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Tampopo

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Vor etwa einer Woche fragte ich auf Twitter, ob jemand ein gutes Rezept für Ramen (die japanische Nudelsuppe) hätte, das man auch in der heimischen Küche halbwegs adäquat auf die Reihe bekommen würde. Die einzige Antwort, die ich darauf bekam war von @therealstief, der mich nur fragte, ob ich nicht schon Tampopo gesehen hätte. Der direkte Zusammenhang zwischen Frage und Filmvorschlag wurde mir erst in der zweiten Szene des Films klar, in der ein alter und weiser Mann zusammen mit seinem Zögling — schon fast meditativ — eine Schale Ramen essen.

Das Skelett des Filmes besteht aus der Geschichte, wie ein Trucker einer Frau dabei hilft ihre bescheidene Suppenküche auf Vordermann zu bringen, indem er sie trainiert, sie gemeinsam nach dem perfekten Rezept für Ramen forschen und sowohl sie, als auch ihr Laden einen totalen makeover bekommen.

Immer wieder zweigt die Geschichte jedoch ab, wenn unsere Protagonisten anderen Manschen über den Weg laufen. Dann werden diese für ein paar Minuten begleitet und immer in einem besonderen Essenskontext beobachtet. Mal wird einer Gruppe junger Frauen gezeigt, wie man im Westen richtig Nudeln isst, mal schaut man einem Pärchen bei ihrem Vorspiel zu, bei dem gutes Essen eine ganz essenzielle Rolle spielt.

Die kurzen Ausschnitte treffen jedes Mal ins Schwarze und fangen einen einzigartigen Moment zum Thema Essen ein.

Aber zurück zur Hauptgeschichte. Die Tagline des Filmes lautet: The first Japanese noodle western!, was den Nagel auf den Kopf trifft.
Hier werden die typischen Tropes aus Western, wie den einsamen Cowboy, der in eine fremde Stadt einreitet und sich eines Problems annimmt, Saloonschlägereien, der standoff mit der Gegenpartei usw. auf diesen japanischen Film übers Essen übertragen und das funktioniert erstaunlich gut.

Der Film macht es einem aber auch wirklich einfach ihn zu mögen, hat er doch das Herz am richtigen Fleck, ist überaus sinnlich, ein hervorragendes feel good movie und zeigt die urkomische Diskrepanz zwischen dem leisen, zurückhaltenden Verhalten der Asiaten und dem fast schon perversen Pragmatismus beim Essen.

Ein ganz ganz toller Film, der sich aus dem Stand bei meinen Lieblingsfilmen einsortiert hat und eine unbedingte Empfehlung für alle, die auch nur ein kleines Bisschen für Essen übrig haben.

★★★★★

P.S.:

Achso. Eine Antwort auf meine Eingangsfrage bekam ich durch Tampopo übrigens auch. Das Originalrezept von Ramen wird man wohl zu Hause für zwei Personen kaum hinbekommen, aber der Film vermittelte mir immerhin ein Gefühl dafür, was man alles falsch machen kann und richtig machen sollte, damit daraus grundsätzlich eine gute Schale voll Suppe wird. Das war am Ende eine längere Antwort, als ich mir vorgestellt habe, aber auch eine weitaus unterhaltsamere. Also vielen Dank dafür @therealstief.

Trailer


Es gibt ihn sogar, OmeU auf YouTube, wer ihn schnell und unkompliziert sehen möchte.

Tampopo

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