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The Good Wife

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Ich schaue ja keine Legal Dramas. Ist irgendwie nicht mein Genre, vor allem weil das meist Procedurals sind, also ein Fall pro Woche, ohne eine große Geschichte im Hintergrund und das sind eben eher die Serien, an denen ich hängen bleibe.
Nun wird The Good Wife Jahr für Jahr mit Emmys und weiteren Preisen überschüttet und viele Kritiker bezeichnen die Serie als eine der besten Serien, die kaum ein ernsthafter Seriengucker schaut. Wahrscheinlich, weil es bei CBS läuft und auf den ersten Blick wie ein glattproduziertes, oberflächliches 08/15 Gerichtsdrama aussieht.

GoodWife

So fängt es auch an. Alles ist glossy, alle haben Luxusprobleme, es gibt die typischen schlecht spielenden Kinder, die auf nervende Art und Weise Drama aus der langweiligsten Ecke holen und die etwas zu offensichtlichen Guten und Bösen in der ganzen Truppe.

Nun ist das alles der erste und zweite Blick, aber dann… aber dann…

Plot

Alicia Florrick (Julianna Margulies) ist die Frau des Staatsanwalts Peter, der in einen Sex-Skandal verwickelt ist, worüber er ins Gefängnis kommt und die Ehe kurz vorm Zerbrechen steht. Alicia muss nun aus Mutter- und Hausfrauenrolle herausbrechen, um die Familie finanziell zu unterstützen. Sie kehrt in ihren alten Job zurück, fängt in einer großen Anwaltskanzlei namens Lockhart / Gardner & Stern an und arbeitet sich dort langsam hoch. Nicht zuletzt wegen der Inside-Informationen, die sie zum Teil von ihrem Mann bekommt.

Ansonsten gibt es Woche für Woche einen neuen Fall und wir begleiten sowohl die Ehe der Florricks und den Versuch der Rückkehr Peters ins politische Geschäft.

Kritik

The Good Wife ist so dermaßen ein slow burn, dass die erste Hälfte der ersten Staffel zwar seine Momente und spannende Einzelfälle hat, aber zu sehr case of the week ist, zu prominent die Kinder featured und damit manchmal mittelmäßig nervig ist. Alle Schauspieler scheinen einen Stock im Arsch zu haben, die moralische Ambiguität der Kanzlei-Ermittlerin kann man an der Farbe der Ledermontur ablesen und die Fahrstuhlmusik im Hintergrund tut ihr übriges um eine gute Serie unter einer schlechten zu verstecken.

Denn im Kern ist The Good Wife eine ganz hervorragende Serie. Die Fälle, die Folge für Folge vor Gericht ausgefochten werden sind spannend, immer anders und haben charmante Protagonisten, die verdammt gut in ihrem Job sind. Hier werden passende Gesetzeslücken gefunden, Strategien geändert und neue Beweisstücke aufgedeckt oder alte vernichtet, um den Fall um 180° zu drehen. Die Serie hat damit alles, was sie braucht um ein hervorragendes Legal Drama zu sein, denn das wichtigste sind intelligente Menschen, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut und die von von ihrer Arbeit so sehr überzeugt sind, dass sie in wichtigen Situationen alle anderen anprollen können und das auch tuen. Genau das liebe ich an The West Wing und Rubicon — intelligente Menschen, die intelligente Dinge tun.

Abgesehen von den Kindern ist die Serie durch die Bank weg hervorragend gespielt, nicht zuletzt wegen der sehr guten Nebenrollen und Extras, mit denen eine solche Serie eben steht und fällt.

Das einzige, was ich nicht so ganz verstehe, ist die sich überschlagende Begeisterung für Archie Panjabi alias Kalinda Sharma, die in-house-Ermittlerin der Kanzlei, die sowohl für saubere und dreckige Wäsche zuständig ist. Die Serie versucht uns zu verkaufen, dass die der totale badass ist, die einsame Streiterin, die verschlossene und emotionslose Frau mit geheimnisvoller Vergangenheit. Aber ausser einem Kleiderschrank voll mit etwa 200 Lederjacken, einem stoischen Blick und viel Schweigsamkeit, nehme ich dieser Figur nichts weiter ab. Klar, jetzt werden einige sagen, dass sie die stärkste der starken Frauenrollen in dieser Serie ist, aber zum Einen möchte ich das bezweifeln (es gibt insgesamt vier starke Frauen und Kalinda ist mindestens die zweitschwächste der vier) und zum Anderen finde ich sie sehr behäbig gespielt.
Das soll aber nicht davon ablenken, dass The Good Wife voller toller Figuren ist, die man lieben und hassen kann.

Über alles hinaus hat The Good Wife ein Stein im Brett bei mir, weil sie hervorragend castet. So hat Michael J. Fox eine ziemlich regelmäßige Rolle als Anwalt mit einer Nervenkrankheit und der halbe Cast von The Wire bekommt nach und nach kleine bis mittlere Parts, was mich immer sehr freut, da die Wenigsten seit The Wire regelmäßige Arbeit bekommen, sie mir aber dort so sehr ans Herz gewachsen sind.

Wer also Legal Dramas mag, oder die eigene Seriendiät mit diesem Genre etwas auffrischen möchte, dem sei The Good Wife wärmstens empfohlen. Und wie gesagt — so richtig gut wird die Serie ab Folge 13, wenn auf einmal alle angestoßenen Storylines aufeinandertreffen.

★★★★✩

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