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Luck vs. House of Lies Und the Good Wife vs. Suits

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Ich habe einen soft spot für Berufsprolls, die gut sind in dem, was sie machen, intelligent sind und genau das in wichtigen Momenten ausspielen. Gute Beispiele dafür sind Martin Sheen als Präsident in The West Wing, Truxton Spangler aus Rubicon, Tony Soprano, Raylan Givens aus Justified, Malcolm Tucker in The Thick of it, Nucky aus Boardwalk Empire oder Tom Kane aus Boss, um einige zu nennen. All diese Figuren kombinieren Autorität in ihrem Bereich damit sehr gut zu sein in dem was sie tun und zeigen — die einen öfter als die anderen — wo der Hammer hängt.

Eine weitere Eigenschaft, die ich an Serien sehr schätze, ist eine mir fremde, reichhaltige und wohlgeformte Welt, in die ich fallen gelassen werde, ohne an die Hand genommen zu werden und mir durch den Erzähler oder ewige Exposition erklären zu lassen, sondern in der ich mich selber zurecht finden muss. Dabei ist es nicht wichtig, dass ich jeden Fachbegriff, jeden Dialog oder jedes Thema verstehe, so lange die Serie so gut geschrieben ist, dass ich mich in dem gezeigten Milieu wohl fühle und ich gerne mit den Protagonisten Zeit verbringen möchte. Ich vertraue dann sowohl Autoren, wie David Chase, Alan Ball, David Milch, David Simon oder Aaron Sorkin, als auch mir selber, über kurz oder lang, die wichtigen Aspekte der Serie zu verstehen.
Natürlich ist es leichter für den Zuschauer, wenn er im Piloten vollständig in die Welt und Figuren eingeführt wird, schließlich wird er von der Komplexität der Erzählung nicht verschreckt, aber ich bin der Meinung, dass solche Serien später auch nicht mehr komplexer werden und so nach dem Piloten nicht mehr besonders viel kommt.

Viel spannender ist es, wenn ich mitten in den Drogenkrieg in Baltimore, in den Westflügel des Weißen Hauses, in eine Gangsterfamilie aus New Jersey oder mitten in eine Analystenabteilung geworfen werde, die mit dem CIA zusammenarbeitet und ich erst herausfinden muss, wer mit wem zusammen arbeitet, wer verfeindet ist, worum es genau geht und das alles während die Geschichte ab der ersten Minute in vollem Gange ist.
Wenn eine solche Geschichte so komplex beginnt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie es bleibt und es immer wieder neue Aspekte zu entdecken und Figuren kennenzulernen gibt, als wenn alles fein säuberlich auf einem Tisch ausgebreitet wird.

Luck Poster hbo 1

Schaut man sich nun Luck und House of Lies an, kann man oben angesprochenes miteinander vergleichen. Beide Serien präsentieren uns mit einer uns recht unbekannten Welt. Zum einen halten wir uns auf einer Pferderennbahn auf, zum anderen begleiten wir eine Truppe Unternehmensberater. Hier hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Luck lässt uns zwischen Trainern, Jockeys, Pferdebesitzern und Pferdewettern fallen, setzt uns Fachjargon aus und erwartet vom Zuschauer selber mit der Zeit dahinter zu kommen und das tut man gerne, weil die Welt so authentisch ist und man sich so gerne mit den tollen Figuren umgibt.

House of Lies 500

House of Lies hingegen kann es nicht schnell genug gehen, uns jeden noch so offensichtlichen Begriff zu erklären. Dazu denken sie sich noch diese bescheuerte Technik aus, die besonders clever Exposition verpacken soll, in der die Hauptfigur die Zeit anhält, alles um ihn herum erstarrt, er sich zur Kamera dreht und in Ruhe erklärt, was gerade vor sich geht. Das ist noch viel schlimmer, als die trockenste Erklärung eines Sprechers aus dem Off, weil das so extrem Aufmerksamkeit auf sich zieht und die Serie dem Zuschauer ins Geschicht brüllt, wie dumm er doch sei. Zudem gibt die Welt nichts her, was einen am Schauen halten könnte. Keine Story, keine Carakterentwicklung, sondern nur stumpfe Profanität und ekelhafte Degradierierung von Frauen. Einfach zum Kotzen. So schlimm ist nichtmal Californication.

Goodwife

Einen ähnlichen Vergleich kann man zwischen The Good Wife und Suits ziehen. Beides sind Anwaltsserien, die in einer großen Kanzlei spielen und auch hier hört die Ähnlichkeit beider Serien schlagartig auf. The Good Wife schafft es die Arbeit eines Anwalts an einem Fall oder die eines Richters im Gerichtssaal spannend einzufangen und durch die Entwicklung eines Falls Drama, Spannung und Comedy zu erzeugen. Dazu kommen tolle Schauspieler, die hervorragend geschieben sind und alle auf ihre Art und Weise genial sind in dem was sie tun. Und so sind sie in der Lage — glaubhaft — immer mal wieder den Chef raushängen zu lassen und den Gegenüber anzuprollen. Ganz großartig.

Suits Banner

Suits hingegen versucht in etwa das gleiche, indem sie ein paar hübsche Menschen, die gut in engen Anzügen aussehen, in gläserne Büros zu setzen und über ihre Genialität und teuren Anzüge reden lassen. Genau das ist das Problem. Sie reden nur darüber. Es gibt kaum Momente, in denen die Charaktere sich einen Erfolg sichtbar erarbeiten, eine geniale Idee hatten oder einen unkonventionellen Schluss ziehen. Jedes mal fällt die Lösung des Problem vom Himmel, ohne dass man sieht, wo sie herkommt. Das ist einfach unbefriedigend, da entweder zu faul geschrieben oder zu wenig recherchiert, um eine vollständige Erzählung zu schaffen.
So rennen die Protagonisten in ihren arschteuren Anzügen von Location zu Location (die ihnen wohl am wichtigsten von allem sind) brüllen leere Floskeln und dumme Sprüche durch die Gegend und gewinnen ziemlich grundlos jeden Fall.
Am Ende sind die Figuren aus Suits genau das — ‘empty suits’, um es mit den Worten von David Aceveda aus The Shield zu sagen — und das ist einfach nur peinlich.


Luck

Luck befindet sich gerade am Ende seiner ersten Staffel und ist eine klare Empfehlung, wenn man die klassischen, langsamen HBO Serien mag.

★★★★✩

House of Lies

House of Lies ist der letzte Scheiß und vielleicht denen zu empfehlen, die Californication immernoch mit heller Begeisterung schauen.

House of Lies – Pilot – hirnrekorder

★✩✩✩✩

The Good Wife

Ein tolles Legal Drama, das ich jedem nur ans Herz legen kann, der auch nur ein kleines Interesse an diesem Genre hat.

The Good Wife – hirnrekorder
The Good Wife – Ein Nachtrag – hirnrekorder

★★★★✩

Suits

Eine langweilige Serie, in der nicht wirklich was passiert, aber ein Haufen schicker Männer in schicken engen Anzügen unterwegs sind. Wer also beispielsweise Entourage nur wegen Aris Anzügen geschaut hat, wird hier vielleicht auch zufrieden. Keine Ahnung.

★★✩✩✩

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