diesem ersten Kontakt beginnt eine sehr ungleiche Freundschaft, die langsam inniger wird. Kyun-woo ist der schwächere Teil dieser Partnerschaft, der immer mehr will als sie (Ji-hyun Jun), es ihr ständig versucht Recht zu machen und jedes Mal ihrem Willen nachgibt, wohingegen sich Ji-hyun Jun immer wieder zurück zieht und sich nicht zu einer ernsten Beziehung bekennen möchte.

Kritik

Jae-young Kwak inszeniert diese Liebesgeschichte mit allerlei Kitsch, in schönen Locations mit vielen Drehungen und Wendungen. Gerade die vielen verschiedenen Örtlichkeiten füllen diesen Film mit viel Leben und erzeugen einen natürlichen Fluss in der Geschichte trotz der vielen Zeitsprünge. Der angesprochene Kitsch war hier überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Er war immer angebracht und pointiert genug eingesetzt, um emotionsgeladenen Szenen unterstützend beizuwohnen. Sehr erfrischend war auch die erzählerische Rohheit in diesem Film. Neben der Eröffnungsszene, in der unsere betrunkene Protagonistin einem Mitfahrer in der U-Bahn ihre Nudelsuppe auf den Kopf erbricht, gibt es noch viele weitere Beispiele. Im amerikanischen bzw. europäischen Kino würden wir so etwas wohl nicht zu sehen bekommen.

Mein großes Problem waren die beiden Protagonisten. Sie war mir den ganzen Film über zu aggressiv, zu kompliziert und zu sehr auf Konfrontation, ihr Partner das genaue Gegenteil. Ohne eigenen Kopf, ohne eigene Meinung, ohne Selbstbewusstsein und nie als treibende Kraft, läuft er ihr nur hinterher, versucht es ihr immer Recht zu machen und ist immer auf der empfangenen Seite ihrer Erniedrigungen.

Die Beiden führen genau so eine Beziehung, wie ich sie persönlich zum Kotzen finde und das macht sowohl sie für mich unwahrscheinlich unattraktiv, als auch den Film fast unausstehlich, was sehr schade ist, denn der Rest des Films ist sehr gefühlvoll und in sich stimmig.

Auch wenn wir am Ende des Filmes eine Erklärung für ihr Handeln bekommen, macht das My Sassy Girl keinen Deut besser, genauso wenig wie ein blöder Twist am Ende eines tollen Films diesen wesentlich runter zieht.

Da ich weiß, wie sehr dieser Film im Allgemeinen gemocht wird, will ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen, denn My Sassy Girl steht und fällt damit, wie sehr man sich auf die Beiden einlassen kann. Das ist sicher bei jedem anders und so besteht für jeden die Chance einen ganz hervorragenden Liebesfilm mit viel Herzschmerz und Schmalz zu erleben. Meiner war er jedoch nicht.

★★✩✩✩

Trailer

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