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Borgen - Gefährliche Seilschaften

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Von Anfang Februar bis Anfang März lief auf Arte die dt. Synchronfassung der dänischen Fernsehserie Borgen in zehn Folgen zu je einer Stunde, die ich dann letztens mal in (halbwegs) einem Rutsch durchschaute.

Borgen 8

Plot

Der Mittelpunkt des Politdramas ist Birgitte Nyborg, die überraschend zur ersten weiblichen Premierministerin in Dänemark gewählt und daraufhin in ihrem politischen Alltag und Privatleben begleitet wird. Einen fast gleichgroßen Anteil nimmt die Arbeit vor und hinter der Kamrea des größten dänischen Fernsehsenders TV1 ein, der im Wesentlichen am Nachrichtenchef und der ambitionierten jungen Journalistin und Moderatorin illustriert wird.

Die Serie handelt von Intrigen und Machtspielen in der Politik, wie sie von der Presse aufgenommen werden und was diese am Ende möglicherweise für einen Einfluss auf das Privatleben der Protagonisten nehmen.

Kritik

Im Wesentlichen ist Borgen eine Mischung aus The West Wing und dem, was ich mir unter der neuen Sorkin Serie The Newsroom vorstelle. Tagesgeschäft in Politik und Presse am Beispiel von einer Handvoll Personen.

Dabei wirkt Borgen keineswegs wie ein ripoff, sondern macht sein eigenes Ding. Wo The West Wing zu 90% im Weißen Haus stattfindet, wechseln die Schauplätze vom Schloss Christiansborg (aus dem sich der Titel ableitet), welches die drei Gewalten Dänemarks beherbergt, zu den Redaktionsräumen von TV1 bis in die privaten vier Wände der Hauptfiguren. Das alles zeichnet ein sehr detailliertes Bild der politischen und privaten Krisen und Probleme und zeigt die private und menschliche Seite der Figuren, was bei The West Wing manchmal etwas verloren ging.

Zudem wirken die politischen Akteure kaum staatsmännisch, fast unprofessionell in manchen Situationen, reißen das Ruder aber immer auf beeindruckende Art und Weise wieder herum, was sehr eindrucksvoll zu sehen ist, wenn sich eine Weltmacht wie Amerika zum Besuch ankündigt, nachdem heraus kommt, dass die CIA geheime Gefangenentransporte auf dänischem Boden abwickeln. In solchen Situationen merkt man, dass Dänemark im weltpolitischen Kontext ein ziemlich unwichtiger Player ist, sie aber innenpolitisch genauso wichtige Probleme haben, wie die “Großen”. Dieser Kontrast macht den Charme von Borgen aus. Ausserdem sind alle Storylines spannend erzählt und interessant gespielt und überaus abwechslungsreich, weil eben private Aspekte im Leben von Politikern und Journalisten spürbare Auswirkungen auf deren Berufsleben haben und umgekehrt.

Eine positive Erwähnung hat sowohl der hervorragend gespielte Spin Doktor der Premierministerin verdient, der in jeder Sekunde sowohl Presse, als auch die Mitglieder der anderen Parteien im Griff hat, als auch seine direkte Gegenspielerin, die junge Journalistin von TV1, die mit fast jedem in ihrem Umfeld wegen ihrer Überambitioniertheit aneinandergerät.

Eine wirklich tolle kleine Serie, die mich sehr überraschte, die einen fordert, spannend unterhält und einen guten Stoff relativ unkonventionell erzählt. Ich für meinen Teil, kann die zweite Staffel kaum erwarten.

★★★★✩

Der Trailer zur ersten Staffel

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