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Brazil #50in50

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Der zweite Film (nach Alien) im Rahmen meines kleinen List of Shame Abarbeitungsprojekts ist Brazil. Ein kleiner Kulthit von 1985.

Brazildvd

Plot

Brazil erzählt eine satirische Dystopie über das Informationszeitalter, in dem das Volk vom Informationsministerium überwacht wird.

Hauptfigur ist Sam Lowry (Jonathan Pryce), der Teil des Systems ist und alles dafür tut, nicht aufzufallen. Er träumt davon ein geflügelter Held zu sein, der über dem bürokratischen Durcheinander, der Kontrolle und dem täglichen Terror, über den Wolken mit der engelsgleichen Frau seiner Träume umherfliegt.

Eines Tages wird durch einen sprichwörtlichen bug in the system ein Mr. Buttle anstelle eines Mr. Tuttle (Robert de Niro) von der Gedankenpolizei abgeholt und verhört. Sam bemerkt den Fehler und lernt im Rahmen dessen Aufklärung Buttles Nachbarin kennen, die genauso aussieht, wie die Frau seiner Träume. Fortan versucht er ihr im Laufe des Film näher zu kommen.

Kritik

Terry Gilliam schafft es mit Brazil eine Welt zu etablieren, die in Bürokratie und Papierkram versinkt und von schlecht gewarteten, kaum funktionierenden Maschinen geführt wird. Der Fantasie Gilliams sind hier keine Grenzen gesetzt. So ist jede Szene, jede Kameraeinstellung voll mit kleinen und großen Details und tollen Bildausschnitten. Hier konnte er sich richtig austoben und das sieht man.

Der Film ist tatsächlich recht komisch, wenn man auf diese Art von Humor steht und eigentlich ist für jeden etwas dabei. Sei es cleverer sprachlicher Witz oder bis zur Schmerzgrenze durchexerzierte physische Comedy, die — abgesehen vom sehr hölzernen Love Interest — verdammt gut gespielt wurde.

Sam ist ein Träumer in einer Welt, die keine Träumer zulässt. Die nicht besonders subtil dargestellte oppressive Gewalt (monolithische Gebäude mit endlosen Gängen, Schilder, die einem das Denken vorschreiben, wohin man auch schaut, die militärisch agierende Gedankenpolizei und der verstörende Spin auf der Henkersmaske) ist allgegenwertig und erklärt den Typ Traum (der Realitätsflucht), den unsere Hauptfigur hat, nur allzu gut.

Wo ich mich bei Alien noch freute, den Film so spät zu schauen und in den mitlerweile reichen popkulturellen Kontext zu setzen, bin ich bei Brazil eher traurig. Hätte ich ihn etwas zeitnaher zu seinem Erscheinen gesehen, wäre das Bild dieser Dystopie mit seinen reichen, phantasievollen Bildern eher bei mir hängen geblieben und hätte mich mit Sicherheit von den Socken gehauen.

Heute kann ich zwar objektiv anerkennen, was für ein technisches Meisterwerk Brazil ist und wie umwerfend er für seine Zeit gewesen sein muss, aber ich konnte zu diesem Film keinerlei emotionale Bindung aufbauen und so war Brazil für mich in erster Linie ein schwer folgbarer Film, der im dritten Akt etwas auseinander fällt und insgesamt zu lang ist.

★★★✩✩

P.S.: Ich würde meine Erfahrung mit Brazil vielleicht mit Monty Python and the Holy Grail (Ritter der Kokusnuss) vergleichen. Sieht man den zur richtigen Zeit in seinem Leben, kann er mit das lustigste sein, was es gibt und man kann ihn immer und immer wieder sehen, wodurch er nicht altert. Aber auch hier würde ich sagen funktioniert der Film bei weitem nicht mehr so gut, wenn man ihn heute zum ersten mal sieht, da sich der Humor extrem verändert hat und die trashigen Visuals wohl eher abschreckend wirken.

Wer weiterhin mitschauen möchte, der nächste Film wird Ferris Bueller’s Day Off sein.

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