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The Amazing Spider-Man

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Der erste Spider-Man der Trilogie von Sam Raimi ist gerade erst 11 Jahre her und schon feuert Hollywood mit einem Reboot in den Sommer herein. Daher muss sich die neue Inkarnation die Frage gefallen lassen, ob dieser überhaupt nötig ist bzw. wesentliche Aspekte anders anfasst.

Spiderman

Der Plot ist typisch und schnell zusammengefasst. Wir bekommen eine Origin Story von Spider-Man, ein wenig Teenagerliebe mit seinem love interest Gwen Stacy (Emma Stone) und eine Menge Spinnennetzgeschieße und Kämpferei mit dem Bösewicht.

Nun wurde ja Marc Webb ((500) Days of Summer) gefragt, ob er sich diesen Filmes annehmen wolle und ich dachte vorher allen Ernstes, das würde funktionieren. Der Mann hat Beziehungskisten und kleine menschliche Momente drauf, wie er in seinem Debut bewies. Das sollte sich doch auf einen Film, in dem es — zumindest eine Stunde lang — um Selbstentdeckung und aufkeimende Liebe geht, anständig übertragen lassen.

Die Probleme beginnen allerdings schon beim Casting. So gut Andrew Garfield in seinem Kostüm ist, versagt er jedoch als Peter Parker auf ganzer Linie. Kein Mensch nimmt dem durchtrainierten Model ab, ein kleiner Nerd zu sein, auf den man gut drauf hauen kann. Zudem sind er und Emma Stone einfach zu alt. Die beiden sollen 17 Jahre alt sein und stammeln verklemmt vor sich hin, wenn sie aufeinander treffen. Auch das nimmt ihnen niemand wirklich ab und wirkt daher absolut lächerlich. Trotzdem treffen Webbs Dialoge in den emotionalen, leisen Momenten zwischen unseren beiden Turteltauben und zwischen Peter und seinen Zieheltern oft ins Schwarze, weshalb ich mit meiner Ausgangsvermutung grundsätzlich richtig lag. Genauso gut funktioniert auch die Entdeckung Spider-Mans Kraft, seinem Training und der Kostümherstellung. In diesem Kostüm macht Andrew Garfield eine hervorragende Figur, die auch endlich mal Spider-Mans Humor aus den Comics trifft.

Das Problem ist, genau das waren auch schon die Stärken in Raimis Spider-Man und Marc Webb macht hier nichts anders oder besser.

Ich frage mich, warum Marc Webb nicht — passend zu seinen Stärken — eine kleine Spider-Man Geschichte inszeniert hat. Warum muss immer eine ganze Stadt unter Bedrohung stehen? Warum müssen die Bossfights an Hochhausfassaden stattfinden, nur um am Ende den Stempel “Sommerblockbuster” zu bekommen? Hätte sich nicht der ganze Film in dunklen Gassen abspielen und der Konflikt mit dem Bösewicht nicht im Wesentlichen auf emotionaler Ebene bekämpft werden können? Und hätten nicht Peters Schuldgefühle über die Mitschuld am Tode seines Onkels mehr im Zentrum des Filmes stehen und dadurch in erster Linie eine Charakterstudie um Held und Antagonist werden können?

Ich denke mit einem Spider-Man Film, der die Lupe auf die Figur, seine Emotionen, sein Umfeld richtet, wäre Webb besser zurecht gekommen und hätte vor allem ein Alleinstellungsmerkmal besessen. So ist The Amazing Spider-Man leider ziemlich doof und vor allem überflüssig.

Auch nutzt Webb die sich selbst gegebenen Chancen nicht. Endlich hat Spidey mechanische web shooter, aber warum um Himmels Willen legt er diese nichtmal in der Schule ab? Das wäre doch eine tolle Gelegenheit gewesen, ein wenig Abwechslung in die immergleichen Kämpfe zu bringen.

Am Ende versucht der Film zu viel und macht nichts davon besonders gut. Er will Origin Story für einen Superhelden sein, kopiert aber seinen Vorgänger, will Coming of Age Story für den kleinen Nerd sein, ist aber dafür falsch gecastet, will Liebesgeschichte sein, hat aber keine echte Entwicklung, da Gwen schon von Minute eins an hinter Peter her ist und will Sommerblockbustersuperheldenactionfilm sein, der aber vollkommen belanglos und ohne echte Highlights inszeniert wurde.

Obwohl sich The Amazing Spider-Man eine Menge Zeit nimmt (was ich sehr begrüße) tanzt er doch auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig und trifft meiner Meinung nach einige wesentliche falsche Entscheidungen. Dieser Film fügt dem Filmuniversum um Spider-Man nichts hinzu, hat keinen außergewöhnlichen take auf den vorhandenen Stoff — wie bspw. Nolans Batman — und ist auch sonst nicht besonders.

★★✩✩✩

Trailer

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