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Prometheus

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Auch wenn sich das Internet sicherlich schon längst zu diesem Film leerdiskutiert hat, möchte ich hier in ein ähnlichen Format wie über The Dark Knight Rises meine 2 Cents dazu niederschreiben.

Prometheus Movie Review Poster

Plot

Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway leiten im Jahr 2089 verschiedenen Ausgrabungen auf der Erde, bei denen sie verschiedene Wandmalereien mit der gleichen Planetenkonstellation finden. Ein paar Jahre später machen sie sich mit der Prometheus auf den Weg zum Mond LV-223, um möglicherweise die Schöpfer der Menschen anzutreffen.

Das Gute

Visuell ist Prometheus eine Wucht. Das Setdesign, die Concept Art, das Licht, die Größe und der technische Einfallsreichtum stellen alles in den Schatten, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die visuellen Konzepte sind in ihrer schieren Größe und formell stark an Alien angelehnt und mindestens genauso gut in Szene gesetzt. Die Gadgets sind clever und in passenden Momenten eingesetzt und die düstere, farbentsättigte Welt von LV-223 runden das Spektakel ab.

Am beeindruckendsten fand ich das 3D. Ich bin kein Fan, empfand es bisher nie notwendig und fast immer zu aufdringlich. Nicht so hier. Es ist Stilmittel, immer Mittel zum Zweck und nie Gimmick. Man merkt, das hier ein Meister des Filmemachens am Werk und tobt sich gehörig am geschriebenen Material aus. Mit Abstand das beste 3D, das ich bisher gesehen habe. Wirklich toll!

Die Schauspieler machen alle einen guten Job. Angefangen bei Idris Elba, den ich mir in allem ansehen kann, über Noomi Rapace, die ihre zweite große Rolle feiert und Charlize Theron, die die diesmalige Inkarnation als Corporate Anthagonist perfekt darstellt. Allen voran aber steht Michael Fassbender, der den Androiden David stoisch, kalt und mechanisch präzise spielt.

*Spoiler!*

Das Schlechte

Im Prinzip ist das ganze Skript die reinste Katastrophe.
Die Probleme fangen bei der Crew “Wissenschaftler” auf der Prometheus an. Da wird eine Mission zusammengestellt, die insgesamt 1 Trillion Dollar kostet und man spart am Personal. Niemand, der sich nicht um das Fliegen des Schiffes kümmert, macht seinen Job auch nur im Ansatz gut bzw. richtig.
Es geht damit los, dass sie auf einem Planeten mit giftiger Atmosphäre landen, in der Höhle an einer Stelle messen, das hier die Luft supi ist und alle lassen ihre Helme an dieser Stelle zurück. Everything is going to be just fine.
Der Mann fürs Grobe, der für die Sicherheit der Mission eingeteilt wurde, muss natürlich seine Wummen an Bord lassen, weil es sich ja um eine “wissenschaftliche” Mission handelt. Klar. Macht man so.
Dann kommen sie in die Haupthöhle mit dem Schrein und den Vasen auf dem Boden und man fragt sich, was diese Vasen dort eigentlich sollen, wenn die doch eigentlich woanders viel effektiver gelagert werden. Egal. Niemand soll etwas anfassen, aber David steckt sich mal so ein Teil ein, man weiß ja nie.

David verfolgt sowieso seine eigene Agenda bzw. die von Guy Pearce’s Charakter mit der Suche danach menschliches Leben zu verlängern. Dazu infiziert er Charlie in kontrollierter Umgebung mit einem Tröpfchen der schwarzen Flüssigkeit. Was soll schon schiefgehen? Er drück wild auf allen Knöpfen herum, die er nur finden kann und wirft dem einzigen überlebenden Engineer Schimpfwörter um die Ohren for all we know.

Während dessen irren der Biologe und der Mann, der zum kartographieren der Höhle zuständig war ohne seine verdammte Karte durch die Gegend, finden einen Alienwurm und wollen erstmal eine Runde mit ihm spielen. Denn es ist ja so niedlich.

Wieder an Bord der Prometheus nölt die Hälfte des Teams herum, dass sie nach 2h noch nicht alle Antworten haben, wegen denen sie gekommen sind und die andere Hälfte ist sturzbetrunken. Charlie wird langsam zum Alienzombie aber schwängert schnell seine Partnerin Elizabeth, damit sie noch eben ein Alien gebären kann, obwohl sie eigentlich unfruchtbar ist wohlbemerkt (Aliensperma macht das wohl nichts aus), denn das fehlt ja noch in einem Film mit Aliens.

Nachdem Elizabeth einen Tag später hochschwanger durch die enorme Finte einen Raum weiter zu gehen David abschüttelt, der sie sedieren wollte, denn vielleicht ist ja ein Alienbaby des Rätsels Lösung, entfernt sie sich in einer fantastischen Szene den Alienfötus per Kaiserschnitt und läuft Minuten später einen Marathon und ist selbstverständlich nicht in der Lage einem hinter ihr her rollenden Raumschiff zu entkommen, denn senkrecht zu Rollrichtung abzuhauen kommt einem in dieser Situation sicherlich nicht in den Sinn.

Insgesamt ist die Crew an Bord der Prometheus zu groß. Charlize Therons Figur hätte man mit der von Idris Elba vereinen können, mehrere kleinere Charaktere hätten gänzlich weggelassen werden können. So hätten die übrig gebliebenen vielleicht mehr, als nur eine Sache im Film zu tun gehabt.

Was hatte es eigentlich mit Guy Pearce auf sich? Es gibt keinen Grund einen jungen Schauspieler so sehr mit Altersmakeup vollzuklatschen, ohne ihn einmal jung zu zeigen. Warum castet man in so einem Fall nicht einen alten Schauspieler?

Kommen wir zum größten Problem. Die schwarze Flüssigkeit. Mir persönlich ist sie zu sehr für alles gut, was sich Damon Lindelof gerade ausdenkt.
von den Engineers getrunken erschafft sie Menschenleben, getrunken von Menschen, wird ein Zombie draus, paart sich der Zombie mit einem Menschen, wird ein riesenkrakenähnlicher Facehugger draus, der wiederum einen Engineer infiziert und in ihm den Alien erzeugt, den wir aus dem Franchise kennen. Ach ja, aus kleinen niedlichen Würmern macht die Flüssigkeit große Alienwürmer.

Ich habe schon verstanden, dass die Flüssigkeit grundsätzlich DNA aufspalten und neu zusammensetzen kann, aber das ist mir etwas zu wild.

Wie kommt vor allem Janek (Idris Elba) aus heiterem Himmel auf die Idee, dass es sich bei den Vasen um Massenvernichtungswaffen handelt? Es gibt nicht den geringsten Grund das anzunehmen. Scheinbar haben die Engineers irgendwann Teile des Weltalls (mindestens aber die Erde) bevölkert, um dann vor 2000 Jahren auf die Idee zu kommen, die Menschheit wieder auszulöschen? Wozu? Und vor allem warum mit abertausenden von Vasen mit besagter Flüssigkeit? Haben sie so viele Planeten bevölkert? Was hat vor 2000 Jahren diesen Sinneswandel ausgelöst und sind ein Haufen Planeten mit Aliens drauf wirklich ein geringeres Übel, als die Menschen?

Prometheus stellt all diese Fragen und beantwortet keine davon. Toll, jetzt wissen wir, dass die schwarze Flüssigkeit etwas damit zu tun hat, aber helfen tut das nicht. Es ist so verdammt schlechtes Schreiben, wenn sich der Zuschauer in wirklich allen Fragen selber einen Reim darauf machen muss, um irgend einen Sinn in den Film zu bringen. Das ist einfach enttäuschend.

Fazit

Ridley Scott ist ein fantastischer visueller Filmemacher, der sich leider vollkommen auf die Güte des Skripts verlässt. Damon Lindelof, der schon in Lost die gleichen Probleme hatte, immer noch verworrenere Fragen zu stellen und dabei seine zuvor gestellten nicht zu beantworten, schreibt ein unglaublich faules und uninspiriertes Drehbuch, in dem er die meiner Meinung nach größte Autorensünde begeht. Jedes bisschen Drama wird durch die Dummheit der Protagonisten erzeugt. Warum konnte das Team nicht clever und intelligent handeln, dabei tatsächliche Entdeckungen machen, Spannung durch Stille und vorsichtiges Handeln erzeugen, Figuren entwickeln, die andere Ziele verfolgen, die man auch nachvollziehen kann?

Man hätte Gehirnschmalz in das Srkipt stecken und tatsächliche Antworten auf die Fragen haben müssen, damit man wenigstens eine in sich schlüssige Geschichte erzählen kann und nicht halbherzig ein paar Wandmalereien, Hologramme und eine alles könnende schwarze Flüssigkeit an die Leinwand wirft, dabei zu hoffen, dass der Zuschauer visuell so überwältigt ist, dass er sich diese Fragen nie selber stellt.

Ich muss zugeben, dass der Film so gut inszeniert und straff geschnitten ist, dass ich mich während des Films sehr gut unterhalten führle und ich mir die größeren Fragen gar nicht stellte. Nach dem Kinobesuch hatte ich auf dem Heimweg die Gelegenheit eine halbe Stunde nachzudenken und sofort fiel der Film komplett auseinander.

★★★✩✩

Trailer

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