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John From Cincinnati

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Das, was ich von David Milch kenne (Deadwood, Luck) mag ich sehr. Vor allem die Sprache und verschrobenen Figuren, die er benutzt. Deshalb machte ich mich an seinen Deadwood-Nachfolger John from Cincinnati.

Plot

Dieses Drama spielt im Surfort Imperial Beach in Kalifornien, in dem ein sonderbarer junger Mann namens John auftaucht, der versucht einen positiven Einfluss auf die zerrüttete Surferfamilie Yost und deren Umfeld zu nehmen.

Kritik

Um ein Gefühl für die Serie zu geben, muss ich wohl etwas auf die Hauptfiguren eingehen. Die engere Yost-Familie besteht aus 5 Personen. Zum einen ist da der heroinabhängige Butchie (Brian Van Holt – Cougartown), der vor 15 Jahren eine riesige Nummer im Surfsport war, dann aber abstürtze, ein Kind (Shaun) mit einer künftigen Pornodarstellerin bekam, diese das Neugeborene Butchies Eltern (Mitch (Bruce Greenwood) und Cissi) überließ und sich absetzte. Shaun wurde von seinen zerstrittenen Großeltern großgezogen und ist, in dem Moment in dem die Serie losgeht, ein angehender Surfstar, der kurz davor steht, von einem großen Surfausstatter (dessen Besitzer und Talentscout von Luke Perry gespielt wird) unter Vertrag genommen zu werden.

Gleich im Piloten kreuzen sich die Wege von Butchie und dem sonderbaren John, der einen leicht zurückgebliebenen Eindruck macht (er kommuniziert im Wesentlichen dadurch, dass er andere nachplappert), magische Hosentaschen hat, aus denen er alles ziehen kann, was er möchte, sich selbst und andere heilen kann, sich selbst astralprojezieren kann und die Gedanken anderer lesen kann. Yeah! It’s that kind of a show.
Im Laufe der Serie berührt John das Leben vieler, im direkten Yost-Umfeld lebender Personen, indem er ihnen kryptische Ratschläge gibt und mehr oder weniger sanft in eine bestimmte Richtung lenkt.

Weitere personelle Highlights sind Ed O’Neil, Luis Guzmán und diverseste Deadwood Alumni.

Die Stärke der Serie sind zweifelsohne die unkonventionellen Figuren und ihre Situationen, in denen sie sich befinden, der skurile Humor und der Milch-Speak. David Milch hat mit NYPD Blue eine gewisse Dialogform geschaffen, die sehr ungewöhnlich und recht kompliziert ist. Diese wurde in Deadwood und Luck beispielsweise mit den sprachlichen Eigenheiten der Zeit (in Deadwood) bzw. dem spezifischen Vokabular einer Pferderennbahn (im Fall von Luck) angereichert. So auch hier in John from Cincinnati. Das muss man mögen und im englischen recht fit sein, denn sonst versteht man, ob des unkonventionellen Satzbaus und Vokabular, nur die Hälfte. (Keine Ahnung wie viel davon in der dt. Syncho übrig bleibt)

Die Schwäche ist die geringe Fokussierung auf einen Kern der mit der Serie behandelt werden soll. Manche Storylines flattern nur so im Wind und finden kaum Beachtung, während manchen Figuren, zu viel Platz eingeräumt wird. So wird manchmal nicht wirklich klar, worum es hier eigentlich gehen soll. Sind es die Eheprobleme der Großeltern, die coming of age Geschichte des jungen Shauns, Butchies Kampf gegen die Drogen, diverse Selbstfindungsprobleme von in diesem Artikel nicht angesprochenen Nebenfiguren, oder eben der mysteriöse John, der sie alle aus der Reserve lockt und für deren Veränderung zuständig ist.

So kommt es, dass jede einzelne Folge eine Berg- und Talfahrt zwischen Brillianz und Belanglosigkeit bzw. Verwirrung ist. Manche Folgen sind insgesamt ganz toll und zeigen, welch immenses Potential in den Surf-Noir-Büchern steckt, andere haben nur fantastische Momente, verlieren sich aber sonst in den nervigen Eskapaden der Großmutter oder allgemeiner Verwirrung.

Wer aber David Milch und seinen Stil mag, Lust darauf hat einen großen Haufen des Deadwood-Casts bzw. einen ganz anderen Ed O’Neil zu sehen, der sollte sich diese zehn Episoden mal anschauen. Ich mochte John from Concinnati trotz seiner Schwächen sehr, auch weil ich noch nie etwas Vergleichbares gesehen habe. Definitiv ein Genrehighlight.

★★★✩✩

Promo zur Serie

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