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Awake - Pilot

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Awake 1

Awake hat eine sehr interessante Prämisse. Jason Isaacs spielt den Detective Michael Britten und hat zu Beginn des Piloten einen schweren Autounfall, bei dem seine Frau ums Leben kommt. Nun versucht er mit dieser Situation zurecht zu kommen, eine Verbindung zu seinem Sohn aufzubauen und sine Gefühlswelt und Lebenssituation mit einem Psychater zu sortieren.

Jetzt kommts! Geht er schlafen, wacht er in einer Welt auf, in der sein Sohn ums Leben gekommen ist, aber seine Frau überlebte und findet sich in einer zwar (abgesehen von seiner Familie) ähnlichen Version seiner Realität wieder, aber nicht in der Gleichen. So hat Michael einige Personen in seinem Leben, die in der jeweiligen Realität unterschiedliche Rollen einnehmen. Auf der einen Seite hat er eine Frau in der anderen einen Mann als Psychater, Kollegen haben einen unterschiedlich Rang oder wurden ausgetauscht und die Fälle, die er bearbeitet sind bestenfalls ähnlich.

Er führt also zwei parallele Leben. Das eine, in dem sein Sohn bei dem Autounfall ums Leben gekommen ist und das andere, in dem seine Frau starb. Mit Hilfe seiner beiden Psychater versucht er die Situation zu verstehen — also ob er träumt, oder eine der beiden Realitäten die wahrscheinlichere ist.

Kritik

Awake ist so wie LOST eine SciFi Serie im Dramamantel und hat eine saubere und einfache Prämisse, die man wunderbar weiterspinnen und in viele verschiedene Richtungen entwickeln kann. So funktionieren die besten SciFi Serien und so fühlte ich mich doch stark an The Lost Room erinnert.

Wirklich gut gefällt mir der Protagonist, der aufgrund seiner Situation keinen richtigen Grund hat zu trauern, weil er sowohl Sohn und Frau täglich sieht und mit ihnen zusammenlebt — nur eben nicht gleichzeitig — aber alle um ihn herum trauern und er das Spiel weitestgehend mitspielen muss. Denn seine Frau hat ihren Sohn verloren und sein Sohn, zu dem er scheinbar kein besonders gutes Verhältnis hatte, verlor seine Mutter. Nun muss er beiden über ihren Verlust helfen, hat ihn aber selber nicht erlebt und ist mehr damit beschäftigt seine Situation zu verstehen.

Damit kommen wir zum spannendsten Teil dieses Piloten. Seine Besuche bei den beiden Psychatern, die genialerweise zwei verschiedene Personen sind, so anders argumentieren und andere psychologische Herangehensweisen haben.
Er versucht also mit Hilfe der Beiden herauszufinden, ob eine der beiden Realitäten bloß ein Traum ist — natürlich ist es immer die andere Welt — oder ob mehr dahinter steckt. Denn es macht den Eindruck, dass Informationen von der einen Seite auf der anderen eine Rolle spielen, wobei das offen gelassen wird, denn er könnte diese Information unterbewusst aufgenommen und in seinem Schlaf manifestiert haben.

Man merkt, es steckt eine ganze Menge drin in diesem Piloten, aus dem sich eine spannende und emotionale Serie entwickeln könnte.
Das einzige schwach umgesetzte ist sein Job bzw. die Fälle die er am Tage lösen muss. Selbstverständlich braucht jeder Protagonist einen Job, dem er nachgehen muss, nur scheint das hier das Prozedurale Element der Serie zu werden, um Sendezeit zu füllen. Als Plotdevice für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Welten ist es zwar ganz passend — so löst er im Piloten einen Fall mit Informationen, die er möglicherweise aus der anderen Timeline hat — aber die Action ist doch sehr behäbig und uninteressant umgesetzt.
Aber das kann natürlich besser werden. Mich persönlich interessiert am meisten, seine emotionale Achterbahnfahrt und seine Interaktionen mit den Psychatern.

Awake ist durch die Bank weg toll besetzt, hervorzuheben sind die Ehefrau und beide Psychater, und überzeugend gespielt. Cinematographisch sind die Parallelwelten schön subtil durch eine leichte Farbcodierung unterscheidbar, was ein ziemlich cleverer Trick ist.

Der Pilot ist ambitioniert, sehr gut umgesetzt und hat immenses Potential, vor allem wenn sie es schaffen, den Actionanteil reibungsloser in die Serie zu integrieren. Ich bleibe auf jeden Fall mit Spannung am Ball, solange sich die Prämisse und das Hin und Her zwischen den Welten nicht bloß als Case of the week Vehikel zufrieden gibt.

★★★★✩

P.S.: Ich hoffe nur, unsere werte Hauptfigur liegt nicht die ganze Zeit im Koma oder während der Serie im Sterben am Unfallort und wird von Frau und Sohn im Arm gehalten. (Oder ist selber tot for that matter) Wenn so das Finale aussieht, werden der Serie post mortem 2 Sterne abgezogen und ich muss irgendwas anzünden.

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