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Battlestar Galactica - Review

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Ich finde es immer wieder erstaunlich, was für Serien so an einem vorbei gehen, bzw. wie man sie grundsätzlich aufgrund von Oberflächlichkeiten ablehnt. Mir ging es bei Battlestar Galactica so. Ich habe mich nie besonders für Science Fiction im Weltall interessiert — nie Star Trek gesehen oder ein Interesse an Babylon 5 gehabt und keine besondere Begeisterung für Star Wars entwickeln können. Das einzige, was selbstverständlich der absolute Oberknaller ist, ist Firefly. Über Battlestar Galactica wusste ich wenig und vermutete nur eine Aneinanderreihung von Monster/Case of the Week Episoden, but damn was I wrong!

Ich versuche im Folgenden so spoilerfrei wie möglich zu bleiben, um dem geneigten Leser den Mund wässrig zu machen, aber die Serie nicht zu versauen. Am Ende werde ich detaillierter auf Kleinigkeiten eingehen, die ich besonders erwähnenswert finde, aber mir auch hier die massiven Spoiler verkneifen. Wer komplett Spoilerfrei lesen möchte, sollte die Abschnitte über meine Probleme mit der Serie, der Auseinandersetzung mit dem Finale und den Besprechungen der herausragenden Episoden überspringen.

Plot

Die Menschen kolonisierten 12 Planeten und bauten intelligente und autonom denkende Roboter (Cylons), die sie versklavten. Die Cylons rebellierten und zogen in den Krieg gegen die Menschen. Später vereinbarten beide Parteien einen Waffenstillstand und die Cylons zogen sich von den 12 Kolonien der Menschen zurück und wurden nicht mehr gesehen. 40 Jahre später kommen die Cylons zurück, um die Menschen auszurotten. In einem strategisch lang geplanten Angriff und der Hilfe eines Menschen bomben sie alle von Menschen bevölkerten Planeten in Schutt und Asche. Es überleben etwa 50.000 Zivilisten und das einzige Militärraumschiff — die Battlestar Galactica.

Über den Verlauf der Serie sucht die menschliche Flotte einen neuen Planeten, den sie ihr Zuhause nennen kann — Erde — während sie dauerhaft von den Cylons gejagt werden.

Es geht um Religion als treibende Kraft und ständiger Motor für Mensch und Cylon, Politik und dessen Schwierigkeiten in Kriegszeiten und dem blanken Überleben einer Rasse, die kurz vor einem vollständigen Genozid steht.

Das ganze gepaart mit einem tollen Cast, epischen Space Battles, einem unglaublichen Soundtrack und einer wirklich fantastischen Geschichte mit vielen Irrungen und Wirrungen, Wendungen und Awesomeness ergibt eine ganz tolle Space Opera.

Kritik

Als ich BSG begann zu schauen, musste ich schon etwas über die schlechten Spezialeffekte hinwegsehen, denn die funktionieren anfangs nicht wirklich — dran bleiben, es wird besser. Aber man merkt sehr schnell, dass es darum nicht geht. Die Roboter und Raumschiffe sind nur ein Mittel zum Zweck, um eine tiefgründige Geschichte um Glauben, Hoffnung und dem Fortbestehen der Menschheit zu erzählen. Das ganze CGI-Gedöns ist also eigentlich nur Tapete, die am Anfang ziemlich hässlich, ab der zweiten Staffel aber mindestens adäquat ist und stetig besser wird. Also nicht abschrecken lassen, die Story ist das Wesentliche.

Die Serie beginnt mit einer zweistündigen Miniserie, die uns ein wenig das Leben auf dem Planeten Caprica und die Vorbereitungen auf den Cylonangriff zeigt. Dann tritt BSG voll aufs Gaspedal und steigt zweieinhalb Staffeln lang nicht davon runter. Hier wird so viel Plot erzählt, unsere Helden von einer Herausforderung zur nächsten geworfen und der Kampf an vielen verschiedenen Fronten erzählt, dass man gar keine Luft holen kann und sich bereits nach der ersten Staffel fragt, wie sie diesen Pace beibehalten können. Das schaffen sie so überzeugend ohne wirkliche Lückenfüller und mit so gut erzählten Geschichten, die die Flotte oder die Cylons betreffen, oder füllen die Galactica mit so saftigen Charakter-Dramen, dass man denkt, man wäre in einem anderen Genre. Denn das schafft BSG ohne Zweifel. Die Serie tritt weit aus den Genregrenzen heraus und macht Dinge, die vorher noch keine SciFi-Serie angestellt hat.

In der Mitte von Staffel 3 lässt BSG leider stark nach. An diesem Punkt wird zwar die richtige Geschichte erzählt (die Auswirkungen eines wichtigen Plotpunktes), aber auf die falsche Art und Weise, mit der falschen Geschwindigkeit und mit den falschen Protagonisten. Die Serie lässt sich zu viel Zeit und lässt leider einige (für mich) sehr wichtige Personen unter den Tisch fallen und konzentriert sich dabei auf die falschen. Das hält leider bin in die Mitte der 4. Staffel an und nimmt dann wieder an Fahrt auf, um in einem fulminanten, emotional erfüllenden und insgesamt einfach großartigen Finale zu enden.

Neben all dem Plot und den spannenden Kämpfen an Bord von Raumschiffen, auf fernen Planeten oder im Weltall, schafft Battlestar Galactica den Geniestreich, den alle schaffen wollen, aber kaum eine Serie erreicht — man verbringt einfach gerne Zeit mit den Protagonisten. Alle Figuren sind so facettenreich etabliert, dass man sie schnell sehr gut kennt und so die Zusammengehörigkeiten und Konflikte bei gewissen Konstellationen gut versteht. So macht es einfach einen Heidenspaß mit den Piloten am Kartenspieltisch zu sitzen, mit dem ersten Offizier eine Flasche Ambrosia zu leeren, mit den Mechanikern in der Bar Pyramid balls zu versenken oder dem Admiral und der Präsidentin dabei zuzusehen, wie sie sich langsam in einander verlieben. Das ist die Eigenschaft, die ich an Firefly am meisten schätze. Dort sind die besten Szenen, wenn die Crew zusammen in der Messe am Tisch sitzt und isst. Man möchte einfach Zeit mit den Figuren verbringen. So auch mit Adama, Saul, Starbuck, Apollo, Athena, Boomer, dem Chief und Co.

Der folgende Teil richtet sich an alle, die Battlestar Galactica bereits gesehen haben. Hier möchte ich meine Probleme mit der Serie niederschreiben, denn so perfekt sie in den ersten zweieinhalb Staffeln ist, so durchwachsen ist sie am Ende. Es wird hier viel um Details gehen, die zum Teil zusammenhangslos, meistens Spoiler und für unbefleckte Seelen wahrscheinlich vollkommen unverständlich und verwirrend sein werden. Vielleicht entsteht ja eine kleine Diskussion dazu in den Kommentaren, denn mich würde auf jeden Fall interessieren, wie ihr zu meinen Schwierigkeiten steht, oder ob ich was vergessen habe.

Probleme

  • In der dritten Staffel (S03E07?) gibt es den Plotpunkt, dass sich Cylons mit einem Virus infiziert haben und, sollten diese in der Nähe eines Resurrection Ships sterben, würde sich der Virus auf deren komplette Flotte verteilen und diese mindestens lahmlegen. Das wurde ja vereitelt — aber — wie kann man bitte über so eine riesige versaute Chance, den Krieg zu gewinnen innerhalb von 2 Minuten völlig emotionslos hinweg gehen? Viel zu bescheuert.

  • Mich störte extrem, dass das dramaturgische Mittel des Cylon-Selbstmordes viel zu inkonsistent benutzt wurde. War es grad praktisch, einen Cylon leiden zu sehen, war das vor Gott nicht zu vertreten. In anderen, unwichtigen Situationen begehen sie teilweise Massenselbstmord. Wenn so etwas eingeführt wird und an mindestens einem Punkt sehr wichtig ist, bleibt wenigstens konsistent.

  • Die Standalone-Episoden sind immer sehr gut, nur teilweise zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Man springt zu der Folge und auf einmal ist nur noch Essen für 7 Tage in der Flotte übrig. Da müssen ja Wochen oder Monate der Suche zwischen dieser und der letzten Episode gelegen haben. Der Cylon B-Plot macht aber genau da weiter, wo die letzte Folge aufgehört hat. (Am Beispiel von S03E10 – The Passage. Die Episode über Futterknappheit, in der Kat als Heldin stirbt.)

  • So wichtig es war, die Geschehnisse von New Caprica aufzuarbeiten, wurde sich damit einfach viel zu viel Zeit gelassen. Ich meine, eine komplette Staffel? Dabei wurde leider so viel anderes vernachlässigt, dass die zweite Hälfte von Staffel 3 wirklich stinklangweilig wurde. Setzt man diese Zeit ins Verhältnis mit den Auswirkungen der Meuterei, kann man sich nur an den Kopf fassen. Die Konzentration auf Gaius Baltar half mir nicht wirklich dabei, mit diesem schwachen Teil der Serie klarzukommen.

  • Auch die erste Hälfte der vierten Staffel verschwendete massig Zeit mit Storylines, die kaum bis gar nichts zum Ausgang der Serie beitrugen. Besonders negativ ist mir dabei Starbucks Suche nach der Erde aufgefallen. Ihr Schiff fliegt Woche für Woche ziellos durchs All, sie wird dabei halb verrückt und am Ende ist sie unverrichteter Dinge wieder da. Führte alles zu gar nichts. Klar. Gaetas zerschossenes Bein und die Cylon-Rebellen sind Auswirkungen dieser Reise, aber das hätte man auch viel besser lösen können.

  • So langsam die erste Hälfte von S04 war, so überhastet war die zweite. Ein Beispiel ist die schon ein paar mal angesprochene Storyline um die Meuterei und genauso störte mich, wie sehr Sam Anders ab der Kugel in seinem Kopf zu einem reinen Exposition-Tool wurde. Hier wurde innerhalb von 20 Minuten die gesamte Cylon-Mythologie heruntergerattert, als ob es kein Morgen gäbe. Das war einfach faul geschrieben und man merkte, dass die Autoren am Ende nicht mehr wirklich Lust hatten diese Dinge originell zu erzählen. Quasi das Beispiel von tell, don’t show.

  • Die Meuterei in der Mitte der vierten war zwar effektiv und eine tolle Doppelfolge, aber an dem Punkt in der Serie habe ich nicht verstanden, warum diese Story so umgesetzt wurde, weil sie kein bisschen zum Finale beigetragen hat. Ausserdem war von den tief sitzenden Auswirkungen, von denen Adama während dessen sprach, überhaupt nichts zu sehen.

  • Zum Ende hin waren die ganzen B-Plots nur noch Lückenfüller, belanglos, uninteressant, schlecht umgesetzt und erzähltechnisch unmotiviert. Man denke an Baltar und seinen Harem, die Folge, als er sich um die Essensdistribution unter den Zivilisten auf der Galactica kümmern wollte und dem kommentarlosen Aushändigen von schweren Waffen. Hat das jemand verstanden? Dann war die Schwangerschaft von Caprica 6 vollkommen konsequenzlos und Lee, der den “Law” Part von Law & Order spielte funktionierte für mich überhaupt nicht.

  • Zu viele Figuren und Charakterentwicklungen sind mir zu sehr hinten runter gefallen. Chief Galon Tyrol ist nach dem Tod seiner Frau kaum noch im Fokus und die Storyline um ihn, Hotdog und seinem Kind verläuft komplett im Sande. Starbuck versauert auf der Demetrius, Boomer latscht blind Cylon #1 hinterher,

  • Helos und Athenas Tochter Hara ist in der vierten nur noch McGuffin und Plotdevice, was mich irgendwann sehr nervte. Mal rettet ihr Blut Roslin vor ihrem Krebs, ein zweites Mal wird das aber nicht versucht, Boomer kidnappt die Kleine, um sie kurz darauf wieder zurückzubringen und kommt am Ende mit den Koordinaten zur Erde rüber, was auch nicht notwendig gewesen wäre, denn Starbuck hatte die sowieso die ganze Zeit parat. Hier wollte Ronald D. Moore wohl die Wichtigkeit des ersten Mensch-Cylon-Kindes extrem auf die Spitze treiben. Zu betonen, dass nun Fortpflanzung zwischen den Rassen funktioniert, hätte vollkommen gereicht. So entstanden zu viele plot holes, als dass sie geschlossen worden wären.

  • Boomers “I owed you one.” ist total bescheuert. Wie wärs mit gewisse furchtbare Sachen nicht zu machen?

  • Ich hätte gerne mehr Zeit mit dem Cylon-internen Bürgerkrieg verbracht. Der wurde leider nur angedeutet, kam mir aber wichtiger vor, als tatsächlich gezeigt wurde.

  • Sam und Kara als Paar haben für mich nie funktioniert.

Serienfinale

  • Ich mochte sehr, wie im ersten Teil des Finales die Galactica zu Grabe getragen wurde. Es war sehr passend mit ihr eine letzte epische Schlacht zu kämpfen und sie dabei fast komplett zu zerstören. Das erinnerte mich sehr an das Finale von Friends, in dem deren Zuhause in Kisten verpackt und leergeräumt wurde und so dem Hauptschauplatz der Serie ein würdiges Ende zu verpassen.

  • Ebenso großartig war das Ende der Beziehung zwischen Adama und Roslin, deren Verbindung über die Serie so lange aufgebaut wurde, dass sie am Ende so ein blindes Vertrauen und Geborgenheit miteinander hatten, wie ein altes Ehepaar. Ich hätte noch 20 Minuten länger zuschauen können, wie beide in dem Raptor über die reiche Vegetation fliegen und sich an ihrer Schönheit ergötzen, nachdem sie jahrelang in ihrem Stahlkontainer eingesperrt waren, auch wenn die mindestens vier Verabschiedungen voneinander ein kleines bisschen übertrieben waren.

  • Lee Adamas Rede, wie sie fortan auf der Erde leben wollen fand ich zu sehr aus der Luft gegriffen. Einfach mal der Technik alle Schuld geben, Städte und Technologie aufzugeben und alle springen sofort drauf an, fand ich eher unglaubwürdig. Diese Entscheidung hätte man auch besser aufbauen können.

  • Nun haben sich die Menschen und Cylons dazu entschieden ihre Technologie aufzugeben, um der Gesellschaft keinen Vorsprung zu geben, keine Stadt zu bauen, den Kreis des Krieges zu brechen und zu sehen, wo es sie insgesamt hinführt. Die finale Montage zeigt dann sehr schön, wohin unser Hirn arbeitet, egal was für Voraussetzungen uns gegeben werden. Die Ambivalenz diesbezüglich (ob sich tatsächlich alles wiederholt) fand ich dann aber sehr passend.

  • Insgesamt war es ein tolles Finale mit einer letzten epischen Weltraumschlacht, in der die Galactica in die Kolonie gerammt wird und endlich die lang ersehnte emotionale Katharsis, in der jeder seinen Weg gehen kann, den er für richtig hält, keinen politischen oder militärischen Zwängen mehr unterlegen zu sein und einfach frei zu sein.
    Ich mochte, dass die letzte Szene zwischen Adama und Tigh auf dem Sofa der Galactica war, in der sie dem fast auseinanderfallenden Schiff zuprosten.
    Die kurz und schmerzlose Auflösung um Starbucks “Geheimnis” hat vollkommen ausgereicht und ich hatte am Ende des Finales den Drang meine Fäuste in die Luft zu strecken und zu rufen “Wir haben es geschafft!”
    Mehr kann man von einem Serienfinale nicht erwarten.

Herausragende Episoden

  • 33: Die erste reguläre Episode der Serie, die gleich voll aufs Gaspedal steigt. Die Galactica ist mit der ganzen Flotte auf der Flucht und die Cylons sind ihnen dicht auf den Fersen. Vollkommen übernächtigt und überlastet kommt die Crew an ihre Grenzen und muss lernen, dass sie im Laufe ihrer Reise nicht alle Flüchtlinge werden durchbringen können.
    Diese Folge ist ein Mikrokosmos der gesamten Serie und lässt vorausblicken, was in den nächsten 72 Episoden noch so kommen soll.

  • Final Cut: Cylon #3 dreht eine Doku an Bord der Galactica und zeigt so die Menschen hintern den Visieren. Gaeta, Dualla und Kat waren bis dahin nur glorifizierte Extras ohne Vornamen, die durch diese Folge erst richtig eingeführt werden. Zudem erwacht die Galactica mit dieser Folge richtig zum Leben.

  • Downloaded: Diese Folge zeigt die Cylon-Seite des Krieges und damit die Parallelen zwischen Mensch und Cylon, ähnliche Motivationen und Probleme. Die Cylons werfen hier sogar Fragen bezüglich ihrer Werte und Moral auf, mir denen sich die Menschen noch gar nicht auseinandergesetzt haben.
    Diese Folge kam genau zum richtigen Zeitpunkt der Serie, da der Standpunkt, die Cylons seien nur unmenschliche Killermaschinen, auf Dauer für die Serie und für mich im speziellen nicht ausreichend gewesen wäre.

  • Lay Down Your Burdons: (Das zweiteilige Season 2 Finale) Unglaublich ballsy so einen großen Sprung im Plot zu machen (New Caprica) und dann ein Jahr in die Zukunft zu springen. Nur durch Unfinshed Business funktioniert das wirklich, weil alles Passierte aufgearbeitet wird.

  • Unfinished Business: Die Boxing-Episode. Diese Folge, so aufgesetzt sie auch wirken mag, war wahnsinnig wichtig, um sich mit den Auswirkungen von New-Caprica auseinander zu setzen. Die physische Auseinandersetzung im Ring, gepaart mit den Flashbacks funktionierte für mich unglaublich gut. Und am Ende ist melodramatische Soap Opera in mehreren Boxkämpfen durchzuziehen, ziemlich cool.
    So eine Folge fehlte mir nach der Meuterei auf der Galactica.

  • Pegasus: Hier wurde die andere, rohere, emotionslose Seite des Krieges und des blanken Überlebens dargestellt. Den Zusammenhalt der Pegasus-Crew trotz töten von Zivilisten, um den Fortbestand des Militärschiffs zu sichern und die damit einhergehenden emotionalen Konflikte wurden unglaublich beeindruckend veranschaulicht.
    Der Konflikt zwischen Sicherheit und Demokratie mit der ständigen Bedrohung der Cylons im Nacken, hat über die bisherigen zwei Staffeln die Flotte um Adama und Roslin zusammengehalten. Die Pegasus hatte nie zivile Schiffe dabei und musste also nie diese Gratwanderung gehen. Die Einführung der Pegasus ist eine brillante Storytelling-Technik, die die Frage stellt — Was wäre mit unserer Flotte passiert, hätten Adama und Roslin nicht die ganzen Debatten geführt? Wie sähe die Situation aus, wäre man alle Probleme nur aus der militärischen Perspektive angegangen? Das Resultat wäre abschreckend, ekelhaft, grauenvoll und total schockierend.
    Ein unglaublicher Storyarc, der sich mehr nach Spielfilm, als Fernsehen anfühlte.

  • Someone to Watch Over Me: Starbuck versucht nach den furchtbaren Erlebnissen auf der Erde einen Sinn in ihrem Leben zu finden und freundet sich mit einem Pianospieler in der Bar an Bord des Schiffs an. Gemeinsam bewältigen sie einen Teil ihrer Kindheit, indem sie zusammen Musik machen. Das Highlight der ganzen Staffel. Diese Folge repräsentiert das, was BSG am besten macht. Sie trifft die großen Plotpunkte und die kleinen zugleich. Man hat die großen Storyarcs mit Boomer, die Hara zum Baseship entführt und die Probleme, die Tyrol damit hat, die Konfusion von Helo und gleichzeitig die kleinen Momente mit Kara und den Pianospieler. Sie trifft die intimen Noten und die allgemeinen Noten zur selben Zeit. Für mich — neben dem Finale — der unangetastete Höhepunkt der vierten Staffel. Einen großen Anteil hat hier die großartige Musik von Bear McCreary, der tolle Klaviermusik für diese Folge komponierte.

Fazit

Battlestar Galactica ist eine grandiose Serie, die Genregrenzen sprengt, wichtige Fragen aufwirft, ohne sie immer zu beantworten, seien es religiöse, politische oder zwischenmenschliche und uns auf eine sehr spannende Reise quer durchs All mitnimmt. Dabei ist man ständig von absoluten badasses umgeben, die fast jede Situation mit meist purem Willen zu bewältigen wissen und lässt und an den leisen Tönen an Bord der verschieden Schiffe teilhaben — manche lieben, manche hassen lernen und mit manchen einfach nur Zeit verbringen wollen.

Dabei ist der Plot von BSG so dicht, wie bei kaum einer Serie, wenn man sich überlegt, welche Stationen deren Reise hatte. Es macht einen riesigen Spass mitzurätseln, wer die ganzen Cylons sein mögen, was hinter dem religiösen Aspekt der Serie steckt und was die Cylons wirklich bewegt.

Ich habe, während ich die Serie durchschaute, immer wieder nebenbei Notizen gemacht, um festzuhalten, was ich gerade bezüglich des Großen Ganzen vermute, über gewisse Plotpunkte denke oder wer sich jetzt wieder als möglicher Cylon verdächtig gemacht hat. Das war interessant im Nachhinein nachzulesen, denn einige wichtige Stellen der Cylon-Mythologie vermutete ich schon zu Beginn der zweiten Staffel. Ich mag, wenn immer wieder Brotkrumen ausgestreut werden und manche davon zu einem großen Ziel führen und andere dies nicht tun.

Die ersten zweieinhalb Staffeln sind nahezu perfekt und kein Grund zu meckern. Von da an wird es etwas schwieriger zu schauen, bis man in der zweiten Hälfte der vierten gelandet ist (siehe meine massive Problemsektion). Da nimmt BSG wieder an Fahrt auf und beschert uns ein unglaublich befriedigendes Finale, mit dem sicher jeder weitestgehend zufrieden sein wird.

Ich habe mich am Ende der ersten Staffel schon gefragt, wie lange sie diese Geschwindigkeit und Dichte des Plots beibehalten können. Dass sie es 45(!) Folgen lang ununterbrochen voll badassery und ohne Verschnaufpause schaffen, verlangt Hochachtung.

Abschließend fällt mir auf, wo ich diese letzten Worte tippe, dass ich keinen einzigen Schauspieler beim Namen erwähnte und keine Figur besonders besprochen habe. So gut die Serie auch besetzt und die Figuren entwickelt sind, macht es meiner Meinung nach mehr Sinn diese Entwicklung selber zu erleben. Ausserdem müsste ich wahrscheinlich nochmal so viel schreiben, wenn ich auf alle bemerkenswerte Charaktere und Paarungen eingehen würde. Ich wollte mich dieses Mal mehr auf die Serie im Ganzen beschränken.

Insgesamt war Battlestar Galactica eine unglaublich erfüllende Erfahrung, eine beeindruckende Meisterleistung von Ronald D. Moore und Glen A. Larson und ein großer Einfluss auf Schience Fiction als TV-Genre.

★★★★✩

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