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The Bourne Trilogy

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Angesichts des vierten Teils der Saga um Jason Bourne, war es mal wieder an der Zeit, die bisherigen Teile im Zusammenhang zu schauen.

The Bourne Identity

Identity

Im ersten Teil sitzen Doug Liman und Tony Gilroy am Steuer und das merkt man gerade im Vergleich zu den beiden Nachfolgern extrem. Hier ist das Skript tight und einfallsreich und die hyperreale Action aber noch konventionell und beobachtend gefilmt, was sich in den beiden Nachfolgern ändern sollte.

Besonders herausragend ist der Sinn für ikonographische europäische Schauplätze und der immense Pragmatismus, der sich in jeder Facette Bourne’s Handelns manifestiert. Die Art und Weise alltägliche Gegenstände aus der Umgebung, wie Stifte, Bücher oder zusammengerollte Magazine, als Waffe zu benutzen, war sicherlich stilprägend für das Franchise und dieses Subgenres an sich und wurde im Anschluss oft kopiert.

Den für diesen Film unglaublich wichtigen emotionalen Kern bildet Bournes Weggefährtin Marie (Franka Potente), die zwischen all den Verschwörungen, Morden und Hetzjagden den Film aufs menschliche zurück holt. Dieser Aspekt geht den beiden Nachfolgern leider völlig ab.

Am Ende überzeugt The Bourne Identity durch seine fokussierte Story, perfekt inszenierte Action und einen sehr ausgewogenen Cast, der in jeder Situation zu überzeugen weiß.

Insgesamt gefällt mir Teil eins immer noch am besten von allen Dreien, wenn auch nur mit knappem Vorsprung zum Zweiten.

★★★★✩

The Bourne Supremacy

Supremacy

In Teil 2 setzt sich Paul Greengrass auf den Regiestuhl und damit ändert sich der visuelle Stil dieses Franchises dramatisch. Sein docstyle mit Shakycam und die Möglichkeit mit der Kamera in kleine Räume einzudringen und selbst in furiosen Actionszenen intime Momente einzufangen, passen hervorragend zur realistischen Action und Kämpfen mit Alltagsgegenständen ohne brutalen Soundtrack, sondern dem vortrefflichen Sounddesign. Er lässt dem Zuschauer keine Sekunde Zeit zum Atmen, indem er Actionsequenz an Actionsequenz reiht und die eigentlich ruhigen Momente, in denen Bourne von Punkt A nach B reist, mit dramatischen Rückblenden füllt.

Dieser Abschnitt in Bournes Reise nach Antworten füllt die meisten in Teil 1 offen gelassenen Lücken sowohl für Bourne, als auch den Zuschauer und macht einen dritten Teil weitestgehend überflüssig, denn es bleibt eigentlich nichts mehr zu sagen.

The Bourne Supremacy hat wenige Schwächen. Für meinen Geschmack werden zu viele zeitliche Lücken mit Verfolgungen zu Fuß oder auf 2-4 Rädern gefüllt, was mich auf Dauer etwas langweilte. Hinzu kommt der vollkommen bescheuerte Versuch Action in einen Raum zu bringen, der nur aus Analysten, und Monitoren besteht. Dieses unsinnige Geschreie des Vorgesetzten dient hier nur um künstlich die Spannung mit billigen Tricks oben zu halten und ist hier nur der Anfang, wenn man sich den schon fast lächerlichen dritten Teil anschaut. An dieser Stelle hätte ich lieber richtige Analystenarbeit, wie beispielsweise in Rubicon gesehen.

Insgesamt ist dieser Teil etwas weniger fokussiert als der Vorgänger und damit etwas schwächer, wobei Greengrass’ Stil dieses Franchise in vielen Aspekten stärkt.

★★★★✩

The Bourne Ultimatum

Ultimatum

Nun sortiert sich die Geschichte aus The Bourne Ultimatum zwischen vorletzter und letzter Szene des Vorgängers ein und man fragt sich zurecht, ob weitere 2h wesentliches zu Bournes Mysterium beitragen können, denn, wie bereits oben angesprochen, bleiben nach Teil 2 keine zwingenden Fragen offen.

Entsprechend fühlt sich auch der Film an. Ein quasi nicht existentes Skript (writers strike anyone?) wird zu einem kaum noch nachvollziehbaren Wirrwarr aufgeblasen, indem teils völlig sinnfreie Actionsequenzen und Storyentwicklungen aneinandergereiht werden, in der Hoffnung, der Lärm, die Geschwindigkeit und die Ballerei hindern den Zuschauer daran, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Hier wird nun noch mehr im Kontrollraum, von mittlerweile zwei Personen, umhergebrüllt (als ob das irgendetwas nutzen würde), mehr gerannt, mehr gesprungen, mehr geprügelt, mehr geschossen. Nur fehlt einfach das clevere Skript der beiden Vorgänger. Man weiß, dass Tony Gilroys Skript nicht mehr als ein first draft war und aufgrund des Autorenstreiks und des dringenden Drehplans niemand da war, um daraus einen richtigen Film zu machen. Entsprechend haben Paul Greengrass und Matt Damon das — teilweise direkt am Set — übernommen und das ist evident.

Bedenkt man diese Umstände, ist es fast meisterhaft, was die beiden da auf die Leinwand gezaubert haben. Gerade bei der ersten Sichtung ist mir das miese Skript fast gar nicht aufgefallen, so sehr war ich von der Action gefesselt. Mit etwas Abstand, einigen Hintergrundinformationen und einem etwas kritischeren Blick, bleibt das einem aber nicht verschlossen.

Trotz all der angesprochenen Schwächen würde ich aber auch diesen Teil empfehlen, wenn man einen soliden Actionfilm sehen möchte und nicht zuletzt wegen der grandios inszenierten Bahnhofsszene im ersten Drittel des Filmes, die alles in den Schatten stellt. Des Weiteren perfektioniert Greengrass die shakycam, was am eindeutigsten in der Verfolgungsjagd auf den Dächern Tangerns mit anschließender Kampfszene zwischen Bourne und Desh sichtbar wird.

Von diesem Standpunkt aus ist dieses ununterbrochene chase movie sehr unterhaltsam, mir nur im direkten Vergleich mit den Vorgängern bei Weitem zu wenig.

★★★✩✩
▇▆▄

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