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Jaws #50in50

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Der von der Allgemeinheit wahrscheinlich am höchsten geratete Film auf meiner list of shame ist wohl Jaws. Vergangene Woche sah ich ihn nun endlich und was soll ich sagen, der ist sogar ziemlich gut.

Der Plot sollte ja allgemein bekannt sein — sogar ich wusste worum es geht, ist dieser Streifen doch ausreichend ins popkulturelle Wissen gesickert — Hai terrorisiert Strand eines Touristenortes, Hai wird gejagt.

Kritik

Jaws ist im Wesentlichen der bestmögliche Genrefilm / B-Movie, den man sich vorstellen kann. Er nimmt sich eine Situation — den weißen Hai, der einen Strand terrorisiert — schafft es mit wenig Mitteln und cleveren Sequenzen immense Spannung aufzubauen, ohne das Terrorobjekt zu zeigen und beut zusätzlich eine hervorragende Charaktergeschichte ein. Die meisten Filme begnügen sich mit ersterem und können dadurch gute Genrefilme werden, transzendieren das Genre dabei aber nicht.

Jaws ist da anders. Einerseits haben wir hier einen ähnlichen Ansatz Spannung zu erzeugen, wie in Alien, indem mit der Angst vor dem Unbekannten gespielt wird. Es müssen kaum Szenen gedreht werden, in denen der Hai tatsächlich angreift, sondern es werden Aufnahmen aus einem dokumentarischen Bildband gezeigt, die zeigen, was für eine Zerstörung von einem weißen Hai hinterlassen werden kann und zum anderen haben wir den Haispezialisten, der anhand von zerstörten Booten und einem gefundenen Zahn des Hais das tatsächliche Ausmaß des Hais eruiert und so Angst und Schrecken in sowohl den Protagonisten, als auch dem Zuschauer erzeugt. Bis dahin haben wir den Hai noch kein einziges Mal gesehen, sondern ihn nur aus Egoperspektive mit seinem furchteinflößenden Theme umherschwimmen sehen.
Himmel! Der Soundtrack! Das Main Theme! Wie mit nur zwei Tönen so ikonografisch so viel Spannung erzeugt werden kann, zeigt, dass Filmkomponisten im Idealfall weit mehr machen, als dem Film ein Klangbett zu bieten. Der Wiedererkennungswert und die sofort einsetzende Beklemmung sind einfach meisterhaft.

Andererseits ist Jaws in der Lage unseren drei Protagonisten ein faccettenreiches Wesen und eine klare Motivation zu geben, ohne in lange Exposition oder gekünstelte Dialoge auszubrechen. Der Polizeichef, der Meeresbiologe und der Haijäger werden im natürlichen Filmfluss eingeführt und vertieft, so dass der Zuschauer im dritten Akt, wenn die drei aufs Meer fahren, um den Hai zu jagen, die genaue Motivation, deren Ängste und den daraus resultierenden Heldentum kennt und emotional in deren Erfolg investiert ist.

Abgesehen von all der Genialität, mit der Steven Spielberg hier am Werk ist, bin ich der Meinung, dass der dritte Akt etwas auseinander fällt. Die immense Spannung, die in den ersten zwei dritteln des Filmes aufgebaut wird, kann leider nicht gehalten werden, da die Furcht vor dem Unbekannten meiner Meinung nach viel effektiver ist, als das Monster am Ende zu sehen. Auch wenn mir das Katz und Maus Spiel zwischen Hai und Crew gut gefallen hat, zog sich die Jagd zu lange hin und ich fragte mich mehrmals, warum sie mit dem Hai keinen kurzen Prozess machen und ihn mit einem großkalibrigen Gewehr einfach abknallen.

Am Ende ist Jaws ein hervorragender Thriller / Abenteuerfilm, der von der ersten bis zur letzten Minute fesselt, motivierte Figuren handeln lässt und den Kampf zwischen Mensch und Natur nicht in eine hirnlose Materialschlacht ausarten lässt. Das Maß an Gewalt, Blut und zerfetzten Körpern ist gerade Richtig, um die Bedrohung zu illustrieren, es aber nicht zu übertreiben. Eine tolle Geschichte, angenehm geradlinig, sauber und brilliant erzählt.

★★★★✩

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