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The Secret Life of Words

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Hanna (Sarah Polley) ist eine zurückgezogen lebende Frau mit Hörgerät, das sie abschaltet, wenn sie den ultimativen Rückzug sucht. Wie sich im Laufe des Filmes herausstellt, hat sie eine furchtbare Vergangenheit und die tägliche Routine, Stille und Zurückgezogenheit ist ihr Mechanismus damit zu leben.

Secret Life 500

Hanna arbeitet seit vier Jahren in einer Fabrik, ohne je einen Tag krank gewesen zu sein oder Urlaub genommen zu haben. Ihr Chef verordnet ihr einen Monat Zwangsurlaub, den sie in Nordirland verbringt. Dort hört sie in einem Restaurant ein Telefonat, in dem es um einen Unfall auf einer Ölplattform geht, bei dem Josef (Tim Robbins) schwer verletzt wurde und diese sehr kurzfristig eine Krankenschwester benötigen. Hanna bietet sich an und wird darauf hin zur Plattform geflogen, wo sich der Rest des Filmes abspielt.

Wegen des Unfalls ist jeglicher Betrieb auf der Plattform eingestellt, weshalb nur noch das Basisteam bestehend aus dem spanischen Koch Simon, der jeden Tag ein tolles Gericht aus einer anderen regionalen Küche zaubert, dem Meereswissenschaftler Martin, der die Wellen zählt, die auf die Plattform einschlagen, eine knappe Handvoll weiteres Personal dort verweilt und eben Unfallopfer Josef.

Josef braucht volle Pflege, ist er doch zu weiten Teilen verbrannt, für einige Wochen blind und daher bettlägerig. Der Film konzentriert sich in erster Linie auf die Beziehung zwischen Hanna und Josef, die immer enger wird und wahnsinnig pointiert gezeichnet ist. Über oberflächliche Informationen, Smalltalk und vor allem nicht gesagtem — hence the title — entwickeln sich ein immer akkurater werdende Bilder der beiden, welche erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen.

Das umfassende Thema des Films ist der Umgang mit Tragik, Schmerz und Verletzung durch Stille als Abwehrmechanismus. Durch die für Hanna ungewohnte Umgebung, das unbefangene Personal und ihren etwas vorlauten und charmanten Patienten bekommt Hanna viele neue Eindrücke und Impulse, derer sie sich selbst über Jahre entzog. All das und Josefs spätere Offenheit über sich selbst und sich dadurch offenbarende Parallelen in beider Vergangenheiten bringen Hanna dazu ihren Schutz abzulegen und sich selbst erstmalig zu öffnen.

Natürlich kumuliert das alles in einer unvermeidbaren Liebesgeschichte, die es für mich nicht gebraucht hätte, aber glücklicherweise recht wenig Raum einnahm. Der emotionale Konflikt steht in The Secret Life of Words klar im Vordergrund und das ist auch gut so.

Die tolle ruhige Stimmung wird durch das skurrile Setting auf der stillgelegten Bohrinsel weiter unterstützt, auf der jeder zu viel Zeit hat und sich viel mit sich selbst beschäftigt.

Der Titel des Films spielt darauf an, wie ungeeignet doch Worte sind, um Tragik und Schmerz angemessen zu kommunizieren. Dies gelingt hier — wie bereits angesprochen — vor allem durch nicht gesagtes und die verständnisvolle, warme und emotionsgeladene Umarmung nach Hannas Offenbarung ihrer Vergangenheit.

Sicher hat der Film auch seine Probleme. So bleiben die Nebenfiguren — abgesehen vom Koch — bloße Skizzen, die keinen wirklichen Einfluss nehmen, sondern allein für das stimmungsvolle Bild benötigt werden. Zudem ist das an zwei Stellen auftretende Voice Over vollkommen unnötig und eher verwirrend. Wenn jedoch die Kamera auf Hanna und Josef gerichtet ist, macht der Film alles richtig.

Das hervorragende Schauspiel von Sarah Polley und Tim Robbins gepaart mit dem wundervollen Skript und der perfekt eingefangenen ziellosen Einsamkeit auf der Bohrinsel, bilden einen hochemotionalen Film, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

★★★★✩

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