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Game of Thrones Und Seine Schwächen

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Nach zwei Staffeln Game of Thrones ist es an der Zeit die Serie einmal Revue passieren zu lassen.
Ich habe die Bücher nicht gelesen und habe also nur den Blick des Fernsehzuschauers.

Game of Thrones Season 2 Banner

Verfilmungen bzw. TV-Umsetzungen von mehrbändigen Romanen sind immer schwer, im Besonderen, wenn es so viele parallele Handlungsstränge gibt, wie hier. Der Herr der Ringe, der meiner Meinung nach am Nächsten an die Komplexität von Game of Thrones herankommt, schaffte die mittelmäßige Umsetzung nur durch das Weglassen einiger Nebenstränge und die opulente Umsetzung von Landschaft und Kampf, deren detaillierte Beschreibungen einen immensen Raum in den Büchern einnehmen.

Game of Thrones hingegen ist, wie ich aus der Serie schließe, mehr politisches Schauspiel und Intriegerei als ausladene Reisen und Gemetzel und hat ergo mehr Plot zu bewältigen.
Hier stößt GoT auf zwei gravierende Probleme. Zum einen haben wir acht bis zehn parallele Geschichten scheinbar gleichwertiger Relevanz, die in 10 Folgen halbwegs verstandlich erzählt werden wollen, andererseits gibt es eine Handvoll Lieblingsfiguren, die, so denkt jedenfalls der Sender / Showrunner, in jeder Woche auftauchen sollen, damit es keinen Aufstand der Fans gibt. Wir alle lieben die Tyrion Lannister weekly badass show, vermissen Dany, wenn sie nicht jemanden rund macht und der süße Jon Snow soll selbstverständlich auch in jeder Folge ein wallendes Haupthaar schütteln. Und, nicht zu vergessen, interessiert uns, wie es mit everybodys darling Arya weitergeht.

Hier liegt das Riesenproblem begraben. Die Storylines aller Hauptfiguren werden so sehr ausgedünnt, dass wir wenigstens in den letzten 90 Sekunden jeder Folge einen Fetzen von Danny sehen können. Dabei werden eigentlich spannende Storylines, die man schön kompakt in drei Folgen erzählen könnte, so sehr verwässert, dass sie jede Durchschlagskraft verlieren.

Die aktuelle Folge (Blackwater) zeigt, wie falsch diese Prämisse ist. Abgesehen von den offensichtlichen Problemen, die diese Episode hatte, war sie doch das Paradebeispiel dafür, wie gut es funktioniert zwei Geschichten an einem Ort zu erzählen, denn das können sie so einnehmend, dass ich keine Sekunde darüber nachgedacht habe, was denn gerade Rob Stark oder Jon Snow so treiben. Im Gegenteil. Hier wurde der scheinbar wichtigsten Sequenz des zweiten Buches der Raum gegeben, den es braucht, um ihn für den Zuschauer begreifbar zu erzählen. Bitte mehr davon.

Dadurch, dass es sich bei Blackwater um eine Ausnahme handelte, wirkt jede andere Folge Game of Thrones nur noch so, als ob die Showrunner mit dem aktuellen Band auf dem Schoß hinter der Kamera sitzen und die einzelnen Plotpunkte durch einen Zweizeiler abzuhaken versuchen. Das wirkt für mich völlig beliebig und keine Story bekommt die nötige Schwere, die sie für einen ordentlichen Payoff bräuchte. Wollte ich an dieser Stelle ein wenig übertreiben, könnte ich behaupten das schnelle Überfliegen der Plotpunkte auf der Wikipediaseite brächte mir das gleiche, wie die Fernsehumsetzung.
Die Show ist so sehr Fanservice, wie es die Harry Potter Verfilmungen sind. Fans der Bücher haben keine Probleme ganz automatisch die Lücken in ihrem Kopf zu füllen, Charaktermotivationen zu verstehen oder die Transitionen zwischen den verschiedenen Sequenzen nachzuvollziehen, da all dem in den Büchern der nötige Raum gegeben wird. Für mich besteht jede Folge nur aus einem Stapel Karteikarten mit Bulletpoints, denen nicht selten jegliche Verbindung fehlt.

Ich würde mich ja als recht aufmerksamen Zuschauer betrachten, aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, was Snow nördlich der Wand treibt, warum sich nicht einige der Gegner der Lanisters zusammenschließen, um überhaupt eine Chance zu haben Kings Landing zu erobern oder wie die Spielregeln von Melisandres smoke monster aussehen. Oft fehlen einfach die nötigen Hintergründe und persönliche Geschichten der Figuren, um deren Handeln zu verstehen. Und wenn uns die Autoren mal einen Haufen Exposition um die Ohren hauen, geschieht das nicht selten, während im Hintergrund zwei glattrasierte Frauen korpulieren, was den hervorragenden Ausdruck Sexposition geprägt hat. Es könnte ja sonst langweilig werden, für den werten Zuschauer.

Ein weiteres Problem an der Übersetzung vom Buch zur Serie ist das geänderte Alter der etwas jüngeren Protagonisten, ohne deren Geschichten bzw. Motivationen anzupassen. Ich kann verstehen, dass HBO keine 13-jährige Daenerys Targaryen auf ihren Flimmerkisten vergewaltigt werden lassen möchte, aber wenn ich mir die (in der Serie) erwachsenen Stark Brüder ansehe, wie sie wie kleine Schulkinder mit anderen Frauen umgehen oder als Kriegsherr gefeiert werden, ist das dem immensen Altersunterschied im Vergleich zum Buch geschuldet. Es wurden schließlich genügend Aspekte vom Buch geändert, dass man die Sandkastenflirts auch hätte bleiben lassen können, bzw. hätte anpassen können.

Alles in allem beherrschen mich sehr gemischte Gefühle bezüglich Game of Thrones. Ich starte jede Staffel voller Begeisterung, während spannende Handlungsstränge ins Rollen gebracht werden und ich endlich meine liebgewonnenen Helden wiedersehen kann. Diese Begeisterung flaut aber zur Halbzeit stark ab, weil dann die angesprochenen Probleme immer deutlicher werden, bis ich, so wie jetzt, froh bin, wenn die Staffel endlich vorbei ist.

Ich bin der Meinung, dass der Erzählstruktur der Serie grundlegend verändert werden sollte. Lieber nur halbsoviele Storylines pro Folge, diese dafür straffer zu Ende erzählen und mich gerne auch mal 3 Folgen ohne meine Lieblingsfigur auskommen lassen. Am Ende möchte ich gerne eine tolle Geschichte erzählt bekommen und nicht nur die zusammenhangslose Idee einer Geschichte.

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