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Veep - Pilot

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Es ist endlich soweit. Armando Iannucci, einer meiner Lieblingscomedyautoren (In The Loop, The Thick of It, Four Lions), ist mit seiner neuen Serie namens Veep am Start.

Veep 01 Titles

Plot

Die ganze Serie ist sehr stark an sein britisches Vorbild namens The Thick of It angelehnt, in dem das Tagesgeschäft im britischen Parlament um den Spin Doctor Malcolm Tucker und etwa eine handvoll Funktionäre um ihn herum begleitet.

So ähnlich ist es auch bei Veep. Julia Louis-Dreyfus mimt die amerikanische Vizepräsidentin und wird — zusammen mit ihrem Stab — bei ihrem politischen Alltag begleitet, nur dass dabei so ziemlich alles schief geht, was schief gehen kann. Ein Großteil der Comedy wird aus dem Gefälle zwischen dem Fakt, dass sie die zweitmächtigste Person im Land ist, aber andererseits weitestgehend unwichtig ist, so lange der Präsident im Amt ist, gezogen. Sie ist im Prinzip nur eine weitere Schachfigur in der politischen Agenda des Präsidenten. So hastet sie von einem unwichtigen Meeting zum Anderen, versucht dabei ihre Agenda durchzuboxen, wird davon aber ständig abgehalten, weil sie mit der politischen Linie des Weißen Hauses zusammenprallt.

Kritik

Ich bin ja ein großer Fan von Iannucci und seiner Art Comedy zu schreiben. Hier wird selten auf eine Punchline hingearbeitet, sondern versucht eine insgesamt möglichst absurde Situation zu erzeugen, in der die Akteure eigentlich nur noch mit kurzen Dialogen und kreativem Gefluche das Ganze kommentieren müssen. Das funktioniert bei Veep fast genauso gut, wie bei The Thick of It, fehlt doch eine so zentrale Figur, wie Malcolm Tucker, der jede Szene zum Leben erweckt. In dieser Serie soll sich das wohl etwas mehr verteilen, was mit dem guten Cast und dem absurden Setting durchaus funktionieren kann.
Tatsächlich gibt es einen Aspekt, der mich ziemlich stört. Leben doch viele Comedys von dem Gefälle aus cleveren/intelligenten Figuren und Dummköpfen, so gibt es in Veep eigentlich nur Chaoten, die nichts auf die Reihe kriegen. Das könnte schnell zu sehr zu Slapstick ausarten, worauf ich auf Dauer eigentlich keine Lust hätte. Aber warten wir mal ab.

Die Politsatire ist, genau wie sein britisches Vorbild, im cinéma-vérité-style gedreht, also einer Mischung aus doc-style und Improvisation. Diese Art zu drehen, verlangt den Darstellern einiges ab, kann aber zu hervorragender Situationskomik und weniger glattpolierten Witzen führen, was im Piloten schon sehr gut funktioniert. Eine weitere Quelle für gute Situationen ist das Weiterlaufenlassen der Kamera, nachdem sich die Szene schon aufgelöst hat. So werden oft unerwartete Aktionen und Reaktionen eingefangen, die man in einer ‘normalen’ Sitcom nie zu sehen bekommen würde.

Ich bin jedenfalls froh wieder meinen Iannucci-Fix zu haben und werde mit Freude weiterschauen. Sollte der werte Leser Spass an Veep haben, sei ihm doch aber wärmstens The Thick of It und In the Loop ans Herz gelegt, denn die sind merklich besser.

★★★★✩

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