<

hirnrekorder

film - fernsehen - musik - zeug

Touch - Pilot

| Comments

Tim Kring (Heroes) hat sich also an eine neue Serie voller Mysterien einfallen lassen und Kiefer Sutherland (Jack Bauer, 24) in die männliche Hauptrolle gesteckt.

Plot

Es geht dabei im Wesentlichen um seinen 11-jährigen autistischen Sohn, der noch nie ein Wort sprach und nicht sichtbar eine Verbindung zur Außenwelt aufnimmt oder aufnehmen kann. Eben jener Sohn, Jake, kritzelt den lieben langen Tag Zahlenkolonnen in sein Notizbuch, repariert Mobiltelefone, hat einen Fable für die Fibonacci-Reihe und den goldenen Schnitt.

Im Laufe des Piloten konzentriert sich Jake auf alles, wo die beiden Zahlen 3 18 vorkommen. Nummernschilder, Telefonnummern, Lottotickets usw. Während dessen werden drei weitere Storylines begleitet, die verteilt über den Globus passieren und am 18. März (3 18 – get it?) alle ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen und damit die Schönheit von vermeintlichem Zufall, Mathematik und Einzelschicksalen auf einem güldenen Teller serviert. (/ironyoff)

Kritik

Man sieht hier echt gut, warum es so wenige Serien oder Filme dieses speziellen Genres gibt, die ihren Job gut machen und es schaffen die vermeintliche “Übernatürlichkeit” plausibel in eine reale Welt zu integrieren. Um zu gewährleisten, dass der große Stein dieser Geschichte pünktlich zum Piloten ins Rollen gerät, musste Martin (Sutherland) die letzten Jahre, obwohl gut gebildet, strunzdoof und ignorant durch die Welt stolpern, um zu übersehen, dass sein Sohn mit dem goldenen Schnitt und Fibonacci Zahlen hantiert, dann platzt auf einmal eine Sozialarbeiterin in deren Leben, die der Meinung ist die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber augenscheinlich keine Ahnung hat und reißt Jake aus seiner vertrauten Umgebung. Der Nächste ist ein alter Mann, den Sutherland besucht und auf den Zustand seines Sohnes die perfekte Antwort hat, ohne sich zuerst genauere Umstände erklären zu lassen, geschweige denn den Jungen einmal gesehen zu haben. Er rät ins Blaue hinein, dass Jake der nächste Schritt der menschlichen Evolution ist und das alles gar nichts mit Autismus zu tun hat. Ich meine, wer denkt sich so einen Scheiß aus?

Hier merkt man klar und deutlich die Grenzen darin, die komplette Exposition in 20 Minuten abzufrühstücken und warum sich die meisten Serien ein paar Folgen Zeit mit der Origin Story lassen. Das wirkt alles wie in einen zu kleinen Koffer gestopft, auf den man sich drauf setzen muss, um ihn zu zubekommen. Niemand verhält sich natürlich. Wenn alle tragenden Figuren bescheuert sein müssen, um eine Geschichte voran zu bringen, läuft eindeutig einiges falsch.

Und das Ergebnis der ganzen Übung? Jake kann also die Zukunft sehen, weil er versteht, wie alles zusammen hängt. Alles klar. Science Fiction hin oder her, aber soweit kann ich meinen disbelief nicht suspenden. Dass ein kleiner Junge von alleine auf Fibonacci gekommen ist, ist ja schön und gut, aber aus seinem kleinen Blickwinkel auf die Welt Voraussagen über Ereignisse am anderen Ende der Welt zu treffen ist schlichtweg Blödsinn, über den ich nicht hinweg blicken kann. Von dem emotionalen Teil der Geschichte will ich gar nicht erst anfangen.

Kring versucht eine Geschichte zu erzählen, in der sich fremde Menschen auf wundersame Weise gegenseitig beeinflussen können, da sie alle miteinander verbunden sind. Was er jedoch erreicht, ist eine narrative Koinzidenz, die weder charakter-, noch plotgetrieben ist, sondern reiner Zufall. Klar funktioniert der B-Plot brauchbar, ist er doch stark an Babel angelehnt, aber am Ende ist es alles das Gleiche. Es gibt keine Charaktere und keinen Plot, nur ein bisschen Hokuspokus, der uns vorgaukeln soll, dass von magischer Hand ein Haufen Puzzleteile zu einem größeren Ganzen zusammengefügt werden.

Es macht den Eindruck, dass Tim Kring wieder eine coole Story im Kopf hatte und diese dadurch, dass er alles in den Piloten stopfte, zu einer mittleren Katastrophe werden lies.

Ansonsten ist Touch gut fotografiert und die vier parallelen Geschichtsfäden greifen ganz clever ineinander, wenn man in der Prämisse den Kopf ausgemacht hat. Die Serie ist halt eine schwache Mischung aus Heroes, 24, Butterfly Effect und Flash Forward, die abgesehen von der ersten Heroes Staffel kaum auszuhalten waren und ich erwarte von Touch nichts anderes als ein langweiliges Procedural.

★✩✩✩✩

Wen aber das mathematische Thema des Piloten interessiert, kann sich das auf der Webseite von Vi Hart in 3 kleinen Videos ganz toll erklären lassen. Ich habe die Videos vor ein paar Tagen hier zusammen getragen.

Comments