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The Girl With the Dragon Tattoo

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Ich habe die Bücher nicht gelesen und die schwedischen Filme nicht gesehen. Ich bin also ganz frisch und unvorbelastet in den Film gegangen.

Besonders viel kann ich gar nicht dazu sagen, ausser dass es ein recht solider Thriller ist, der stark unter der scheinbar vorgegebenen Romanstruktur leidet.

The Girl With the Dragon Tattoo

Aber positives zuerst. Rooney Mara, die die weibliche Hauptfigur spielt, ist eine mittlere Offenbarung. Sie spielt die Facetten der emotional distanzierten, oft verstörten und verstoßenden Figur der Lisbeth Salander mit einer Überzeugung und Intensität, dass man nicht anders kann, als mit ihr zu fühlen und ihr bei jedem Schritt auf ihren Weg dicht auf den Fersen zu bleiben.
Ihr rape-revenge-subplot ist verstörend, brutal, abstoßend und unglaublich effektiv umgesetzt und eine gute Studie und Motivation ihres Charakters für den Rest der Geschichte.

Daniel Craig verstand es, mich mit dieser für ihn recht untypischen Rolle, zu überraschen, wobei ich seine Unwiederstehlichkeit bei den Frauen nicht ganz nachvollziehen konnte. Aber er passte sehr gut in den Film und gab mit Rooney Mara ein gutes Team mit viel Chemie ab.

Der dritte und letzte positive Aspekt des Filmes ist David Fincher, dessen visueller Stil diese Romanumsetzung erst zum funktionieren gebracht hat. Da etwa die Hälfte der Zeit mit diversen Recherche- und Ermittlungsarbeiten verbracht wird, ist es unerlässlich diese Seite spannend und einnehmend auf Zelluloid zu bannen. Eine so realistische Umsetzung dieser Arbeit gab es vorher nirgends und war trotzdem in der Lage eine gewisse Spannung zu erzeugen, ohne der typischen deus ex machina, die sonst durch ein ‘digital optimiertes Bild’ oder sonstigem Blödsinn hervorgeholt wird.
Desweiteren ist er genau der richtige, um einen Kill Room mit der Kamera einzufangen und so richtig creepy zu machen.

Andererseits ist an der Ermittlungsarbeit nicht viel spannendes herauszuholen. Hier wird nur Zeit totgeschlagen, um am Ende die nicht besonders interessante Murder Mystery aufzudecken.

Die Mystery ist das mit Abstand schwächste Element des Filmes. Man hat als Zuschauer nicht im Geringsten die Möglichkeit selber herauszufinden, wer der Mörder ist (abgesehen vom Cast vielleicht) und das ist meiner Meinung nach immer ein schlechtes Zeichen. Man schaut den Akteuren nur zu, anstatt mit ihnen eins und eins zusammen zählen zu können.

Und dann ist die Geschichte zu Ende erzählt, der Fall ist aufgeklärt und man packt schonmal seine Sachen zusammen, um das Kino zu verlassen und dann kommen nochmal 20 Minuten, die nichts, aber auch gar nichts mit der Story zu tun haben. Ich verstehe, dass dieser kleine Arc notwendig ist, um den folgenden Roman vorzubereiten, aber das hat meiner Meinung nach nichts in dem Film zu suchen. Wie ich oben schon sagte, Romanstruktur, die dem Film schadet.

Darüber hinaus sind die beiden bösen Männer im Film sowas von flach, eindimensional und unmotiviert, dass man sich fragt, wofür die fast drei Stunden Laufzeit verschwendet wurden. Also bitte, wir haben zwei Bösewichte (um die sich der ganze Film dreht), die unglaublich schlimmes tun und wir haben nicht die geringste Ahnung warum das so ist. Dadurch kann es nie zu einer echten Verbindung zwischen Zuschauer und Figuren oder gar dem ganzen Film kommen.

Also was soll das Ganze? Es gibt kein übergreifendes Thema, keine Moral, nur einen Thriller, von dem nach dem Abspann nichts übrig bleibt. Das ist ok und passend für hirnlose, etwas brutale Abendunterhaltung mit verstörenden Bildern, die nicht weh tut und scheinbar nicht mehr sein will. Ich habe mir fälschlicherweise weit mehr von The Girl With The Dragon Tattoo erwartet, aber was ich höre geben die Bücher nicht viel mehr her. Also wurde wohl das Optimum aus dem Basismaterial herausgeholt.

★★★✩✩

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