<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

The Newsroom - Pilot

| Comments

Endlich gibt es neuen Serienstoff aus der Feder von Aaron Sorkin. The West Wing gehört wohl zu meinen Top3 TV Shows und in Ermangelung an neuem Material habe ich diese Serie mittlerweile etwa 2,5 mal durchgeschaut. Nun ist The Newsroom am Start und ich habe entsprechend hohe Erwartungen, denn für mich muss sich The Newsroom mit The West Wing messen lassen können.

Nachdem uns Sorkin nacheinander hinter die Kulissen einer Sportsendung (Sports Night), dem politischen Tagesgeschäft im Weißen Haus (The West Wing) und einer Sketch Comedy Show (Studio 60 on the Sunset Strip) führte, steht nun die Beleuchtung der Innereien eines Nachrichtensenders auf dem Programm.

Plot

Will McAvoy (Jeff Daniels) ist ein sehr erfolgreicher news anchor des fiktionalen Nachrichtensenders ACN und vor allem deshalb so beliebt und erfolgreich, weil er nie politisch Stellung bezieht, niemanden verärgert und sehr neutral bleibt.

Nach einem öffentlichen Ausraster bei einer Talkrunde auf dem Campus eines Colleges wird ihm das Team zu seiner Sendung weggenommen und gegen seinen Willen neu zusammengestellt. Während sich sein newsroom versucht zusammenzuraufen und McAvoy Differenzen mit seinem neuen Executive Producer ausräumt bricht eine wesentliche Nachricht herein, dessen Wertigkeit von den Mitarbeitern erst unterschiedlich bewertet, dann aber ausschließlich von ihnen (und keinem anderen Sender) ernst genommen wird und sie daraus ihre erste Nachrichtensendung mit neuem Team improvisieren und dabei entscheiden broadcasting news the right way zu machen.

Kritik

Piloten sind ein sonderbarer Vertreter der TV-Episoden. Sie sollen das Setting etablieren, Figuren und deren Beziehungen zueinander einführen, Lust auf mehr erzeugen und all das in einer halbwegs abgeschlossenen Geschichte erzählen, die mehr oder weniger für sich alleine stehen kann, denn nach dem Piloten wird entschieden, ob der Sender eine komplette Staffel der Serie bestellt.

Um ein wenig Kontext zu liefern, hier ein paar der — meiner Meinung nach — besten Piloten überhaupt.

  • Firefly
  • Alias
  • Arrested Development
  • Pushing Daisies
  • Freaks and Geeks
  • Friday Night Lights
  • Lost
  • The Sopranos
  • Mad Men
  • The West Wing

Unter diesen Gesichtspunkten ist der Pilot von The Newsroom perfekt. Er tut all das auf eine so effektive Art und Weise, Sorkin-typisch mit Dialogen, dass man es gar nicht merkt, aber am Ende der 80 Minuten ein sehr genaues Bild davon hat, wo es mit der Serie hingeht und welche Vergangenheit die Charaktere miteinander haben. Es gibt keine Exposition, keine Bildtexte, keinen Sprecher aus dem Off, nur logische Handlungen und daraus entstehenden Dialogen, die Stück für Stück die einzelnen Facetten beleuchten.

Um auf die möglichen Probleme zu kommen, die möglicherweise im Laufe der Serie auf uns lauern werden, muss ich eine Kleinigkeit spoilern. So fiktiv der Nachrichtensender ist, die Welt in der die Serie spielt ist es nicht. Wir befinden uns im April 2010 und die Nachricht, die im Piloten bricht, ist der Oil Spill vor der Küste Louisianas. Der reveal dazu ist großartig btw.

Sorkin schreibt die Welt gerne (siehe The West Wing), wie sie sein sollte und nicht, wie sie ist. Hier befindet er sich also in der perfekten Lage, eine Nachricht ganze zwei Jahre später durch einen Sender aufbereiten zu lassen, nachdem ihm nun alle Informationen zur Verfügung stehen. Das kann man jetzt alles nicht so schlimm finden, aber wenn es sich nicht um Fiktion handelt und sich Sorkin über die Berichterstattung von CNN & Co. lustig macht, schwingt doch ein sehr bitterer Beigeschmack mit. Im Nachhinein ist es natürlich einfach die Wichtigkeit einer Nachricht zu bewerten, alle Informationen, die über viele Monate ans Tageslicht gekommen sind, geschickt aneinander zu reihen, um tolle News zu machen, aber so sieht die Realität nunmal nicht aus. Das ist dermaßen von obern herab, dass es sicher schnell nerven kann, wenn dieser Ansatz zu offensichtlich ist.

Wie gesagt, Aaron Sorkin schreibt gerne gute und intelligente Menschen, die sich aufopfern und gutes tun. Koste es was es wolle. Das ist alles sehr herzerwärmend und funktioniert ganz hervorragend bei The West Wing, aber auch nur, weil es sich dort um eine fiktionale Regierung mit fiktionalen Umständen handelt. Hier, in The Newsroom, kann ich mich nicht damit anfreunden, denn der erhobene Zeigefinger ist zu omnipräsent.

Versteht mich nicht falsch. Das hier ist meckern auf sehr hohem Niveau. Niemand schreibt so tolle Dialoge und weiß Episoden strukturell so gut zu erzählen, wie Sorkin. Das ist alles ganz großes Kino, aber der reale Kontext und wie damit umgegangen wird, werfen einen düsteren Schatten auf die Serie, von dem ich schwer gespannt bin, ob er sich dauerhaft manifestiert, oder im Laufe der ersten Staffel verschwindet. Das wird sich zeigen. Glaubt man den Kritikern, die ich gerne lese, ist Sorkins belehrende Stimme in den ersten vier Folgen zu präsent, dass die Nerverei fast überwiegt.

Der Pilot selber ist aber — trotz allem — ein ganz hervorragendes, abgeschlossenes Stück Kunst, das nicht weniger als eine volle Punktzahl verdient.

★★★★★

Trailer

Comments