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Coq Au Vin

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Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich auf die Idee gekommen bin, dieses Gericht zu kochen. Ich habe es zuvor nur einmal gegessen, als meine Tante mit tiefen französischen Wurzeln, das vor etlichen Jahren mal machte. Und ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wie das genau schmeckte.

Jedenfalls habe ich mir irgendwann letzte Woche in den Kopf gesetzt, Coq au Vin kochen zu wollen. Also ein paar Rezepte miteinander verglichen und das bisschen Spielraum so angepasst, wie ich mir das Rezept am besten vorstellen kann.

Je besser das Huhn ist, desto besser. Ich war mit meinem €6,– Broiler für 1,2 kg sehr zufrieden. Dann ist es am besten die kleinen franz. Scharlotten zu benutzen. Die lösen sich sehr gut auf und passen geschmacklich ganz toll.

Die nächste kleine Entscheidung, die man treffen muss, ist zwischen Brandy und Congnac. Man sollte in jedem Fall das nehmen, was man da hat. Ich hatte beides nicht da und hab Brandy benutzt. Hat ganz toll geschmeckt.

Das nächste ist das Bacon. Am besten ist Bacon am Stück in etwa 3 mm dicke Streifen zu schneiden. Man kann auch Pancette nehmen. In jedem Fall sollte genug Fettanteil drin sein, denn in dem Baconfett brät nachher das Hühnchen.

Das letzte bisschen Vorwort widmet sich der selbstgemachten Hühnerbrühe, die man aus dem übrig gebliebenen Gerippe nach dem Zerlegen des Hühnchens mit allem was samt Innereien, Knochen und kleinen Fleischresten übrig bleibt. Das kommt mit den anderen Zutaten in einen Topf, wird gerade mit Wasser bedeckt und soll so lange wie möglich vor sich hin kochen. Wenn man also die Zeit hat die Brühe am Morgen anzusetzen, sollte man das ruhig machen, denn so wird die Brühe immer geschmackvoller.

Also. Glück auf dabei, es lohnt sich wirklich sehr!


Zutaten:

Ein ganzes Hühnchen (1,2-1,5 kg)
2 Zwiebeln, 1 Karotte, 6-10 Pfefferkörner, 1 Knoblauchzehe, 1 Stange Sellerie, Thymian, Petersilie für die Brühe
150g Bacon oder Pancetta
80g Butter
15 kleine Scharlotten
1 große Karotte
2 Stangen Sellerie 2 Knoblauchzehen
2 TL Mehl
2 EL Cognac oder Brandy
1 Flasche kräftiger Rotwein (Burgunder)
5 Zweige Thymian
3 Lobeerblätter
200g Champignons


Zuerst zerlegt man das Hühnchen (1,2-1,5 kg) in seine Einzelteile, also Keulen, Flügel, Brüste und legt diese zur Seite.


Hühnerbrühe

Das übrig gebliebene Gerippe in einen Topf, ein halbes Duzend Pfefferkörner, 1-2 grob zerteilte Möhren, eine Stange Sellerie, zwei Scharlotten, eine Knoblauchzehe, etwas Thymian und Petersilie (mit Stielen und so) hinzu und alles gerade mit Wasser bedecken, aufkochen, danach runterstellen und langsam vor sich hinsimmern lassen, bis die Hühnerbrühe später gebraucht wird.


Die 150g Bacon in schmale Streifen schneiden und zusammen mit einem guten Esslöffel Butter in einen schweren Topf geben und bei mittlerer Temperatur langsam goldbraun braten, ab und an zwischendurch rühren.
Während dessen das Hühnchen beidseitig mit Salz und Pfeffer würzen.

Wenn der Bacon fertig ist, es sollte sich schon eine schöne Schicht auf dem Boden des Topfes gebildet haben, Bacon raus in eine Schüssel, den Topf etwas runter stellen und die Hühnerteile auf der Hautseite in das Baconfett legen und solange braten, bis die Unterseite goldbraun ist, wenden und das geiche Spiel auf der anderen Seite nochmal.

Während dessen schält und hackt grob 4 kleine Scharlotten, 1 Karotte und 2 Stangen Sellerie. Ist das Hühnchen auf beiden Seiten goldbraun, raus damit und in die Schale mit dem Bacon. Den Herd auf Dünsttemperatur schalten (also ein wenig runter) und Scharlotten, Karotte und Sellerie in den Topf und alles langsam dünsten, bis es glasig ist und sich das meiste des Bodensatzes gelöst hat. Zwei in feine Scheiben geschnittene Knoblauchzehen hinzu, rühren und etwas weiter dünsten lassen.

Hühnchen und Bacon zurück in den Topf, zwei Teelöffel Mehl unterrühren, 2 Minuten braten, dann einen Schluck Cognac / Brandy, die Flasche Wein, 3 Lorbeerblätter und 5 Zweige Thymian dazu. Aufkochen lassen, Hitze runter, Deckel halb auf den Topf und köcheln lassen.

Während man den Topf aufkochen lässt, 10-12 Scharlotten fein hacken und 200g Champignons vierteln. Mit einem guten Esslöffel Butter in einer extra Pfanne anbraten, bis alles etwas Farbe bekommen hat. Salzen, pfeffern und ab in den großen Topf.

![Coq au Vin](http://i.imgur.com/Yo6dT.gif)

Nach 45 Minuten in den Topf schauen, wie das Hühnchen ist. Fällt es fast von selbst vom Knochen ist es gut, sonst die Stunde voll machen.

Hühnchen raus und den Herd hoch stellen, damit die Sauce sprudelnd einkochen kann und etwas dicklicher wird. Am Ende soll sie dicker, nicht dick aber glänzend sein. Ist es soweit, Topf wieder auf kleine Flamme, Hühnchen wieder aufwärmen, fertig.

Das Ganze kann man dann mit Salzkartoffeln, Kartoffelröstis vielleicht sogar mit ganz breiten Tagliatelle servieren.

Ein ganz hervorragendes Gericht, das eine Menge Zeit braucht (den halben Tag sollte man für alles schon rechnen) aber einfach unglaublich intensiv, erdig und lecker schmeckt. So lange man die einzelnen Schritte befolgt und in Ruhe und rechtzeitig alles schneidet ist das Rezept weder schwer noch hektisch. Wichtig sind die ganzen Röstaromen und dass alle Geschmäcker in dem einen Topf landen bzw. bleiben.

Wer an nem Wochenende etwas mehr Zeit hat, sollte das Rezept unbedingt mal probieren. Ich fands unglaublich gut und vor allem geschmacklich mal was ganz anderes. Ich bin begeistert.

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