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The Dark Knight Rises

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Mit Batman Begins und The Dark Knight schaffte es Christopher Nolan dem Superheldengenre einen neuen Anstrich zu verpassen. Er reduzierte Bruce Waynes Alter Ego so weit auf die menschlichen Aspekte herunter, dass beide Filme eben nicht nur als Comicverfilmung, sondern viel mehr als Action-Thriller um ein persönliches Drama durchgehen konnten. Das beeindruckte und macht diese beiden Filme für mich so herausragend.

The Dark Knight Rises bildet den Abschluss dieser Trilogie — jedenfalls unter Nolan — und muss sich meiner Meinung nach auch mit seinen beiden Vorgängern messen können. Ich kann vorwegschicken, ich mochte ihn nicht. Vor allem im Vergleich zu den beiden anderen.

*Spoilerwarnung! Der komplette Mittelteil ist eher eine Notizsammlung an Aspekten, die mir gut oder nicht so gut gefallen haben. Wer sich nicht spoilern lassen möchte, sollte zum Fazit springen.*

Batman the Dark Knight Rises

Plot

The Dark Knight Rises spielt etwa sieben Jahre nach Teil zwei. In diesen sieben Jahren hat Bruce Wayne trauernd und gebrochen in seiner Mansion gesessen und keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt, bis der Bösewicht dieses Teils — Bane — auf den Plan tritt und einen großen Masterplan verfolgt, Gotham, das von den Reichen dominiert wird, dem Volk zurückzugeben, indem er Batman aus dem Verkehr zieht und die Welt mit einer Atombombe in Schach hält.

Das Gute

Nolan versteht es Action zu inszenieren. Wie schon in den beiden Vorgängern, verlässt er sich nicht auf CGI. Wenn sich ein riesiger Truck überschlägt, dann ist das auch ein richtiger Truck gewesen. So auch hier. Das meiste sind praktische Effekte, echte Explosionen und realistische Modelle. Dadurch bekommt die Action die nötige Durchschlagskraft. Zudem hat er ein gutes Gefühl für die Choreographie von Action und Kamera. Man weiß immer, was wo los ist, wer mit wem und warum. Das ist beeindruckend und wird von Zimmers fantastischen Soundtrack weiter unterstützt.

Bane ist als Bösewicht gut genug, um einen ebenbürtigen Gegenspieler zu Batman zu sein, kommt jedoch mangels Charme und klarem Ziel bei Weitem nicht an Ledgers Joker heran.

Die Grundidee 12 Millionen Menschen in Gotham City einzusperren und mit deren Auslöschung zu drohen, ist ein tolles Setup, mit dem leider zu wenig gemacht wird. Ich hätte gern mehr Zeit auf Gothams Straßen verbracht, zugeschaut, wie Infrastruktur zusammenfällt, Revolutionen geplant werden und wie sich das Leben in dieser Situation insgesamt anfühlt. Tatsächlich waren die Straßen fast leer und abgesehen von Gordons Widerstand war von einem Ökosystem, dass immerhin ein halbes Jahr bestand, nichts zu sehen. Dadurch konnte sich die Bedrohung für mich nie manifestieren.

Der Gastauftritt der Pittsburgh Steelers samt ihrem alten Head Coach Bill Cowher im explodierenden Footballstation war eine hübsche Kleinigkeit, über die ich mich sehr freute, womit ich zu meinem persönlichen Highlight des Films kommen möchte.

Catwoman! Sie ist die mit großem, großem Abstand beste Figur des Filmes. Jede Szene mit ihr sprüht vor Witz, Charme, Sexyness und vor allem Badassery. Anne Hathaway spielt die Catwoman so auf den Punkt und bekommt so viel zu tun, dass The Dark Knight Rises für mich zu Catwoman – The Movie mutierte. Ihr Pragmatismus, der innere Kampf zwischen Egoismus und Helfersyndrom, ihre Cleverness bis hin zum Kostüm (wenn sie ihre Nachtsichtbrille nach oben klappt, sind sie ihre Katzenohren) war einfach perfekt.

Das Schlechte

Banes nachbearbeitete Stimme hörte sich an, als ob er mit Megafon im Kinosaal stand und nicht Teil des Filmes war.
Alfred hätte man getrost weglassen können, ist er in diesem Teil doch nur für konsequenzlose Monologe voller Tränen zuständig. Nichts von dem, was er sagte oder tat, hatte irgendeinen Einfluss auf den Film.

Insgesamt hatte der Film zu viele expositorische Monologe über verflossene Liebe, belanglose Backstories und Banes Ziele. Jeder dieser Monologe war zu lang, sprach fast nur bereits bekanntes oder belangloses an und trug nichts zur Charakterbildung bei, da die Interaktion und Reaktion mit einem Gegenüber fehlten.

Dadurch gerät Nolans Zeitmanagement für den Film massiv durcheinander. Konsequenzlosen, emotionalen Monologen und Exposition wird eine ermüdende Länge einberaumt, wohingegen weite Teile des Films gehetzt wirken. Über große Storyentwicklungen wird zum Teil ohne Reaktion der Betroffenen hinweggegangen und der nötige Leim zwischen einzelnen Plotpoints fehlt einfach.

Der Masterplan war unnötig kompliziert, selten motiviert und oft nur ein notwendiges Mittel um das nächste Actionsetpiece anzustoßen.
Warum muss Bane aus einem fliegenden Flugzeug befreit werden, wenn es am Boden mitten in der Wüste doch viel einfacher wäre, warum wirft er Batman in das Gefängnis unter der Erde und erklärt ihm, was er alles auf seiner To-Do-Liste hat, wenn er doch sowieso vorhat, ihn zu töten? Warum lässt sich Batman auf eine zweite Prügelei mit jemandem ein, der den Finger am Abzug einer Atombombe hat, die 12 Millionen Menschen umbringt, wenn er die perfekte Gelegenheit hat, ihn zu erschießen? (Es ist ja nicht so, dass er keine Rakete auf einen Panzer mitten in der Menge schießt, was auch Todesopfer fordert.) Und wenn er schon ins Handgemenge geht, warum dauert es 10 Minuten, bis er auf die Idee kommt auf Banes Maske — seine bekanntermaßen einzige Schwachstelle — einzuhauen?
Batman ist ein Stratege, für den der Kampf nur Mittel zum Zweck ist. Daher seine Gadgets, seine Nachtaktivität, sein Kommen aus dem Nichts. Von diesem Batman war hier nichts zu sehen. Planlos rennt er in jede Situation hinein und improvisiert sich mit seinen Fäusten wieder heraus.

Ein negativer Nebeneffekt des komplizierten Plans sind die vielen Plotholes, die daraus entstehen.
Bruce Wayne geht sieben Jahre am Stock, nur um dann, wenn es ernst wird, eine Kniemanchette aus dem Schrank zu ziehen, die ihm wahrscheinlich von Bane abgenommen wird, als er ihn ins Erdloch wirft und dann ist er nach ein paar Monaten Training wieder wie neu?
Überhaupt, was ist das eigentlich für ein Gefängnis, in dem die übelsten Gewalttäter in Harmonie und Einklang zusammenleben und sich gegenseitig anfeuern, wenn jemand sein Glück versucht aus dem Loch zu klettern?

Warum findet sich unter 12 Millionen Menschen eigentlich keine Gruppe, die ihre Waffen aus dem Schrank holen und gegen Bane in den Krieg ziehen? All das nur damit zu erklären, dass eine unbekannte Person den Zünder zur Bombe in der Hand hält, ist Blödsinn. Damit hält man zwar die Meisten in Schach, aber nicht eine komplette Millionenstadt.

Joseph Gordon-Levitts Figur Blake war eine totalen Enttäuschung für mich. Enttarnt Batman anhand eines Gesichtsausdrucks zu Beginn des Filmes, steigt ohne Grund vom Cop zum Detective zu Robin (Nightwing? Batman?) auf, bekommt ohne Grund eine Kletterausrüstung und weiß wie er zur Batcave kommt. Sehr unklar.

Mein größtes Problem hatte ich mit dem bescheuerten Twist am Ende, in dem sich herausstellt, dass nicht Bane, sondern Tate Ra’s al Ghul’s Tochter ist und sie hinter dem Masterplan steckt. Das ist dermaßen belanglos für den kompletten Film und schmälert nur Banes Figur, der am Ende nur ihr verliebtes Schoßhündchen ist. Nichts weiter.

Fazit

Insgesamt ist The Dark Knight Rises eine echte Enttäuschung für mich gewesen. Unwichtige Backgroundgeschichten nehmen zu viel Platz ein, ohne tatsächlich Tiefgang zu liefern, die scheunentorgroßen Plotholes reißen einen immer wieder aus dem Film und der verschwurbelte Masterplan ist nicht in der Lage klare Ziele des Antagonisten zu etablieren, wodurch der Abschluss der Trilogie kaum mehr ist, als eine Aneinanderreihung von fantastisch inszenierten Actionszenen.

Bedenkt man, dass Catwoman mindestens genauso viel Screentime hat wie Batman und hält sich vor Augen, dass jede Szene mit ihr im Mittelpunkt herausragend ist, kann man den Abschluss der Trilogie ebenso gut als Catwoman Film betrachten und hat ggf. mehr Spass daran.

Wer nicht mehr von seinem Blockbuster erwartet, oder seinen Kopf während des Films gerne ausmacht, wird sicherlich eine Menge Spass haben, aber mir reicht das — vor allem im Hinblick auf die beiden Vorgänger — nicht aus. So bleibt The Dark Knight Rises ein guter Vertreter seines Genres, ohne die Genregrenzen überzeugend verlassen zu können.

★★★✩✩

Trailer

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