<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Videodrome

| Comments

Mit dem Wissen, dass mir einige ältere Filme von David Cronenberg fehlen, nahm ich mir Videodrome von 1983 zur Brust.

Videodrome

Plot

Max Renn (James Woods) ist Präsident des Fernsehsenders CIVIC-TV, das sich auf Softporn und Gewalt spezialisiert hat. Über eine Piratensignal kommt er an eine Sendung namens Videodrome, die über keinerlei Handlung, dafür aber eine Menge Nacktheit, Folter und Mord an anonymen Frauen verfügt.
Max ist der Meinung, dass dieses Format — gespieltes Snuff TV — die Zukunft sei und beginnt eine surreale Reise auf der Suche nach der Herkunft von Videodrome.

Kritik

1983 gab es kein Internet, kein Video on demand, keine Handys, keine PC’s und keine mediale Omnipräsenz, sondern das Fernsehgerät und Videokassetten. Trotz allem hat Videodrome eine enorme zeitliche Relevanz, denn die im Film untersuchte Veränderung von Körper und Geist wird noch immer und immer wieder den angesprochenen Medien und Geräten unterstellt.

Das populäre Horrorsubgenre des Tortureporns und der fast uneingeschränkte Zugriff auf Pornografie untermauern, dass Max mit seiner Vision für seinen Sender richtig lag. Cronenberg und Filmfigur Prof. Brian O’Blivion sagen Reality-TV, Video-Chat, Avatare, Cybersex bis hin zu der Paranoia, dass Mobiltelefone Gehirntumore verursachen könnten voraus.

Visuell trifft Cronenberg den Nagel ebenso auf den Kopf, wie inhaltlich. Die Allgegenwertigkeit des Bildschirmes, auf dem sich Medien konsumieren lassen ist genauso wenig anzuzweifeln, wie O’Blivions Aussage “Public life on television is more real than private life in the flesh.”
Die Art und Weise, wie sich viele Menschen medial — sei es nun im Fernsehen oder Internet — inszenieren, ist das genaue Äquivalent zu diesem Zitat.

Mit Videodrome gelingt David Cronenberg ein wahnsinnig zeitloser und gleichzeitig thematisch zeitgemäßer Film, der nicht nur durch sein Thema, sondern auch durch seine brachiale Bildsprache überzeugt und sich für mich an die Spitze seines Schaffens (von dem ich zugegebenermaßen nicht alles kenne) stellt.

(Allerdings hätte ich ihn im Nachhinein lieber auf einer durchgenudelten Videokassette geschaut.)

★★★★★

Comments